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Einflussreiche Künstler von heute – wer prägt derzeit die Kunstwelt?

Was ist nötig, um offiziell in den Kanon einzudringen? Um eine Idee davon zu bekommen, werfen wir einen Blick auf die neuesten Errungenschaften von zehn der einflussreichsten Künstler, die derzeit die Zukunft der zeitgenössischen Kunstpraxis mitgestalten. Alle diese Künstler haben vor kurzem einen entscheidenden Wendepunkt in ihrer Karriere erreicht, indem sie beispielsweise für ein bedeutendes Auftragswerk ausgewählt wurden, durch eine Umfrage in einem weltweit anerkannten Museum oder indem sie den nationalen Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig gestaltet haben.

Lena Henke
Geboren 1982 in Warburg, Deutschland. Lebt und arbeitet in New York.

Lena henke

Lena Henke

Lena Henke ist heute zwar Großstädterin, ist allerdings auf einem Pferdehof aufgewachsen. Diese zwei Kapitel ihrer Biografie werden in einer Sammlung ihrer Skulpturen miteinander verbunden, die bis Ende Juli im Rahmen der Gruppenausstellung „Between the Waters“ im Whitney Museum of American Art in New York zu sehen ist. Zu den Werken der Ausstellung gehört etwa „Dead Horse Bay“ (2016), eine aus Bronze gegossene Skulptur eines Pferdekopfs, aus dem eine fantasievolle Version der Skyline von Manhattan wächst, mit der Henke die Auswirkungen des umstrittenen Städteplaners Robert Moses auf das Stadtleben in New York anspricht. Außerdem zu sehen sind auch mehrere Keramikskulpturen in der Form von Pferdehufen, die auf rosa Holzsockeln angebracht sind.

Henkes Ästhetik ist umtriebig, und ihre Sujets sind abwechslungsreich; man täte ihr also Unrecht, sie als Pferdefanatikerin abzustempeln. Bei einer Ausstellung im Antenna Space in Shanghai zeigte sie 2017 minimalistische Werke, die von Schlamm bedeckten Industriegittern ähneln. Im selben Jahr präsentierte sie eine rätselhafte Skulptur aus Metall, Einzäunungen und Sand im Eingangsbereich der renommierten Schirn Kunsthalle in Frankfurt.

Henke war schon immer abenteuerlustig und hat, wenn nötig, auch gerne mal Regeln gebrochen. So hat sie etwa in Guerillamanier Ausstellungen in Nagelstudios und unter Autobahnbrücken organisiert. „Anstatt zu versuchen, eindeutige theoretische Antworten zu liefern, arbeitet sich Henke tatsächlich durch jede Phase des Prozesses und testet die Dinge in der Realität aus. In diesem Sinne ist ihre Arbeit wirklich experimentell“, sagt Fabrice Stroun, der Kurator von Henkes Einzelausstellung in der Kunsthalle Zürich im Frühling 2018.

Eine weitere Einzelausstellung gibt es bis Ende Juni auch in der namhaften Galerie Emanuel Layr in Wien zu sehen, von der Lena Henke seit 2016 repräsentiert wird. Im Anschluss an eine Gruppenausstellung im November 2017 wurde sie kürzlich auch in die Borolami Gallery in New York aufgenommen, wo sie im Januar 2019 ihre erste Einzelausstellung präsentieren wird.

Nina Chanel Abney
Geboren 1982 in Chicago. Lebt und arbeitet in New York.

Nina Chanel Abney bedient sich für ihre Arbeit breiter Bereiche der Popkultur und mischt alles neu durch, von Cartoons bis Henri Matisse. Die unkomplizierte Schlichtheit ihrer Kompositionen – in knalligen Farben und mit einer Energie, die auf Stuart Davis zurückgreift – steht im Kontrast zur Komplexität ihrer Themen. Beispielsweise beschäftigt sie sich in letzter Zeit auch mit der Polizeigewalt gegenüber Menschen verschiedener Ethnizitäten in den USA. Hugo Vitrani, der Kurator von Abneys aktueller Ausstellung im Palais de Tokyo, meint etwa: „Abney schafft Gemälde in poppigen Farben über tiefgehende Spannungen.“ Damit drückt er in anderen Worten das aus, was die Künstlerin oft selbst sagt, dass Ihre Bilder „leicht zu schlucken, aber schwer zu verdauen“ seien.

