Interviews

Künstler Thomas Bühler im Gespräch

Vorübergehend ©Thomas Bühler

Stell Dich kurz vor !

Geboren bin ich 1957 in Georgsmarienhütte in Niedersachsen einer kleinen Stahlarbeiterstadt wie der Name schon sagt mit ländlichen Umland. Mein Vater arbeitete, wie ein Großteil der Leute dort, auf der Klöcknerhütte als Maschienenschlosser. Meine Mutter war seit ich denken kann immer Hausfrau. Ich bin recht gut behütet aufgewachsen. in den umliegenden Wäldern des Teutoburgerwaldes verlebte ich eine sehr naturverbundene glückliche Kindheit.
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Haus©Thomas Bühler

Heute lebe und arbeitet ich (seit 2004) als freischaffender Künstler in einem Atelierhaus in Berlin Friedrichshain. Von 1981-86 studierte ich an der Fachhochschule in Münster Grafik/Design und Illustration unter anderem bei Prof. Hermann, Prof. Drehbusch, Prof Escher und Prof. Werspitzki. Meine Ausstellungsaktivität begann ich noch vor meiner eigentlichen künstlerischen Ausbildung. Sie weist mittlerweile eine umfangreiche Zahl an Stationen von Ausstellungen im In- und Ausland auf, sowie diverse Preise und Stipendien, darunter der 1. Preis des Mainzer Kunstpreis Eisenturm 2017. In der Zeit zwischen 1979-88 war ich in der Kulturszene Osnabrück aktiv und gehörte dort zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppe Osnabrücker Realisten. 1988 folgte der Umzug nach Berlin ins Atelierhaus des BBK Berlin am Checkpoint Charlie wo ich bis 2004 lebte und arbeitete. Im Jahr 1993 gründete ich mit anderen Künstlern die überregionale Künstlergruppe „Melpomene“ deren Mal- bzw. Motivstil ich mitprägte und der von der Gruppe selbst als „Skurrealismus“ bezeichnet wird. Seit dem Jahr 2007 bin ich, neben meiner freien künstlerischen Arbeit auch als Dozent für Zeichnen, Typografie und einige Bereiche der grafischen Produktion an der „Medienschule Babelsberg“ tätig. Es befinden sich Arbeiten im öffentlichen Besitz in der Stadt Osnabrück, im Landesmuseum Oldenburg, der Bezirksregierung Weser Ems, der Stadt Magdeburg, der Stadt Berlin u.a. Städten und Gemeinden, sowie in etlichen Privatsammlungen. Ich fertigte seit 1985 in ganz Deutschland diverse öffentliche und private Auftragsmalereien im Innen- und Außenbereich für Schulen, Kindergärten und Freizeiteinrichtungen, für Hotels, Privathäuser, in Verkaufsräumen und Büros.
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Hausträger©Thomas Bühler

Wie beschreibst Du Deine Kunst?

Meine traumhaft anmutenden Bildwelten wechseln immer wieder in den Bereich selbst erlebter und neu erfundener Realitäten. Je nach Lebenssituation dominieren mal die phantastischen, mal die realistischen Elemente in meinen Motiven. So erzähle ich heute meine literarisch offenen Bildergeschichten, deren Geheimnisse ich in künstlich anmutender, pseudorealistischer Manier illustriere. Angelehnt an Traumbilder, in denen alltägliche Eindrücke oft zu absurden neuen Konstellationen verknüpft werden, inszeniere ich meine skurrilen Motive. Dabei bediene ich mich nicht selten aus meinem eigenen Unterbewußtseinskino. Dies nimmt mir nicht nur kreative Grübelarbeiten ab, sondern eröffnet mir, quasi aus dem Repertoire eigener intuitiver Erkenntnisse schöpfend, ungewöhnliche Blickwinkel. In einer Zeit, in der der Begriff „virtuelle Welten“ uns deutlich macht, wie weit die Vorstellung von Realität inzwischen zu fassen ist, scheint es mir interessant, sich auf die älteste und natürlichste Form der erweiterten Wirklichkeit, der Träume, zu besinnen.
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Sprungbereit©Thomas Bühler

Welche Techniken nutzt Du?

