Kannst du dich uns kurz vorstellen?

 

Mein Name ist Manzur Kargar und ich bin Maler und Musiker.
Geboren wurde ich als Sohn eines afghanischen Vaters und einer deutschen Mutter in Kabul/Afghanistan. Ich bin verheiratet mit einer US-Amerikanerin, habe eine 11-jährige Tochter und lebe und arbeite in Berlin.

 

VANITAS 5, 2015, Öl auf Leinwand, 190 x 250 cm

 

Wie kamst du zur Kunst?

 

Schon als kleiner Junge erschien mit die Welt, die mich umgab eher langweilig und grau. Ich war überzeugt, dass es da noch mehr geben musste und begab mich auf die Suche nach einer Welt außerhalb der Realität. Bücher lesen, zeichnen und malen hat bei der Suche sehr geholfen. Dort konnte ich mir meinen eignen Kosmos erschaffen. Später kam dann noch Musik und die gesamte Pop-Kultur hinzu. In meiner frühen Jugend war für mich schon klar: ich werde Maler und Musiker.

 

ARCHITECTURE OF BEAUTY, 2015, Öl auf Leinwand, 140 x 200 cm

 

Wie würdest du deine Kunst beschreiben?

 

Von Anfang an hat mich in meiner Malerei die Darstellung des Menschen/die Figur in all ihren Facetten am meisten interessiert. Das hat sich bis heute nicht geändert. Als Künstler mit bikulturellem Background (Deutsch – Afghanisch) hatte ich als junger Student große Probleme eine künstlerische Identität zu finden. Ich fühlte mich weder der deutschen, mitteleuropäischen, noch der orientalischen Tradition verpflichtet. Erst die intensive Auseinandersetzung mit der griechischen Antike, (die Verbindung von Orient und Okzident) und dem darin enthaltenen Wertekanon, der bis heute in der westlichen Welt Gültigkeit hat, öffnete mir eine künstlerische Welt in der ich mich „heimisch“ fühlen konnte.

GLOSSY 4, 2017, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm

 

Die Auseinandersetzung mit der idealisierten Darstellung des Menschenbildes und dem Schönheitsbegriff der Antike warf dann in mir die Frage auf, inwiefern diese Aspekte in unserer heutigen Wahrnehmung noch relevant sind und wo sie vorkommen. Natürlich landet man dann in dem Bereich der Werbung, des Körperkults, der Popkultur und der Mode in unserer allgegenwärtigen Medienwelt. Diese omnipräsenten Abbilder von Menschen in idealisierten posen bieten mir nun eine unendliche Ressource an Vorlagen, die ich dann am Computer solange bearbeite, bis eine Bildidee entsteht, die ich für „malbar“ erachte und sie dann in einer langwierigen, mehrschichtigen Lasurtechnik in Malerei auf meist großformatigen Leinwänden umsetze. Diese Bilder sind im Ansatz der Amerikanischen Pop Art verwandt, sind aber in der Ausführung eher altmeisterlich gedacht.

 

JELLY FISH, 2014, Öl auf Leinwand, 160 x 160 cm

 

Was möchtest Du mit Deiner Kunst ausdrücken?

 

Ich habe keine Botschaft. Da bin ich ganz bei David Lynch: „Wenn Du was zu sagen hast, schreib eine Postkarte oder eine Email.“ Ich glaube vielmehr an die intuitive Kraft des Künstlers, der Kunst und des Betrachters. Ich nehme nur wahr was um mich herum passiert, greife mir gewisse Aspekte heraus und setze sie in einem andern Kontext zusammen. Die Entscheidung wie und was ich zusammenfüge passiert rein unterbewusst und assoziativ. Was der Betrachter in den Werken sieht, sehen will, überlasse ich ihm ganz allein. Im besten Fall kann ich sein Interesse wecken.

 

UNVEILED 4, 2016, Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm

 

In welcher Weise sollte Kunst Teil der Gesellschaft sein?

 

Es gibt tausendundeine Weise, wie die Kunst Teil der Gesellschaft sein kann. Ich kann da nur von meinem ganz persönlichen Ansatz sprechen:

 

Was mir auffällt ist die Menge an Bildern und Informationen, denen wir ständig ausgeliefert sind und vor denen es kein Entrinnen mehr gibt. Ein regelrechter Tsunami. Das hat natürlich einen Effekt auf unsere Wahrnehmung und unsere Aufmerksamkeit. Niemand guckt sich mehr Bilder richtig an. Nach einer halben Sekunde wird weitegeklickt. Wir machen ständig Fotos mit unseren Smartphones, die dann auf irgendwelchen Festplatten oder Clouds landen und von niemanden gesehen werden. Wenn ein Bild mal auf Social Media gepostet wird und ein Like oder sogar ein Kommentar erhascht, ist das schon das Höchste der Gefühle. Die Tatsache, dass ich Bilder aus der medialen Welt für meine Malerei verwende ist vielleicht nichts Anderes als der Versuch, die Welt zu verlangsamen. Malerei ist ein sehr langsames Medium, man muss sehr viel gucken, ausprobieren, hin- und herschieben, Entscheidungen fällen. Alles sehr unzeitgemäß und konträr zu unseren alltäglichen Sehgewohnheiten. Deshalb braucht das gemalte Bild einen geschützten Raum, einen Raum der Kontemplation, einen Raum der Stille, wo man sich wieder auf das Bild konzentrieren kann. Vielleicht ist ja die Malerei unsere Rettung.

 

Manzur Kargar auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/manzur-kargar-1935

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.