Seit mehr als einem Jahrzehnt bewegt sich Abney eifrig auf sensiblem Terrain. In ihrem großformatigen Diptychon „Class of 2007“ (2007) stellte sie ihre Studienkollegen der bildenden Kunst an der Universität Parsons als dunkelhäutige Gefängnisinsassen dar und sich selbst als blonde, blauäugige Gefängniswärterin. Kunsthändler und Sammler wurden auf dieses provozierende Werk aufmerksam, und so wurde es 2008 in die Ausstellung „30 Americans“ der Rubell Family Collection aufgenommen. Die Ausstellung reist nach wie vor durch die USA, 2018 etwa vom McNay Art Museum in San Antonio in Texas zum Tucson Museum of Art und zur Barnes Foundation in Philadelphia. Die Gruppenausstellung umfasst auch Werke von anderen einflussreichen Künstlern wie etwa Kerry James Marshall, David Hammons und Kara Walker.

Seitdem ist Abney auf der Überholspur. Ihr Werk wurde in mehrere wegweisende Gruppenausstellungen aufgenommen, etwa 2016 bei „Flatlands“ im Whitney Museum of American Art und 2015 bei „No Man‘s Land“ der Rubell Family Collection in Miami, das dann von 2016 bis 2017 im National Museum of Women in the Arts zu sehen war. 2017 eröffneten zwei namhafte Einzelausstellungen von Abney in New York, die gleichzeitig in der Jack Shainman Gallery (bei der sie seit kurzem zur Gruppe der repräsentierten Künstler zählt) und in der Mary Boone Gallery liefen. Und obwohl sie erst Mitte dreißig ist, hat Abney es bereits zu einer Retrospektive gebracht, die im Februar 2017 im Nasher Museum of Art an der Duke University eröffnet wurde. Diese Ausstellung reiste 2018 zum Chicago Cultural Center und wird kommenden September in Los Angeles sowohl im California African American Museum als auch im Institute of Contemporary Art zu sehen sein.

Haroon Mirza

Haroon Mirza

Haroon Mirza
Geboren 1977 in London. Lebt und arbeitet in London.

Haroon Mirza ist ein Multimedia-Künstler, der für seine kinetischen Skulpturen und immersiven Installationen bekannt ist, für deren Kreation er sich verschiedenster Technologien bedient. Für sein Auftragswerk „A C I D G E S T“ (2017) für das Pérez Art Museum Miami (PAMM) schuf der Künstler eine multisensorische Umgebung – einen abgedunkelten Raum, in dem blinkende, farbige Lichter so programmiert sind, dass sie bestimmten Schallfrequenzen entsprechen. Jedes Element des Werks leitet sich aus den Buchstaben seines Titels ab (ein Buchstabenspiel mit „Acid Test“, das auf Ken Kenseys Experimente mit LSD in den 1960ern anspielt) und schafft ein elektronisches Gedicht aus Ton und Licht.

„Haroons Werk besitzt die erstaunliche Fähigkeit, die Art und Weise zu verändern, wie wir Raum, Architektur, Klang und sogar Zeit verstehen“, sagt Diana Nawi, die Mirzas Auftragswerk als Kuratorin für PAMM betreut hat. „Seine Arbeit ist in den letzten Jahren auf große Resonanz gestoßen, und das hat bedeutende Möglichkeiten eröffnet, um wirklich ambitionierte und experimentelle Werke zu schaffen.“

Ein begeistertes Interesse an Mirzas Arbeit ist auch durch seine zahlreichen Einzelausstellungen im Jahr 2017 zu bemerken, die jetzt ihre Runden quer durch Ausstellungsorte in Europa, den USA und in Südamerika drehen. Sein Auftragswerk für die Londoner Zabludowicz Collection, für die er Klangkompositionen, Videoaufnahmen und existierende Werke aus der Sammlung kombiniert hat, wird im Kulturzentrum MADAI in São Paulo gezeigt. Sein Werk für PAMM geht im September auf Reisen in das Asian Art Museum in San Francisco, und vor kurzem waren drei seiner Installationen auch in der Nikolaj Kunsthal in Kopenhagen (Dänemark) zu sehen, einem einzigartigen Ausstellungsort in einer umgebauten Kirche aus dem 13. Jahrhundert.

