Wir präsentieren ArtTwo – den Kunstblog von Iris Haist und Pia Littmann

Arttwo

@Irist Haist und Pia Littmann

Pia Littmann und Iris Haist exklusiv im Gespräch bei Singulart 

Über was genau schreiben Sie in Ihrem Blog und an wen ist er adressiert?

 

PL: Schwerpunktmäßig befassen wir uns mit Bildender Kunst und ihren unterschiedlichen Akteuren, den Künstlern und Künstlerinnen, mit Museen, Galerien, Projekträumen und anderen Kontexten, in denen Kunst gezeigt wird. Wir haben aber auch schon über formschöne Autos und bildgewaltige Kurzfilme geschrieben – wenn es uns „angetriggert“ hat.

 

IH: Formschöne Autos? Pia, das war ein Porsche, der wegen seines Designs immer wieder kritisiert wurde … Die Bemalung in Rosa mit der Einzeichnung der einzelnen anatomischen Teile eines Schweins hat aber eine sehr interessante Geschichte. Ansonsten stimme ich zu.
Das Blog richtet sich an alle, die sich gerne überraschen lassen, die eine gewisse Vielfalt an Themen und Schreibstilen schätzen und die einfach Lust auf Kunst

haben.

 

Wie kamen Sie auf die Idee einen Blog zu schreiben?

 

PL: Iris und ich haben uns durch unser Volontariat an der Staatsgalerie Stuttgart kennengelernt. Wir hatten schon einiges miteinander erlebt, als sie mich im letzten Sommer gefragt hat, ob wir mit einer eigenen Seite an den Start gehen wollen …

 

IH: Gefragt? Eigentlich hatte ich lediglich die Idee eines eigenen Kunstblogs angesprochen, bei Pizza und Aperol Spritz. Und du hast dann sofort Nägel mit Köpfen gemacht und das Projekt quasi an dem Abend noch gestartet. 😀 Jetzt muss ich sagen: zum Glück!

 

In Ihrem Blog schreiben Sie aus zwei Perspektiven. Können Sie uns mehr dazu erzählen?

 

PL: Teilweise betrifft das die Themen, über die wir schreiben. Beiträge zu Burgen und Schlössern sprechen zum Beispiel eher dafür, dass Iris am Drücker saß. Auch ein oft sehr persönlicher Stil spricht für meine Kollegin. Iris, woran erkennt man meine Artikel?

 

IH: Das stimmt. Ich erzähle einfach gerne Geschichten und Anekdoten, mich interessiert immer auch der historische Kontext ganz besonders. Pia nimmt oft ein einzelnes Werk, das ihre Aufmerksamkeit erregt hat – gerne Arbeiten der modernen und zeitgenössischen Kunst – und beleuchtet es von allen Seiten, beschreibt es und benennt seine Besonderheiten.

 

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@ Iris Haist und Pia Littmann

Welche Kunstrichtung sagt Ihnen als Kunsthistorikerinnen am meisten zu?

 

IH: Als Kunsthistorikerin versuche ich immer objektiv zu sein, da habe ich, was meine wissenschaftlichen Texte angeht, keinerlei Präferenzen. Alles kann spannend sein, wenn man sich darauf einlässt. Im Blog zeige ich allerdings schon meine persönlichen Präferenzen: Barock und Positionen aus der figürlichen Kunst der Gegenwart.

 

PL: Ich mag im Prinzip alles, was konsequent ist und originell. Ein gewisses Auge habe ich immer auf die formalen Mittel und wie sie eingesetzt werden – deshalb mag ich auch die graphischen Künste sehr. Ich komme von den Alten Meistern, ein netter Reprint von Dürers „Rhinozeros“ steht auf meinem Schrank. Ein Beispiel, das mir aktuell über den Weg gelaufen ist, sind die ästhetisch reizvollen Platin-Aufnahmen des Berliner Fotografen Jens Knigge von Naturszenen und von eigentümlich geformten, ansprechend in Szene gesetzten Gegenständen, die sich ebenfalls in diesen Naturräumen befinden.

 

IH: Dürer war auch wirklich ein Genie! Ich tendiere allerdings eher zu seinen Zeichnungen.

