Interviews

Wir präsentieren: Darko Caramello Nikolic

Wie kamst Du von der Graffiti-Kunst zur Arbeit mit der Leinwand?

Eigentlich ist die Inspiration zur Bildenden Kunst früher in mein Leben getreten als das Graffiti.
Der Vater eines Kindheitsfreundes war ein abstrakter Künstler, dessen Arbeiten und Lebensart mich stark beeindruckt haben.
Als Jugendlicher war der Weg zum Graffiti natürlich der Kürzere. Es war möglich direkt und ohne Vorkenntnisse einfach los zu legen und dabei viele Mitstreiter zu haben. Das war super. Das Ganze ist zwar mit einem gewissen Risiko verbunden gewesen, welches ich aber gerne in Kauf genommen habe. Das war eine aufregende Zeit.
Danach studierte ich Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Illustration.
Gefolgt von einer Ausbildung zum Comic- und Trickfilmzeichner.
Dort lernte ich professionell kreativ zu sein.
Nach einigen Jahren als Freiberufler wurde mir eine Ausstellung mit meinen freien Arbeiten angeboten.
Durch diese Erfahrung habe ich mich ausschließlich dem freien Schaffen gewidmet.
Ein Schritt, den ich nicht bereut habe.
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Was möchtest du mit Deiner Kunst ausdrücken?

In erster Linie steht die Art der Kunst, die ich betreibe, für sich selbst. Farben und Formen haben mit ihren physischen Eigenschaften eine ganz eigene Wirkung auf unsere Psyche.
Meine Arbeiten stellen dabei viel eher geistige Umstände als weltliche Gegenstände dar.
Mit den Energien, welche Formen und Farben in sich tragen, arbeite ich dann Themen aus.
Es benötigt viele Experimente bei der Erforschung der unterschiedlichen Kräfte.
Oft sind meine Themen mit figurativer Kunst nicht realisierbar.
Zum Beispiel in der Serie „search, find, lose and again“.
Das sind Bilder, die einzig und allein aus hunderten von unterschiedlich farbigen Dreiecken bestehen.
Schaut man sich ein solches Bild an, dann
fängt das Gehirn sofort an nach einem System zu suchen. Regelmäßigkeiten und Rhythmen werden fortwährend gesucht, gefunden und wieder verworfen.
Somit zeigen diese Arbeiten einen der interessantesten Aspekte des Menschseins auf.
Der ewige Versuch des Einordnens und Verstehens.
Wie in diesem Beispiel bringe ich einen geistigen Umstand in eine äußere Form, das ist meine Arbeit.
Diese Konzepte bestimmen zwar meine gestalterischen Entscheidungen, es bedeutet aber nicht, dass eine Komposition nicht auch auf ein vollkommen anderes Thema zutreffen könnte. Somit kann ich nicht sagen „dieses Bild handelt von diesem oder jenem“.
Ich kann nur sagen „als ich es malte habe ich es mit diesen Gedanken gestaltet“.
Das ist wohl vergleichbar mit der Musik. Es passen viele Texte auf ein Instrumental, weil diese Kunstsprachen von universeller Natur sind. Und doch kann es nicht beliebig geschehen, wenn es gut werden soll.
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The Cut, 2016, 150x150cm

Du arbeitest auch mit Installationen und Objektkunst: wie lassen sich die Techniken vereinen und welche Arbeit bevorzugst du persönlich?

Das Objekt und das Bild besitzen beide ganz eigene Qualitäten. Ich liebe es mit beidem zu arbeiten.
Das Objekt ist durch seine körperliche Präsenz natürlich ganz anders mit dem Betrachter im Kontakt als ein Bild. Mit jeder Bewegung zeigt es neue Perspektiven und arbeitet somit unmittelbar.
Ein Bild ist eher wie ein Fenster, durch das man die Welt betrachten kann. Man ist nicht Teil von ihr. Aber eben diese zurückhaltende Distanz gibt einem auch eine gewisse Ruhe zur Einkehr und Übersicht.

Kannst du etwas zur Entstehung und Geschichte hinter Deiner Serie „Still Just In Your Head“ erzählen?

Die Serie „Still Just In Your Head“ ist die Fortsetzung einer älteren Serie, die sich „Just In Your Head“ nennt.

OZM Gallery Darko Caramello © 2014 03

Die Arbeiten beschäftigen sich mit dem Wunsch nach Lüge und Imitation. All das Wissen über Gehirnfunktionen und die Wahrnehmung von Phänomenen hält uns ja nicht davon ab nach dem schönen Schein zu greifen und dem Selbstbetrug zu erliegen.

Bei längerer Betrachtung kommen die Arbeiten erst recht ruhig daher. Und dann entfalten sie Stück für Stück ihre Energie bis einem ganz schwindelig wird. Das Gehirn wird bis aufs Äußerste gereizt und wieder entspannt.

Diese Werke haben einen gewissen Anteil an optischer Täuschung, welche

so zurückhaltend wie möglich und so kräftig wie nötig eingesetzt werden. Es ist ein schmaler Grat, an dem das Auge überreizt wird.

Entstanden ist der erste Ansatz auf einer Studienreise nach Marokko. Dort war ich auf der Suche nach interessanten

Flächenaufteilungen. Allerdings war ich bitter enttäuscht. Denn die Ornamente dort sind leider in der Regel Verzierungen auf einem Hintergrund, die eher von der Quantität denn von der Qualität der Formen leben.

Jeden Tag, den ich verdrossen in mein kleines altes Hotel in der Altstadt von Casablanca zurück kehrte, waren mein einziger Augenschmaus die Bodenkacheln der Lobby, die mit einer 3D-romboiden Optik im klassischen Stil bemalt waren.

Nach meiner Abreise beschloss ich mit diesen Mustern zu arbeiten. Ich dachte mir, wenn diese äußerst einfache Sinnestäuschung in der Lage ist mir jeden tag Freude zu bereiten, dann könnte sie es wert sein genauer untersucht zu werden.

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SJIYH-01, 2017, 150×150

Das Profil des Künstlers auf Singulart: http://dcnikolic.com/

Die Webseite von Darko Caramello Nicolic:https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/darko-caramello-nikolic-674

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