Könnten Sie sich uns kurz vorstellen?

 

Ich bin in einer künstlerischen Familie groß geworden, die über mehrere Generationen Talent in diesem Bereich aufweist. Von der spezifischen Betrachtung, Produktion und den damit verbundenen Themen des Auslebens dieses Berufes wurde ich stark geprägt. Hinzu kommt ein starker Forschungsdrang, ich will es genau wissen. In meinem System ist wie ein Imprint von „Yes“, „No“ – Wahrheit (true/not true), und das Bestreben dies zu Realisieren, also zu Verwirklichen.
Die Kunst ist dabei ein Aspekt. Weitere Einflüsse und Tools, die auch in meine künstlerische Arbeit mit einfließen, sind Körperarbeit, Tanz, Improvisation und Meditation. Ich habe in diese Richtungen viel ausprobiert, Erfahrungen gesammelt und aussortiert, was ist nützlich und was nicht.

 

Dahinter, 2014, Acryl, Aquarell, Gouache, Wachsmalstift auf Papier, 20 x 20 cm

 

Wie würden Sie Ihre Kunst beschreiben?

 

Kunst ist für mich ein Ort der Freiheit. Mich interessiert an Kunstwerken generell, egal ob von anderen oder im eigenen künstlerischen Prozess, ein Zugang von unmittelbarer körper-energetischer „Herz“-Erfahrung. Kunst hat die Fähigkeit diese Wahrnehmung zu öffnen, neue Erlebniswelten zu erschließen und Intimität/Einheit/Lebendigkeit erfahrbar zu machen, in der Produktion wie im Betrachten und Einlassen darauf.
Nach meiner Theorie hängt die jeweilige Erfahrung auch mit dem Bewusstsein der KünstlerInnen während des Schaffens zusammen. Und Kunst ist für mich nicht immer mit einem Werk verbunden, sondern bedeutet für mich Wahrnehmung und deren Verwertung, Forschung daran und die Arbeit an einem Ausdruck hierfür.

 

Beyond love, 2014, Aquarell, Gouache, Wachsmalstift, Bleistift auf Papier, 20 x 20 cm

 

Sie arbeiten mit zahlreichen Materialien – wie wählen Sie diese aus und welche Techniken und Materialien fordern Sie am meisten?

 

Meine Materialien sind meine Wahrnehmung, mein Körper, sowie Utensilien für Zeichnung und Malerei. Der Körper stellt für mich ein Instrument des Wahrnehmens dar, bzw. ein Medium des Durchlaufen-Lassens, Ausdrückens und Übersetzens vielfältiger Informationen.
Ich arbeite stark subjektiv, insofern, als ich von persönlichem Wahrnehmungsmaterial ausgehe. Ich bette dieses aber so gut wie möglich in systemische Rahmenmodelle, die zumindest auf visuell-struktureller Ebene eine, wenngleich abstrakte, Auswertung möglich machen bzw. sicher stellen, dass eine gewisse Kontinuität und Konzentration in einer Fragestellung möglich sind.
In meiner Diplomarbeit, wo ich erstmals (mit einigen Monaten Vorarbeit) die Körperforschung und Zeichnung zusammenführen konnte, habe ich einen ersten Ansatz gefunden, ein System, welches als Wiedergabe-Raum funktioniert, die Zeichnung als Diktiergerät des Körpers, Fühlens und Denkens in unmittelbarer Relation zur direkten Umgebung und ihren Eindrücken, also ein Zusammenspiel von Prägung und Neudefinition in gelungener Ausführung.

 

Mein Herz schüttet sich aus – später bin ich auch Wildschwein, 2012, Bleistift, Wachsmalstift auf Papier, 133 x 225 cm

 

Mein Medium ist neben dem Körper/der Wahrnehmungsanalyse vor allem die Zeichnung. Insofern interessieren mich alle Arten von Stiften, darunter jene besonders, die über ausreichend Druck ein gutes Feedback zum HerzStückKörper geben und im wahrsten Sinne eine Verlängerung des körperlichen AusDrucks darstellen. In meiner Sammlung befinden sich alle Arten von Bleistiften in verschiedensten Härtegraden, Graphit-, Öl-, Wachs-, Pastellstifte. Auch malerische bzw. atmosphärische Passagen erzeuge ich am liebsten über eine Vielzahl von Strichen, Punkten, Linien.
Wenn ich mit Farben (Acryl, Gouache, Aquarell) und Pinseln malerisch arbeite, geschieht dies meist in Schichten und hat insofern auch skulptural-zeichnerischen Charakter. Farben wähle ich intuitiv nach persönlicher Vorliebe, Geschmack, Lust und Laune des Augenblicks. Ich verwende gerne Materialien, die einfach in der Handhabung sind.

 

Welche sind Ihre Highlights in Ihrer künstlerischen Laufbahn?

 

Als Highlights meiner künstlerischen Laufbahn fallen mir als erstes die Menschen ein, von denen ich unglaublich viel lernen durfte bezüglich Wahrnehmung, Ausführung und Arbeitsweise.
Was den kreativen Prozess betrifft, ist der größte Punkt der, an dem die Arbeit sich in etwas öffnet, das „größer“ ist als ich, sich verselbstständigt, wo etwas aufgeht, von dem ich vorher keine Ahnung hatte. Wenn die Werke dann gesehen werden und ein Feedback zurück kommt, das mir zeigt, dass da etwas „wirkt“, ist das auch nicht schlecht ;).

 

Unterwasserregenwald – im Land meiner Kindheit, 2012, Öl, Gouache Wachsmalstift, Bleistift auf Papier, 133 x 225 cm

 

In welcher Weise sollte Kunst Teil der Gesellschaft sein?

 

Kunst kann große Inspiration sein, Sinn geben und sogar Leben retten, insofern, als das sie das Potential hat, eine unmittelbare Erfahrung, Erkenntnis, Öffnung zu schenken. Sie kann uns zeigen, wer wir sind und auch ein Mittel darstellen, genau daran zu forschen und mit wichtigen Fragen zu arbeiten.
In meiner Wahrnehmung sind KünstlerInnen Menschen, die einen wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft leisten. Sie sind mutig und müssen viel Hingabe, Disziplin, Commitment und oft Widrigkeiten auf sich nehmen, um den Schatz heben zu können, der dann für alle da ist. Deshalb ist meine Botschaft für die Welt, den Prozess mehr zu unterstützen und eine Leistung finanziell nicht erst mit dem Resultat zu vergüten.

 

Anna Maringer auf Singulart: https://www.singulart.com/en/artist/anna-christine-maringer-888

 

 

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