Wie würden Sie Ihre Kunst beschreiben?

 

Ich arbeite mit einfachen künstlerischen Mitteln und versuche ein Abbild der Wirklichkeit zu erreichen, das präzise ist und meinen Blick auf die Welt klar zum Ausdruck bringt. Dabei spare ich nicht das Unheimliche und Bedrückende aus, möchte aber in meiner Kunst auch den Moment der Erhabenheit zeigen, der dem Leben jedes Einzelnen innewohnt.

 

Rückbau

Rückbau, 2016, Übermalung/ Pigment-Marker+Acryl auf Vintage-Ölgemälde 50 x 60 cm

 

Wieso sind Sie Künstler geworden?

 

Mit Stift und Papier kann ich etwas ausleben, das in der Realität einen riesigen Aufwand bräuchte, um denselben Kick zu geben. Als Kind erlebte ich auf diese Weise erstaunliche Abenteuer und als Künstler gehe ich immer noch auf Reisen in innere Welten und finde dort Bilder mit spannenden Blickwinkeln auf meine reale Umgebung.

 

Heide

Heide, 2016, Übermalung/ Pigment-Marker+Acryl auf Vintage-Ölgemälde 70 x 100 cm

 

Welche Ideen vertreten Sie in Ihrer Kunst?

 

Ich habe als Jugendlicher die Agonie und den Zusammenbruch der DDR miterlebt und dadurch feine Antennen für gesellschaftliche Veränderungen und Umbrüche ausgebildet.

Mir fallen Auflösungserscheinungen in der Gesellschaft auf, die ich mit den wirtschaftlichen Wachstumsfantasien in Verbindung setze.

 

Heiland

Heiland, 2016, Übermalung: Pigmentmarker auf Vintage- Kunstdruck, 45×50 cm

 

Mit welchen Techniken arbeiten Sie?

 

Seit dem Ende der Achtziger Jahre optimiere ich den PVC-Schnitt für mich. Das ist eine Variante des Linolschnitts/-drucks. Ich schneide die Druckplatten aus PVC-Fußbodenbelag mit Linol-Schnittmessern. Beim Auflagen-Druck auf Papier finde ich meisterliche Unterstützung bei Peter Rensch, der als Künstler die Andante-Handpresse in Berlin betreibt. Großformatige Unikat-Drucke auf Papier oder Leinwand führe ich selbst aus.
Ich zeichne außerdem mit Pigment-Markern auf Papiere und Wandflächen, häufig in Kooperation mit der Künstlerin Gabriele Worgitzki (Berlin). Wir arbeiten als Künstlerduo unter dem Namen ADAPTER zusammen.

Ich zeichne seit Jahrzehnten Künstlerbücher. Auf Flohmärkten sammle ich Kitsch-Bilder (Original-Gemälde und auch historische Kunstdrucke), die ich mit Acrylfarben und Pigment-Markern übermale. Ich fertige Collagen an. Mittlerweile arbeite ich als Autor an Romanprojekten, veröffentliche Geschichten im Hörfunk und schreibe Erzählungen, die als Audio-Installation in Ausstellungen präsentiert werden.

 

Polarruine

Polarruine (Walfangstation), 2017, PVC-Druck auf Leinwand/koloriert, 100×185 cm

 

Wie kann man sich Ihr Atelier vorstellen?

 

Ich fand meinen Arbeitsraum 1990 in einem Haus, in dem sonst überwiegend uralte Damen und verwilderte Katzen lebten. Inzwischen zeigt das Viertel ein vollkommen neues Gesicht. Die Häuser sind renoviert, lediglich in meinem Atelier steht die Zeit still. Ein verwunschener Ort, an dem ich seit fast dreißig Jahren arbeite. Aus dem Fenster blicke ich in eine riesige Kastanie mit Wild-Tauben-Nestern und Krähen, die diese belauern. Es ist mir wichtig, über eine räumliche und organisatorische Konstante zu verfügen, gerade weil ich als Künstler eher das Phönix-Prinzip auslebe und mich gern neu erfinde.

 

Jörn Gerstenberg auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/j%C3%B6rn-gerstenberg-917

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