Ein weiteres Projekt zeigt Mirzas audiovisuelle Entdeckungsreisen im Freien: ein Kreis aus schwarzem Marmor, der Klang- und Lichtmuster erzeugt. Dieses Auftragswerk für Ballroom Marfa wurde zum Vollmond am 29. April 2018 in der Stadt Marfa in Texas eröffnet – so etwas wie Stonehenge in der texanischen Wüste – und wird dort fünf Jahre lang bleiben.

Amy

She was learning to love moments, to love moments for themselves, Amy Sherald

Amy Sherald

Geboren 1973 in Columbus, Georgia. Lebt und arbeitet in Baltimore, Maryland.

Manchmal ist es gar nicht so leicht, den Punkt zu bestimmen, an dem die Karriere von Künstlern von „aufsteigend“ zu „etabliert“ übergeht und ihr Name kein Geheimtipp mehr ist, sondern allgemein bekannt wird. Bei Amy Sherald lässt sich der Zeitpunkt allerdings recht einfach erkennen. Als sie von der ehemaligen First Lady Michelle Obama mit dem Schaffen eines offiziellen Porträts beauftragt wurde, brachte ihr das sofortige Bekanntheit ein, und ihre Arbeit kam auf die Titelseite der New York Times. „Das Obama-Porträt ließ Amys Karriere in die Stratosphäre aufsteigen“, sagt Lisa Melandri, Direktorin des Contemporary Art Museum St. Louis, wo Sheralds Einzelausstellung im Mai 2018 eröffnet wurde.

Seitdem das Porträt im Februar erstmals gezeigt wurde, zählt Sherald zu den Künstlern, die von der Galerie Hauser & Wirth repräsentiert werden, zu denen unter anderem so bekannte Namen wie Jenny Holzer, Rashid Johnson und Mark Bradford gehören (der zuvor von der Galerie Monique Meloche in Chicago vertreten wurde). Ihre erste Ausstellung mit der Galerie wird 2019 in New York stattfinden.

2016 war Sherald in der Gruppenausstellung „The Outwin 2016: American Portraiture Today“ vertreten, die in der Smithsonian National Portrait Gallery eröffnete und dann zu Museen quer durch die USA reiste. Die Ausstellung war das Ergebnis eines nationalen Porträt-Wettbewerbs, bei dem Sherald den ersten Platz belegte. 2017 war sie dann bei der einflussreichen Gruppenausstellung „Fictions“ im Studio Museum in Harlem in New York dabei, zusammen mit anderen aufstrebenden Künstlern wie etwa Matthew Angelo Harrison und Christina Quarles. Im selben Jahr wurde ihr Werk auch in die Gruppenausstellung „Color People“ unter dem Kurator Rashid Johnson in der Rental Gallery in New York aufgenommen.

Seit zehn Jahren folgen Sheralds Gemälde einer sehr konsistenten formalen Struktur: Porträts von Afroamerikanern mit ein oder zwei Figuren vor einem flachen, monochromen Hintergrund. Mit Ausnahme von Michelle Obama sind ihre Sujets anonym und zeigen zurückhaltende Gesichtsausdrücke, als ob sie beschlossen hätten, etwas von sich nicht preiszugeben, obwohl sie zur Schau gestellt werden. „Ihre Sujets sind so genau porträtiert, dass man sie auf der Straße erkennen kann“, sagt Lisa Melandri. „Sie fragen sich, wer sie sein könnten, was sie tun, wohin sie gehen, was sie denken – was ihre Persönlichkeit ausmacht.“

Marguerite Humeau

Marguerite Humeau

Marguerite Humeau
Geboren 1986 in Cholet, Frankreich. Lebt und arbeitet in London.

Die Installationen von Marguerite Humeau, bei denen sie uralten Glauben und moderne Wissenschaft gekonnt miteinander vermischt, strahlen nicht nur einen verführerischen Charme aus, sondern auch etwas Unbehagliches. Ihre jüngste Ausstellung im Londoner Museum Tate Britain war eine immersive Installation, die an Kleopatra und das ägyptische Pantheon denken ließ. Die Installation bestand aus großen Skulpturen aus Styropor, einer Tonaufnahme von flüsternden Stimmen und Röhren, durch die Schlangengift im ganzen Raum zirkulierte.

