Im Gespräch mit Beate Köhne

Beate

Können Sie sich uns kurz vorstellen?

 

Ich bin freischaffende Künstlerin und lebe seit mittlerweile 20 Jahren in Berlin. Aber ich reise gern und versuche jedes Jahr eine Zeit lang im Ausland zu arbeiten. Dort entstehen nicht nur Skizzen, ich wohne oft länger an einem Ort und arbeite dann mit Ölfarben. Das verändert die Palette. In Mexiko zum Beispiel waren Licht und Schatten so hart, dass auf einmal viel dunklere Farben und stärkere Kontraste auf meinen Leinwänden auftauchten. Momentan benutze ich auch stark verdünnte Ölfarben, damit habe ich während eines Residenzstipendiums im Wendland vor drei Jahren begonnen. Damals wohnte ich einen Monat lang in einem Stelzenhaus direkt über einem See und malte draußen am Ufer.

 

Wirbel

Wirbel, 2017, Öl auf Leinwand, 190 x 170 cm

 

Wieso sind Sie Künstlerin geworden?

 

Ich bin mit Matisse aufgewachsen, mein Vater malte als junger Mann Reproduktionen in Öl für die ganze Familie. Bei meinen Großeltern hing ein Corinth, bei meinen Tanten Sisley und Franz Marc. Kunst und Literatur waren in unserer Familie etwas ganz Selbstverständliches. Das erleichtert natürlich die Berufsentscheidung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich noch mal irgendetwas anderes machen möchte. In der Malerei muss man andauernd etwas neu erfinden, man darf nicht in Routinen verfallen. Daher wird es auch nie langweilig.

 

Kleine Landschaft

Kleine Landschaft, 2016, Öl auf Leinwand, 20 x 40 cm

 

Gibt es immer wiederkehrende Motive in Ihren Arbeiten?

 

In meiner Ölmalerei geht es um Dynamik und Schwerelosigkeit. Flächen und Formen scheinen sich zu drehen, sie wirbeln oder tanzen. Das liegt an ihren unregelmäßigen Konturen und auch am gestischen Farbauftrag. Mich beschäftigt die Farbe, die reine Malerei. Manchmal mag ein verdrehtes Blatt, ein Ast oder eine Blüte zu erkennen sein. Mehr als alles, was konkret zu erkennen oder zu benennen wäre, interessiert mich jedoch die Schaffung eines neuen, eines imaginären Bildraums. Linien und Formen sind amorph und organisch zugleich.

 

personal mapping

Personal Mapping, 2016, Öl auf Leinwand, 180 x 200 cm

 

Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Werk beginnen?

 

Meine Methode entspricht dem Sujet. Es gibt wenig Distanz und viel Bewegung in meinem Werk. Die Leinwand liegt auf dem Boden, ich bearbeite sie von allen Seiten, ich schütte die Ölfarbe, wische, lasiere und trage mit sattem Pinselstrich auf. Fertig ist das Bild, wenn es sich nicht mehr drehen lässt. Ich stelle die Farbe quasi still, während der Bildträger im Prozess seine Position immer wieder verändert. Selbst stark verdünnte Farbe trocknet in der Waagerechten und rinnt nicht die Leinwand hinab. Das verleiht dem Bild eine spezielle Tiefe und nimmt ihm die Schwerkraft.
Ein neues Werk anzufangen fällt mir nie schwer, Angst vor der weißen Leinwand kenne ich nicht. Ich hadere eher mit der Fertigstellung. Manchmal kann es Jahre dauern, bis ich den letzten Pinselstrich setze. Anfangs ist noch alles spontan und ungeplant, aber ab einem gewissen Punkt müssen kompositorische Entscheidungen sehr bewusst getroffen werden.

 

dunkles seestück

Dunkles Seestück, 2012, Öl auf Leinwand, 100 x 130 cm

 

Wie hat sich Ihr Werk über die Jahre verändert hin zu dem, was es jetzt ist?

 

Seit einiger Zeit lasse ich die Leinwand an manchen Stellen gänzlich unbearbeitet, um das gemalte Weiß durch das grundierte Weiß zu stärken. Zwischen den gemalten Flächen öffnet sich ein luftiger Raum, die Ölfarbe löst sich vom Malgrund und beginnt zu schweben. Da meine Bilder mit den Jahren immer leichter geworden sind habe ich nun damit begonnen, mich mal wieder mit Aquarell zu beschäftigen. Und weil ich mich so intensiv mit der Farbe Weiß auseinandergesetzt habe, grundiere ich jetzt die ersten Leinwände schwarz. Mal sehen, wo das hinführt …

 

Beate Köhne auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/beate-k%C3%B6hne-679

 

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