 

Wie beurteilen Sie das Potenzial des Online Kunstmarkts?

 

PL: Vor kurzem habe ich dazu einen Artikel in kunst:art gelesen. Während sich die Verbreitung von Informationen und auch die Diskussionen über Kunst weiter in die digitalen Medien verlagern – immer mehr Museen haben jetzt auch ihr eigenes Blog –, dominiert im Verkauf von Kunst nach wie vor der analoge Handel, steht der persönliche Kontakt im Vordergrund. Das Potenzial sehe ich aber gerade darin, dass Online-Angebote die Möglichkeit und auch die Sicherheit schaffen, sich vorab diskret zu informieren. Gerade für Leute, die bislang noch nicht so stark mit Kunst in Berührung gekommen sind, die darauf vielleicht auch (noch) keine Lust haben, ist das einfach auch sehr praktisch. Auch Leuten, die sich einen Überblick nach ihrem eigenen Rhythmus verschaffen wollen, sich nicht an Öffnungszeiten, Messetermine etc. halten wollen, kommt der Online-Markt entgegen.

 

IH: Dazu kommt natürlich die durch das Internet gegebene Freiheit – man kann Kunst immer und überall erwerben – tendenziell über alle Ländergrenzen, Sprachzonen und körperliche Möglichkeiten hinweg. Dennoch würde ich nie ein Werk kaufen, das ich nicht vorher schon einmal irgendwie im Original gesehen habe, außer ich kenne andere Arbeiten der Künstlerin oder des Künstlers und vertraue ihr/ihm.

 

Haben Sie schon einmal Kunst online gekauft?

 

IH: Ja. In Rom gibt es eine Streetart Künstlerin, Rachele Del Nevo, die auf Teile industrieller Kartons malt und den Untergrund miteinbezieht. Von ihr habe ich mir schonmal eine Zeichnung schicken lassen. Und ab und zu findet auch ein Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert seinen Weg zu mir nach Hause …

 

Wie beurteilen Sie die politische Dimension von Kunst? Sollte Kunst mehr Stellung beziehen?

 

PL: Das kann man nicht einfordern, das würde die Freiheit der Kunst einschränken.

 

IH: Ganz genau. Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Kunst kann politisch sein, muss es aber nicht. Doch wenn sie es ist, kann sie richtig positioniert viel bewirken.

 

PL: Und dann gibt es natürlich auch politisch argumentierende Ausstellungen so wie die Bauhaus-Schau, die aktuell im Württembergischen Kunstverein läuft. Anlässlich des 100. Geburtstages von Bauhaus 2019 und gleichzeitig 50 Jahre nach einer ersten, maßstabsetzenden Ausstellung zum Thema, die ebenfalls am Kunstverein stattfand, werden dort die politischen Verstrickungen des Bauhauses während des Nationalsozialismus unter die Lupe genommen. Zugleich wird die Teilhabe spätere Künstlergruppierungen, die die Ideen von Bauhaus weitergetragen oder sich gerade von diesen distanziert haben, im Kontext der großen Gesellschaftsentwürfe oder -utopien der 1960er- Jahre beleuchtet – auch das ist ziemlich interessant.

 

Welche Rolle spielt Kunst Ihrer Meinung nach ganz allgemein in der Gesellschaft?

 

IH: Eine sehr wichtige! Kunst ist zugleich ein Teil und der Spiegel unserer Kultur, unserer Gedanken, unserer Probleme und unserer Wünsche. Sie ist ein Teil von uns, unserer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

 

PL: Man kann gut über Kunst ins Gespräch kommen, Ideen, Gedanken, Argumente formulieren, sich miteinander austauschen. Kunst kann aufregend sein, schön, inspirierend, unbequem … Und natürlich kann Kunst ein Korrektiv sein, in diesem Sinne ist sie ein Ausdruck unserer Freiheit, persönlich und politisch …

 

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für das Gespräch bei Pia Littmann und Iris Haist. Hier der Link zu Ihrem eigenen Kunstblog ArtTwo: https://www.arttwo.de/

 

Wenn Sie mehr über die beiden, Ihr Konzept und Kunst im Alltag erfahren wollen: https://www.arttwo.de/blog/kunst-im-alltag/

 

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