„Marguerites Werk appelliert an unsere Faszination für die enorm erweiterten Horizonte des Designs“, sagt Nadim Samman, einer der Kuratoren einer frühen Einzelausstellung von Humeau im Jahr 2014 bei Import Projects in Berlin. „Ihre Arbeit dramatisiert auf spektakuläre Weise, wie sich Gen-, Molekular- und Informationstechnik mit Mythen kreuzen.“

Marguerite Humeau hat einen Master-Abschluss in Design Interactions am Royal College of Art gemacht, und wie sie an ihre Projekte herangeht, ähnelt dem Ansatz eines Designers: intensive Recherche, Beratung mit Experten und mit einem Blick auf die neuesten Produktionstechnologien. Ihre Abschlussarbeit von 2011, für die sie unter anderem Rapid Prototyping einsetzte, um die Stimmbänder ausgestorbener Arten zu rekonstruieren, wurde noch im selben Jahr vom MoMA erworben.

Die letzten Jahre waren für die Künstlerin besonders ausschlaggebend. Außer in der Tate Britain zeigte Humeau ihr Werk auch in Einzelausstellungen in Paris im Palais de Tokyo und in Berlin im Schinkel Pavillon. 2017 gewann sie den Zurich Art Prize, einen renommierten Schweizer Kunstpreis, der rund 86.000 Euro (100.000 Schweizer Franken) für die Finanzierung einer Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv in Zürich und zusätzlich ein Preisgeld von etwa 70.000 Euro umfasst. 2018 wird für die Künstlerin ebenfalls spannend – ihre erste institutionelle Einzelausstellung wird im September im New Museum in New York eröffnet.

Hiwa

Hiwa

Hiwa K
Geboren 1975 in Kurdistan, Irak. Lebt und arbeitet in Berlin.

In dem Video „Pre-Image (Blind as the Mother Tongue)“ von 2017 balanciert Hiwa K eine Skulptur auf der Nase, die er aus gefundenen Gegenständen konstruiert hat: Stangen und einige abgebrochene Motorrad-Rückspiegel in verschiedenen Größen. So reist er durch die Landschaft, wobei ihm die bruchstückhaften Reflexionen als Orientierung dienen, die er in den Spiegeln über sich sieht. Auf diese Art geht er noch einmal in Griechenland und Italien die Stationen seiner Flucht aus dem Irak ab, den Weg, den er 2001 während des Golfkriegs zu Fuß zurückgelegt hat.

„Das Werk von Hiwa K ist einerseits von seiner Geschichte als Flüchtling geprägt, andererseits von der Tatsache, dass er seit zwanzig Jahren in Deutschland lebt. Es spiegelt universelle Wünsche und Hoffnungen wider, Kämpfe mit Moral und Vorschriften und die schlichte Wahrheit, dass wir unleugbar in einer Welt zusammenleben“, sagt Martin Germann, Kurator der Ausstellung des Künstlers im Frühjahr 2018 im Museum für Gegenwartskunst S.M.A.K. im belgischen Gent.

Hiwa Ks Installation „When We Were Exhaling Images“ von 2017 war eines der herausragenden Werke bei der documenta 14 in Kassel letztes Jahr. Globale Migration als Schwerpunkt dieser documenta hat den passenden Rahmen für Hiwa K geboten, um seine Arbeit zu präsentieren. Die Installation ist in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich für Produkt- und Möbeldesign der Kunsthochschule Kassel entstanden und war meterhoch mitten auf dem Friedrichsplatz in Kassel zu sehen. Sie umfasste Gegenstände aus Büro- und Wohnräumen, wie sie sonst in einem IKEA-Katalog zu finden sind, zusammengepfercht in großen Abwasserrohren aus Ton – Rohren, wie sie Flüchtlingen in Lagern als improvisierte Unterkunft dienen und Hiwa K nur allzu gut bekannt sind.

Die Karriere des Künstlers hat in den letzten Jahren in Europa deutlich an Schwung gewonnen, beispielsweise 2017 mit Einzelausstellungen im KW-Berlin und im De Appel Arts Centre in Amsterdam. Für sein Werk bei der Kunstbiennale von Venedig 2015 („All the World’s Futures“ unter Kurator Okwui Enewzor) hat Hiwa K auf dem Boden im Irak gefundene militärische Metallabfälle eingeschmolzen und für die Herstellung einer riesigen Glocke benutzt. Die aufgestellte Glocke wurde von einer zweikanaligen Videoinstallation eingerahmt, die das Konstruieren der Glocke zeigt.

