Erich Gruber im Interview über Zurückhaltung, die Liebe zum Detail und die Bedeutung der unscheinbaren Dinge um uns herum

Erich Gruber

Wie kamen Sie zur Kunst?

Ich habe immer schon gezeichnet. Als Kind war ich Frühaufsteher und habe gerne am Morgen gezeichnet und gespielt,

damit ich dann den Eltern was von mir Erschaffenes zeigen konnte.

Durch mein Zeichnen kam ich später drauf, dass Kunst viel mehr kann, als nur schön, oder locker und lässig zu sein.

Ich studierte am Mozarteum in Salzburg und wollte meine Sprache in der Kunst finden. Ich habe aber gemerkt, dass es nicht um

eine Stilfindung geht, sondern um den Inhalt selbst. Das heißt, meine Bildsprache entsteht, wenn ich in ein Thema eintauche,

mich in der Umsetzung mit dem Betrachter auf ein Spiel einlasse, mich abarbeite.

 

Was möchten Sie mit Ihrer Kunst ausdrücken?

Da ich selbst ein gefühlsintensiver Mensch bin, will ich auch beim Betrachter Emotinen und Gedanken wecken, ich will ihn berühren.

Wenn meine Bilder viel mit mir zu tun haben, entsteht auch eher die Möglichkeit, dass sich Leute angesprochen fühlen, weil es

vielleicht auch sie betreffen könnte.

Ich bin von der Natur fasziniert und ein Beobachter, daher spielt auch immer wieder unsere Vergänglichkeit eine Rolle in meinen

Arbeiten. In der schnellebigen Zeit der Bilder- und Informationsflut versuche ich durch Leidenschaft, aber auch Zurückhaltung

und Liebe zum Detail mit meinen Zeichnungen den Betrachter zu verlocken, länger hinzusehen und immer wieder Neues zu

entdecken.

 

Bleistift auf Papier

Rest, 2017, Bleistift auf Karton, Karton unter Plexiglas, 67×87 cm

 

Gibt es Techniken, mit denen Sie gerne einmal experimentieren wollen würden?

Da ich mich dem Kern meines Anliegens von verschiedenen Richtungen nähern will, brauche ich dazu auch unterschiedliche Mittel.

Es entstanden Werke in verschiedensten Techniken und Materialien. Eine fast fotorealistische Bleistiftzeichnung kann in einer

Ausstellung eine große Spannung erzeugen, wenn sie neben einer abstrakteren Serie platziert wird. Textilarbeiten oder Lacktafeln

haben wiederum eine komplett andere Aufgabe, Wirkung und Möglichkeit. Vielleicht experimentiere ich auch einmal mit Objekten…

 

Wie hat sich Ihr Werk über die Jahre verändert hin zu dem, was es jetzt ist?

Da ich selbst immer sehr hohe Ansprüche an meine Arbeit stelle, haben bereits die ersten ausgestellten Werke eine Relevanz.

Der in meinen Bildern erschaffene Kosmos wird immer reicher, es entsteht mit der Zeit ein Gesamtbild, das immer schlüssiger wird.

Vielleicht habe ich früher expressiver gezeichnet. Fest steht aber, dass ich die Farbigkeit reduziert habe.

 

Aquarell

Seelfried, 2013, Aquarell, 160×128 cm

 

Inwiefern beeinflussen politische Geschehnisse Ihr künstlerisches Werk?

Es sind zeitlose Themen, die mich beschäftigen. Partei- und tagespolitische Ereignisse spielen in meiner Arbeit keine Rolle.

Andererseits ist, wie ich lebe, was und wie ich zeichne ein klares Statement.

Mein Erforschen und Hervorheben von kleinen, unscheinbaren, unvollständigen, verletzten, vielleicht vordergründig

hässlichen Dingen, der leise und oft sehr zeitaufwändige Einsatz der Zeichenmittel und das kleine Format gehen in Opposition

zu den propagierten Werten einer populistischen Politik, die sich bedingungsloses Wachstum, Konsumrausch und Verdrängung

auf die Fahnen heftet.

 

Bleistift auf Papier

Starter, 2017, Bleistift auf Papier, 59×49 cm

 

Erich Gruber auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/erich-gruber-1566

 

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