Interviews

Daniel Seiffert: Der deutsche Fotograf im Interview

Kannst du Dich und Deine künstlerische Vision kurz vorstellen?

Ich sehe mich als künstlerisch arbeitender Fotograf in einer dokumentarischen Tradition.Das heißt, ich bilde die Welt um mich herum so ab, wie ich sie sehe.Mein Blick ist natürlich subjektiv und durch meine Sozialisation geprägt.Meine Bilder sind also mithin eine Interpretation der, wie auch immer sich darstellenden, Realität.

Wie kamst Du zur Fotografie?

Nach meinem Politikstudium bewarb ich mich aus Neugier an der renommierten Ostkreuzschule für Fotografie hier in Berlin.Ich hatte schon länger mit großer Bewunderung die Fotografen der Agentur Ostkreuz und deren Arbeiten verfolgt.Mein Interesse am bildnerischen Erzählen hat sicherlich seinen Ursprung in meinem Elternhaus.Beide Eltern arbeiteten für das Fernsehen der DDR bzw die DEFA im Bereich Dokumentarfilm.Meine Vater gab mir früh auf den Weg: „Weltanschauung (ein schöner, ambivalenter Begriff übrigens) kommt von Welt anschauen“.Das heißt, das Leben mit den eigenen Augen zu sehen und zu verstehen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.Durch eine Kamera bekommt das natürlich eine besondere Dimension.

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untitled – from series KRAFTWERK JUGEND, 2011, Fotografie, 60×45 cm

Du bist studierter Politik- und Medienwissenschaftler und hast ebenfalls Afrikanistik studiert bevor Du Dich der Fotografie zugewendet hast. In wie fern beeinflusst das Deine aktuelle Arbeit als Fotograf?

Natürlich beeinflusst mich meine Ausbildung und damit natürlich auch das, was mich als Person ausmacht, sehr.Es prägt mein Interesse und meine Neugier an gesellschaftlich relevanten Themen.Mein Studium der Medienwissenschaft führte sicherlich auch zu einem möglichst reflektierten Umgang meiner Arbeit als Fotograf und Bildredakteur.Dazu gehört für mich die permanente Selbstbefragung über die Möglichkeiten und Grenzen des Mediums.

Gibt es Motive, die Du persönlich schwer findest zu fotografieren oder fotografisch festzuhalten?

Schwer zu sagen. Es gibt sicherlich Motive, die visuell kaum interessant und darstellbar sind – bzw. die mich einfach auch nicht interessieren.

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untitled – from series KRAFTWERK JUGEND, 2011, Fotografie, 60×45 cm

Wie gehst Du vor, wenn Du mir einer neuen Serie anfängst?

Ich versuche viel zu lesen und zu recherchieren. Aber letztendlich ist meine Arbeit vor allem auch von Spontanität geprägt und insofern nur bedingt planbar.

Wie hat sich Dein Werk über die Jahre hinweg entwickelt hin zu dem, das es jetzt ist?

Das kann ich schwer beurteilen. Aber sicherlich ist meine Arbeit mittlerweile konzeptioneller geworden.Die Grenzen zwischen künstlerischer und im engeren Sinne dokumentarischer vielleicht auch journalistischer Fotografie werden ja immer fließender.Das hat natürlich auch mit Markt- und Produktionsbedingungen zu tun.

An was arbeitest Du zur Zeit und wie willst Du Dich in den nächsten Jahren künstlerisch entwickeln?

Ich arbeite zurzeit mit einer Gruppe von jungen deutschen Fotografien an einer Ausstellung mit gemeinsamen Positionen. Das grobe Arbeitsthema dreht sich um den Mythos „German Angst“. Das ist aber noch taufrisch und am Beginn des Entstehens. Aber wir haben schon die Zusage eines renommierten Museums für Fotografie hier in Deutschland für die Ausstellung 2019.Zudem werde ich Ende April für einige Wochen nach Angola fliegen, um dort mithilfe eines VG Bildkunst-Stipendiums ein Projekt über Luanda als teuerste Stadt der Welt zu fotografieren.Ich möchte mich dabei auf die junge Nachkriegsgeneration fokussieren. Ein wenig soll es in eine Richtung gehen wie meine bei Singulart präsentierte Arbeit „Kraftwerk Jugend“.Das wird sehr spannend.

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untitled – from series KRAFTWERK JUGEND, 2011, Fotografie, 60×45 cm

Das Profil von Daniel Seiffert auf Singulart:https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/daniel-seiffert-663

Die Webseite des Künstlers:http://www.danielseiffert.de/

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