Seine heurige Ausstellung im S.M.A.K. in Gent hat den Blick ebenfalls auf den Arbeitsprozess gerichtet. Anstatt völlig neue Werke zu schaffen, hat Hiwa K sein bestehendes Oeuvre als Rohmaterial benutzt, es überarbeitet und umgeschrieben. Seine erste Ausstellung in den USA – eine aktuell laufende Einzelausstellung im New Museum in New York – wird sein Publikum sicherlich weiter vergrößern.

Naama Tsabar

Naama Tsabar

Naama Tsabar
Geboren 1982 in Jawne, Israel. Lebt und arbeitet in New York.

Naama Tsabar war früher Punk-Musikerin. Es ist also kaum überraschend, dass sie die Disziplinen der visuellen Kunst und der musikalischen Darbietung in ihrem Schaffen miteinander verschmilzt. „Das sinnliche Erleben ist ein sehr wichtiger Bestandteil von Tsabars Arbeit. Sie versucht die Grenzen zwischen Kunst und Betrachter zu durchbrechen und schafft einen neuen Bereich für Wahrnehmung und Einbindung“, sagt Thomas Rom, Vorstandsmitglied beim Center for Contemporary Art in Tel Aviv, in dem Tsabars Arbeit Teil einer Gruppenausstellung im Frühjahr 2018 war.

Beteiligung statt passivem Betrachten steht im Mittelpunkt des Erlebens von Tsabars Werk. Bei ihrer monumentalen Installation „Propagation (Opus 3)“ aus dem Jahr 2015 im Kunstmuseum MARTE in El Salvador setzte die Künstlerin Lautsprecher, Verstärker, Klaviersaiten und andere Audiogeräte ein, um die Architektur des Museums in ein Instrument zu verwandeln. Besucher konnten den Raum buchstäblich spielen, indem sie seine Saiten zupften.

Zu Tsabars Darbietungen gehört auch das Aktivieren ihrer minimalistischen Skulpturen aus Filz und Draht, als wären sie Bassgitarren, etwa bei ihrer jüngsten Einzelausstellung in der New Yorker Paul Kasmin Gallery. Eine ihrer Ausstellungen im Jahr 2016 bei den Spinello Projects in Miami zeigte einen Performer, der in eine schmale, dreieckige Konfiguration aus Mikrofonen singt. Nach der Eröffnung blieben die Mikrofone für den Rest der Ausstellung an und standen jedem Besucher zur Verfügung, der seine Stimme dafür herleihen wollte.

Für die ambitionierten Projekte bei der Art Basel in Miami Beach im Jahr 2016 und bei Prospect New Orleans 4 im Jahr 2017 lud Tsabar große Gruppen Musiker ein, die sich als weiblich, genderqueer oder non-binär identifizieren. Sie führten Partituren auf, in denen sich verschiedene musikalische Genres vermischen, was die Musiker selbst zu einer gesellschaftlichen Skulptur machte. Die aktuelle Einzelausstellung von Naama Tsabar im Kunsthaus Baselland in der Schweiz läuft bis Mitte Juli 2018 und zeigt auch drei ihrer früheren Werke sowie eine neue Aufführung, die in Zusammenarbeit mit lokalen Musikern speziell für die Ausstellung geschaffen wurde.

Ojih

Toyin Ojih Odutola

Toyin Ojih Odutola
Geboren 1985 in Ile-Ife, Nigeria. Lebt und arbeitet in New York.

Toyin Ojih Odutolas Gemälde in Mixed Media sind Wunderwerke voller Nuancen, Drama und Sorgfalt. Die jüngste Einzelausstellung der Künstlerin im Whitney Museum in New York zeigte eine Reihe von Porträts in Pastellkreide, Bleistift und Holzkohle – obwohl in diesem Fall „Porträts“ eine Fehlbezeichnung ist. Die dargestellten Figuren sind fiktive Mitglieder zweier erfundener nigerianischer Adelsfamilien, die nicht auf einzelnen, Modell sitzenden Personen beruhen, sondern auf Mischformen aus der eigenen Familie und Freunden der Künstlerin.

