Kapstadt – die neue Kunstmetropole für moderne Kunst

Die südafrikanische Metropole ist nicht nur die neue Drehscheibe für afrikanische Künstler und Kunstentwicklung, sondern findet durch seine florierenden Galerien-Szene und einem beeindruckend großen Museum für zeitgenössische Kunst weltweit Beachtung.

 

Nach einer Flaute des asiatischen Kunstmarktes, füllt Afrika als neuer Global Player das Loch der Kunstszene und rückt in den Fokus internationaler Kunstsammler. Allein 2016 gab es internationale Messen für  zeitgenössische afrikanische Kunst in New York – Armory Focus und 1:54 – und einige andere in London und Paris. Aber auch in Afrika blüht die Kunstszene auf: Kunstmessen gewinnen an Größe, lokale Galerien sprießen aus dem Boden und werden profitabel – und das auf dem ganzen Kontinent: von den verwinkelten Straßen in Maputo und Addis Abeba bis zu den Wolkenkratzern von Lagos und Johannesburg.

 

Nirgends ist dieses neuentdeckte Interesse an afrikanischer Kunst so mitreißend wie in Kapstadt. Mit seinen schroffen Bergen, weißen Sandstränden und hügeligen Weinbergen hat Kapstadt schon immer am uralten Vorurteil gelitten, zu schön zu sein, um ernst genommen zu werden. Dank einer florierenden Galerie-Szene, Kunstmessen und ein neu gebautes Museum von Weltklasse, wird nun endlich auch die internationale Kunstszene auf afrikanische Kunst und die Kunstmetropole Kapstadt aufmerksam. Mit der Eröffnung des Zeitz Museum of Contemporary African Art (mit einer Gesamtfläche von 9500 Quadratmetern an der Waterfront am Ufer der Tafelbucht) am 22. September 2017 erhielt die bereits florierende Kunstmetropole Kapstadt noch mehr Aufschwung. Die „Mother City“ entwickelt sich zum „Miami der südlichen Hemisphäre”.

Das Museum wurde vom britischen Architekten Thomas Heatherwick entworfen, der den historischen ehemaligen Getreidesilo der Stadt umbauen ließ. Mit seinen neun Stockwerken ist das Zeitz MOCAA nicht nur der größte öffentlich zugängliche Raum für Kunst, der in Afrika seit über einem Jahrhundert eröffnet wurde; es wird auch den südafrikanischen Kunstmarkt, wie wir ihn kennen, tiefgreifend verändern. Auch abseits des neuen Museums eine lebendige Galerieszene, die sich das letzte Jahrzehnt hindurch ständig vergrößert hat. Dazu kommt noch eine Kunstmesse, die jährlich im Februar stattfindet. Beide profitieren jetzt von der weltweiten Aufmerksamkeit.

 

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les 3 piliers, Yao Metsoko, 2012, 120x80cm

 

Ein großer Teil dieses Interesses richtet sich auf Woodstock, einen kleinen Vorort, versteckt zwischen Tafelberg und Hafen, bekannt für den starken Wind, der durch die engen Gassen zwischen den bunt gestrichenen Häusern pfeift. Woodstock hat als wichtiger Knotenpunkt für Kapstadts multiethnische Gemeinschaft eine schmerzliche Vergangenheit während der Zeit der Apartheid und liegt nur ein paar Blocks entfernt vom berüchtigten District Six. Heute erlebt es eine rasante Gentrifizierung mit neuen Geschäften, Restaurants und ganzen Straßenzügen, die Galerien und Künstlerateliers gewidmet sind. Und obwohl Gentrifizierung sich natürlich auch auf die lokale Bevölkerung auswirkt, hat diese Wiederbelebung Woodstock zur Drehscheibe der modernen Kunstszene Kapstadts – und Afrikas – gemacht.

 

Experten und Galeriebesitzer begründen dies mit dem Argument, dass Künstler durch politische Unruhen entstehen und gedeihen. Es ist eine interessante Dichotomie, dass, während Südafrika derzeit eine der turbulentesten politischen Perioden seit dem Ende der Apartheid erlebt, der heimische Kunstbetrieb zunehmend leistungsstärker und stabiler wird. Und diejenigen, die mitten drin stecken, meinen, dass vielleicht jetzt der richtige Zeitpunkt für Kapstadt ist, zu beweisen, dass es mehr als nur ein hübsches Gesicht zu bieten hat, indem es seine Kunst dazu verwendet, der wachsenden Opposition gegen die Regierung eine weitere Stimme zu verleihen.

 

Das neue Zeitz Museum wird den kritischen Stimme zweifellos mehr Schlagkraft verleihen. Mit Ausstellungsräumen über sechs Stockwerke, einem Bildungszentrum und einem riesigen zentralen Atrium, das in der Form einer Getreidegarbe designt ist, wird das MOCAA jedoch auch stark auf den guten Willen von Gebern angewiesen sein. Zum einen Teil wollen die verantwortlichen Kuratoren den Platz mit Afrikanern füllen, die ihre eigene Geschichte erzählen. Andererseits wollen sie auch die Sammlung mit Gemälde, Skulpturen und Fotografien füllen, die aus dem Ausland zurückgebracht werden sollen.

 

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Graeme Williams, Mandela 11, 1986, 66x91cm

 

Manche Kritiker meinten, dass das Museum besser in Nairobi, Lagos oder Johannesburg aufgehoben wäre – Orten, die für das moderne Afrika repräsentativer sind als Kapstadt, abgelegen am südlichsten Zipfel des Kontinents und mit einem Bevölkerungsanteil an Weißen, der im Vergleich zur Demografie des Landes überdurchschnittlich hoch ist. Doch das Museum wurde bewusst in Kapstadt gebaut: Es ist ein Ort, der für natürliche Schönheit, Internationalität steht und kulturelles Erbe mit einschließt. Auch das große Touristenaufkommen spielt hier eine Rolle und internationale Gäste können mit afrikanischer Kunst in Kontakt kommen und deren Botschaften in die Welt tragen. Und auch lokale Galeriebesitzer sind sich darin einig, dass ein Museum für zeitgenössische Kunst von Weltklasse die afrikanische Perspektive in den Vordergrund rücken wird.

 

Afrikanische Künstler im Fokus

Auch auf Singulart gibt es afrikanische Talente zu entdecken. Angefangen bei bekannten Fotografen wie Graeme Williams, welcher als einer der bedeutendsten Fotografen Südafrikas gilt. In seinen 30 Jahren als Fotograf hat Graeme Williams mehr als 50 Länder bereist und hat sowohl die Großen wie Mandela, als auch diejenigen, welche die Gesellschaft vergessen hat, dargestellt. Seine Fotografien haben die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen Südafrikas aufgezeichnet.

 

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Mandela 1, 1990, 66x91cm

 

Aber auch Nachwuchskünstler wie Chibuike Uzoma finden einen Weg sich zu auf unserer internationalen Plattform präsentieren. Chibuike Uzomaist ein multidisziplinärer Künstler aus Nigeria, der mit Fotografie, Malerei, Zeichnung und Text arbeitet. Seine Arbeit schöpft aus dem Leben und den Wechselbeziehungen zwischen dem Menschen und der menschlichen Natur, besonders jenen, die für Nigeria und die afrikanische Diaspora von Bedeutung sind. Uzoma ist ein sozialer Kommentator, der visuelle Sprachformen schafft, um neue Perspektiven und alternative Erzählungen darzustellen.

 

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Untitled I, 2016, 66x81cm

 

Mehr afrikanische Inspiration: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler

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