Ich arbeite sowohl in der Malerei wie auch in der Zeichnung und Grafik in diversen Techniken. Dies geschieht meist schubweise und in Zyklen. Dabei nehme ich in der jeweiligen Werkgruppe immer wieder die Spur vorhergehender Themen oder Motive auf, die ich dann weiterentwickle und variiere. In der Druckgrafik wie z.B. Holz und Linolschnitt, Siebdruck, Radierung, und Lithografie gebietet schon die Werkstadt gebundene Arbeitsweise, eine zeitweilige Konzentration auf die gerade praktizierte Technik.
Zu der Werkgruppe meiner Zeichnungen wäre zu sagen, dass diese schon früh als eigenständige einmalige Bildresultate konzipiert waren . Einige dienten aber auch vorbereitend als Bildfindungsprozess größerer Arbeiten in Acryl, Tempera oder Öl. In vielen, oder sogar den meisten Fällen blieb es jedoch bei den Umsetzungen mit dem Zeichenstift oder Feder und Pinsel. Dies geschieht entweder weil sich das Motiv damit erschöpft hat oder mir das Thema mit der Zeichnung als Darstellungsform ausreichend bedient scheint, vor allem wenn der Inhalt stark zeitaktuelle Bezüge trägt. Tagespolitische Ereignisse oder Figuren sind in meinen engagierten Grafiken zwar nicht unbedingt zu erkennen aber eben doch für die Zeit typische Phänomene oder Geisteshaltungen.
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Narrenschiff©Thomas Bühler

Meine Werkgruppe monochromfabiger Malereien und Zeichnungen orientiert sich an altmeisterlichen Untermalungstechniken vergangener Epochen. Ich verwende diese Methoden der Ton-in-Ton Darstellung, die bei der Reduzierung auf Grautöne auch als Gresailletechnik bezeichnet wird, bei vielen meiner farbigen Wand- und Tafelbilder als erste Malschicht. Die häufig in vielen Farblagen aufgetragenen Bilder, werden über diese formklärende Arbeitsphase mit halbdeckenden-und transparenten Lasurfarben zu einer räumlich anmutenden illusionstischen Wirkung gestaltet. Der Reiz der von dieser häufig noch frühen Phase des Motivfindungsprozess ausgeht, hat auch in der Vergangenheit Maler dazu bewogen diese Form der Darstellung, als eigenständige Technik zu kultivieren und auf den oft betörenden Effekt einer üppigen Farbpallette zu verzichten.
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Die Kostümierten©Thomas Bühler

So finden sich auch schon früh Beispiele für diese Vorliebe extremer Farbreduktion in meinem Werk. Aus der Szene der kritischen Realisten der 70ger Jahre des 20. Jahrhunderts hervorgegangen strebe ich unter Rückbesinnung auf alte Maltechniken nach zeitgemäßen Inhalten und Motivauffassungen. Irritationen zu schaffen indem ich traditionell anmutende Formsprache mit Zeitgemäßem zu kombinieren ist dabei ein Teil meines künstlerischen Konzepts..
In der Werkgruppe lässt sich nach einer frühen Phase expressiver spontan zeichnerischen Experimentierens, eine Hinwendung zur klaren Kontur und modellierender Schraffur erkennen. Später sieht man neben monochromen Farbvarianten, immer stärker malerische Elemente dominieren, die dann auch weitere Farben mit einbeziehen.
In der Malerei bevorzuge ich die Tempera-, Öl-, Acryl und Aquarellfarbe.

Wie sieht Dein Atelier aus?

Im Verhältnis zu mir bekannten Malerateliers von Kollegen oder Beispielen aus der Kunstgeschichte, bilde ich mir ein relativ aufgeräumtes Atelier zu haben. Eher eine pragmatische Werkstattordnung.

Welche Künstler bewunderst Du?

Ich nenne hier nur ein paar, damit das hier nicht ausufert. Bei den Klassikern sind das beispielsweise Albrecht Dürer, Hieronymus Bosch aber auch Rembrandt oder Caravaggio.
Bei den Zeitgenossen oder Künstlern der nahen Gegenwart ist da zunächst einmal A. Paul Weber zu nennen. Seine Arbeiten haben unmittelbar dafür gesorgt, dass ich im Alter von 12 Jahren intensiv angefangen habe zu zeichnen und zu malen und seit dem nie wieder damit aufgehört habe. Andere sind z.B der russische Künstler Victor Safonkin, der Grafiker M.C. Escher oder auch der Zeichner Horst Jansen.

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