Es ist eine Sicht, die nicht nur ambitioniert ist, sondern auch Macht verleiht. „Indem sie eine imaginäre Welt zeigt, in der rassistische Unterdrückung, Kolonialismus und Sklaverei nicht existieren, macht die Künstlerin eine starke Aussage über Vorurteile und Diskriminierung“, sagt Silvia Barisione, Kuratorin am Museum The Wolfsonian in Miami, die den künstlerischen Ansatz Odutolas als „magischen Realismus“ beschreibt. Ihre Sujets strahlen ein müheloses Selbstvertrauen und Gelassenheit aus. Das macht Odutola zu etwas wie einer künstlerischen Erbin von Barkley L. Hendricks. So war sie auch bei der Gruppenausstellung „Legacy of the Cool“ dabei, die Anfang 2018 als Hommage an den 2017 verstorbenen Maler am Massachusetts College of Art and Design stattfand.

Die Ausstellung von Odutola im Whitney Museum markiert einen Punkt, der in jede Künstlerkarriere einen wichtigen Meilenstein darstellt: die erste Einzelausstellung in einem New Yorker Museum. Dass ihre Arbeit in der beliebten amerikanischen Fernsehserie Empire einen Gastauftritt hatte, hat ihrer Bekanntheit natürlich auch gutgetan. Im Rahmen einer weiteren Ausstellung in diesem Jahr, die bis September im SCAD Museum of Art in Savannah (Georgia) läuft, werden neue Zeichnungen präsentiert, mit denen die Künstlerin die Reise in faszinierend hoffnungsvolle Fiktionen fortsetzt.

Samson

Samson Young

Samson Young
Geboren 1979 in Hongkong. Lebt und arbeitet in Hongkong.

Für den Hongkong Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig 2017 hat der Klangkünstler und Komponist Samson Young einen Raum wie ein Wohnzimmer der 1970er Jahre eingerichtet und mit ebenso gespenstischen wie vertrauten Melodien gefüllt. Seine Neuaufnahmen von Benefiz-Singles, darunter Ohrwürmer der 80er wie „Do They Know It’s Christmas?“ and „We Are the World”, erforschen die Macht der Songs sowie die bei ihrer Schaffung mitspielenden neoliberalen Annahmen – und nicht zuletzt die Verwendung dieser Lieder als auf die Tränendrüsen drückende Hilfsmittel bei der Beschaffung von Spendengeldern.

„Samsons Schaffen baut auf seinem Interesse an Ton und Musik auf und den Implikationen des gesellschaftspolitischen Kontextes“, sagt Kurator Ying Kwok, Organisator der Ausstellung in Venedig („Songs for Disaster Relief“), die weiter ausgebaut heuer auch in Hongkong im M+ Pavilion zu sehen ist. Kwok ist beeindruckt von „dem Ausmaß an Recherche und wie er aus Ereignissen aus Vergangenheit und Gegenwart schöpft, die scheinbar nicht miteinander verbunden sind“, was zu nuancierten Werken führt, die „Menschen unterschiedlicher Herkunft, aus verschiedenen Kulturen alle auf ihre eigene Art nachempfinden können“.

Der Künstler schloss das Studium der Musikkomposition an der Princeton University mit einem Doktortitel ab und läuft zur Höchstform auf, wenn ihm ein Raum zur Verfügung gestellt wird, in dem er seine ambitionierten Ideen vollständig umsetzen kann. So geschehen etwa beim Manchester International Festival 2017, bei dem er ein fünfteiliges Live-Hörspiel mit Begleitmusik präsentierte. Dieses Werk mit dem Titel „One Of Two Stories, Or Both (Field Bagatelles)“ dreht sich um das Thema der chinesischen Migration, worauf er in einer begleitenden Ausstellung in Manchesters Centre for Contemporary Chinese Art mit einer immersiven Multimedia-Installation noch tiefer eingegangen ist.

Für ein Auftragswerk des Guggenheim Museums für die aktuelle Gruppenausstellung „One Hand Clapping“ hat er die Möglichkeiten der Klangwelt weiter ausgelotet und eine Installation mit Klängen erfundener Instrumente gefüllt.

Perry

Sondra Perry

Sondra Perry

Geboren 1986 in Perth Amboy, New Jersey, USA. Lebt und arbeitet in Perth Amboy.

Welche Möglichkeiten gibt es im virtuellen Bereich für das Repräsentieren der Black Identity, der schwarzen Identität? Kann Technologie eingesetzt werden, um gegen Unterdrückung und Überwachung anzukämpfen? Das ist die Art von Fragen, die Sondra Perry faszinieren, eine New-Media- und Performance-Künstlerin, deren Arbeit die Vorstellung, dass die digitale Welt ein neutrales Gebiet sei, auf den Kopf stellt.

