Friedemann Baader

Können Sie sich uns kurz vorstellen?

 

Ich wurde in Freiburg / Breisgau geboren, in dem schönen Südbaden. Das Land und die Menschen haben mich geprägt. Das Leben ist gut dort, die Menschen sind offen und warmherzig. Die Rheinebene hat mit den Weinbergen und Auewäldern ihren eigenen Charme. Dennoch habe ich nach der Schule diesen Ursprung bewusst verlassen. Mich drängte es auch über die Grenzen der Heimat hinauszuschauen. Nach vielen Reisen landete ich in an der Kunsthochschule in Kassel. Diese Entscheidung hatte ich mir genau überlegt, waren hier doch unter den Lehrenden einige bekannte Namen anzutreffen. Ich konnte mich in vielen Projekten engagieren und lernte viel. Mir war immer wichtig, 100%ig mein Ding zu machen und diese Vorstellungen und Ziele auch in die Teams einzubringen. So war der Übergang aus dem Studium in die Arbeitswelt auch sehr fließend. Damals lag mein Schwerpunkt in der experimentellen Videoproduktion. Das war recht kostspielig, so musste ich als Kameramann und Cutter arbeiten um meine Projekte zu finanzieren. Daraus entstand meine erste Festanstellung als Creative Director in einer Medienagentur. Das war ganz nett, aber nicht ganz mein Ding. Ich gründete meine eigene Agentur. In der Kunst wollte und will ich bis heute keine Kompromisse machen. Daher wollte ich immer wirtschaftlich unabhängig bleiben.

 

nachtwind

nachtwind 10, 2009, 120 x 35 cm , Digital auf Papier, Alu Dibond

 

Wie kamen Sie zur Kunst oder wie kam die Kunst zu Ihnen?

 

Hier gibt es verschiedene Faktoren. Zum einen verfügte ich schon als Kind über eine sehr ausgeprägte innere Vorstellungswelt. Bilder von damals zeigen einen kleinen Jungen, der mit großen Augen staunend die Welt betrachtet. Dieses Staunen habe ich bis heute nicht verloren und ist für mich ein zentrales Wahrnehmungsmuster. Das Staunen macht einen frei von vorgegebenen Sinngebungen. Man kann neu entdecken und neu interpretieren. Für mich entscheidend für Kreativität. Die erste Kamera konnte ich mir bei meinem Vater ausborgen, ein leidenschaftlicher Hobbyfotograf. In der späteren Zeit hatte ich gute Lehrer, die meinen inneren Drang erkannten und förderten.

 

Kopfohr

kopfohr, 2013, Pastell Bleistift auf Papier, 70 x 50 cm

Was macht Ihre Werke aus?

 

Ich glaube, ich bin in meiner Arbeit sehr eigenständig. Mich kümmern nicht die Strömungen oder stilistischen Einordnungen. In gewisser Weise arbeite ich wissenschaftlich, ich erforsche meine Wahrnehmungen, versuche diese Erfahrungen und Erkenntnisse in Bilder und Objekte zu formen. So entstehen zum Beispiel die Bilder nachts am Meer. Man kennt die Bilder aus der Zeit er Erfindung der Fotografie, die Daguerreotypien. Auf den Straßenszenen waren nie Menschen zu sehen, da durch die lange Belichtungszeit diese einfach nicht auf der Platte abgebildet wurden. Ich wollte untersuchen, was geschieht mit dem Meer bei extrem langer Belichtungszeit. Ist es möglich, dass das auch nicht sichtbar ist? Nein, natürlich nicht, sondern die Bewegung gerinnt sozusagen zu sehr spannenden grafischen Mustern. So entstand die für mich sehr meditative Serie „Nachtwind“.

 

INFORMATYR

INFORMATYR, 2018, Bleistift auf Papier, 70 x 50 cm

 

Wie gehen Sie normalerweise vor, wenn Sie an einem neuen Werk arbeiten?

 

Es ist in der Regel ein langer Weg zu einem neuen Werk. Ideen sind schnell geboren, und sammeln sich in beängstigender Weise. Allerdings ist der Weg von der Idee zu einem Werk lang und steinig. Man muss buchstäblich durch das tiefe Tal und den Berg wieder hoch – ohne das geht es nicht., auf jeden Fall bei mir. Es gibt den ständigen Kampf zwischen der Kopfidee und der Bauchidee. Immer wieder versucht man bewusste Entscheidungen in dem Prozess zu fällen, die sich dann fast immer als unbrauchbar erweisen. Ich muss das Bild, die Skulptur spüren können. Es muss sich offenbaren. Ich zeichne, bearbeite Fotografien, lege diese dann weg und schaue Tage später wieder darauf. Ich bin dann in einem anderen Kontext, in einer anderen Wahrnehmung verhaftet und sehe die Dinge anders. Damit versuche ich eine Art Distanz zu dem ersten Versuch herzustellen. Dieser Prozess kann sich über einen längeren Zeitraum hinziehen, immer wieder ein neuer Ansatz, bis das Bild seine Bewährungsprobe bestanden hat.

 

tagtraum 3

tagtraum 3, 2009, 100 x 70 cm

Was ist für Sie schwierig zu fotografieren?

 

Das ist zunächst eine schwierige Frage … ich fotografiere nun seit über 40 Jahren, war unter anderem auch als Kameramann für Nachrichtensender unterwegs. Ich habe also viel gesehen. Es gibt immer wieder die Situation, dass man zu dem Motiv, zu der Idee keine Beziehung aufbauen kann, dass man nicht authentisch arbeiten kann. Dann sollte man am besten aufhören und ein anderes Motiv suchen. Zum Beispiel hatte ich innerhalb der Serie „Nachtwind“ geplant an der Küste der Normandie zu fotografieren. Zum einen ist das Meer dort recht bewegt, zum anderen interessierte mich die Felsenlandschaft. Ich wollte untersuchen, wie sich das Prinzip der langen Belichtung mit dem Wasser in den Felsen verhält. Eine typische Kopfidee. Ich plante die Reise abhängig von den Gezeitentabellen. Ich wanderte einige Nächte an den Stränden in der Gegend von Granville und machte sehr viele Aufnahmen. Nichts war gelungen, ich konnte einfach nichts sehen, nichts empfinden. Mehr durch Zufall gelangte ich an einem der folgenden Tage an den Strand von St. Nicolas. Hier fand ich uralte Felsformationen mit vollkommen eigenartigen Farb- und Formspielen. Hier war ich sofort gefesselt und konnte eine für mich wichtige Serie zu den „Ursteinen“ innerhalb von wenigen Stunden erarbeiten.

 

steinwerk

steinwerk, 2016, Digital auf Papier, 60 x 120 cm

 

Was bedeutet Ihnen die Kunst?

 

Für mich ist Kunst elementar. Kunst bietet die Möglichkeit neue Dimensionen von Bewusstsein zu erlangen, Kunst ist bewusstseinserweiternd. Sie ist die Sprache der Intuition in unserer wenig intuitiven Welt. Kunst entzieht sich der materiellen Welt und ihren Strukturen und ist im Grunde anarchistisch. Kunst ist in der materiellen Welt eigentlich zwecklos, erfährt ihren Sinn aber durch die Imagination, die sie freisetzt.

Friedemann Baader auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/friedemann-baader-1275

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