Ihre aktuelle Einzelausstellung „Typhoon Coming on“ in den Londoner Serpentine Galleries ist ihre erste in Europa, und Perry ist zudem die jüngste Künstlerin mit einer Einzelausstellung in der Geschichte dieses Kunstmuseums. Als Rahmen für ihr Werk diente ihr William Turners Gemälde „Das Sklavenschiff“ von 1840, im Original „Slavers Throwing Overboard the Dead and Dying, Typhoon Coming On“. Perry verwandelte Turners gespenstisch tobendes Meer zur animierten Videoprojektion „Thyphon Coming on“ (2018), das die Galeriewände vom Boden bis zur Decke ausfüllt und den Betrachter mitten in diese höllische Szene stellt: Ein Sklavenhändler wirft Menschen über Bord, um das Geld der Versicherung zu bekommen. Perry erlaubt es dem Betrachter nicht, passiv zu bleiben. Um eines der vier Werke der Ausstellung, „Wet and Wavy – Typhoon coming on for a Three-Monitor Workstation“ (2016), richtig sehen zu können, muss ein Rudergerät von Hand betrieben werden – mit Blick auf die drei Bildschirme.

Bei der Ausstellung „Resident Evil“ im Jahr 2016 in The Kitchen in New York waren die Wände im für Chromakey typischen Blauton gestrichen – einer Farbe, die auf die Technik des digitalen Erstellens zusammengesetzter Bilder hinweist (vergleichbar mit der Greenscreen-Technik) und auch auf den berüchtigten „Blue Screen of Death“, dem Fehlerbildschirm, der auf Windows-Computern nach einem Systemabsturz erscheint. Nach diesem Karrieredurchbruch folgten im Frühjahr 2018 Perrys erste Einzelausstellung in der New Yorker Galerie Bridget Donahue und eine ganze Reihe namhafter Gruppenausstellungen, darunter „Trigger: Gender as a Tool and a Weapon“ im Herbst 2017 im New Museum in New York und im Frühjahr 2018 „Art in the Age of the Internet, 1989 to Today“ im Institute of Contemporary Art in Boston.

Sondra Perry fährt damit fort, den Betrachter zu fordern, zu faszinieren und zu provozieren, und das gestärkt durch die Unterstützung von Kunstinstitutionen wie etwa dem Seattle Art Museum, wo seit dem Winter ihre aktuelle Einzelausstellung noch bis Juli zu sehen ist und das ihr 2017 den Gwendolyn Knight and Jacob Lawrence Price verliehen hat.

Singulart freut sich schon bald die zukünftigen einflussreichen Künstler von morgen zu präsentieren:https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler

Finden Sie unsere aufstrebenden Talente hier:https://www.singulart.com/de/sammlung/unsere-neuen-aufstrebenden-talente-135

Quellen

Pferdehufe: http://www.jttnyc.com/6953,6955,7334,86167
Dead Horse Bay: http://bortolamigallery.com/artist/lena-henke/works/

https://frieze.com/article/lena-henkes-casting-call
https://www.instagram.com/anotherharddayattheoffice/

Nina Chanel Abney
https://ninachanel.com/
Class of 2007: https://rfc.museum/30a-nina-chanel-abney
https://www.instagram.com/ninachanel/

Haroon Mirza
http://www.clickfolio.com/haroon/
ACIDGEST: http://pamm.org/exhibitions/haroon-mirza-c-i-d-g-e-s-t
https://www.instagram.com/explore/tags/haroonmirza/
https://www.lissongallery.com/artists/haroon-mirza

Amy Sherald
http://www.amysherald.com/

Marguerite Humeau
https://www.instagram.com/marguerite_humeau/

Hiwa K
Röhren documenta: https://static1.squarespace.com/static/553a2ad4e4b067fd7c70f064/t/593d02d5d2b857459a5a1bb6/1497175389303/DSC02399.JPG
http://www.hiwak.net/projects/

Naama Tsabar
http://www.naamatsabar.com/works/

Toyin Ojih Odutola
http://toyinojihodutola.com/

Samson Young

http://thismusicisfalse.com/One-Of-Two-Stories-Or-Both-Field-Bagatelles

Sondra Perry
http://sondraperry.com/Resident-Evil

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