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Fernando Botero: Die Ursprünge der Rundlichkeit

Der kolumbianische Maler und Bildhauer Fernando Botero wurde 1932 in Medellín geboren, einstmals berühmt als Hochburg der Drogenkartelle rund um Pablo Escobar und inzwischen eine der innovativsten Städte der Welt. Boteros einzigartiger Stil ist heute weltberühmt: Menschen und alle Arten von Formen fallen durch überzeichnete Proportionen auf. Von sinnlich gerundet bis aufgebläht, sind seine Figuren im Detail dennoch präzise. Seit den 1970er Jahren ist Botero auch als Bildhauer sehr produktiv und gehört zu den bekanntesten Gegenwartskünstlern Südamerikas. Ein Blick auf die Anfänge dieses bildenden Künstlers und seinen einzigartigen Stil lohnt sich also.

Auf der Suche nach einem Stil

Botero hatte anfangs Schwierigkeiten in der Kunstszene. Bis Ende der 1950er Jahre fand er weder bei der Presse noch von Museen und Ausstellungsorten Anerkennung für seine Werke. Seine frühen Arbeiten zeichnen sich noch nicht durch die überdimensionalen Rundungen der Formen aus. Nach seinem Studium zog Botero 1952 nach Europa, wo er Kunst studierte und sich in die Werke der größten Künstler vertiefte, darunter Velázquez und Goya. Er verbrachte viel Zeit in Italien, war fasziniert von der Kunst der Renaissance, erlernte die Technik der Freskomalerei und entdeckte Maler wie Paolo Uccello und Piero della Francesca. Danach kehrte er nach Mittelamerika zurück und ließ sich in Mexiko nieder. Dort malte er 1957 ein Stillleben mit einer Mandoline, bei dem er zum ersten Mal die Möglichkeit entdeckte, mit Volumen und Proportionen von Formen zu spielen.

Seine Skulptur „das Pferd“ in Berlin

Sinnlichkeit und Monumentalität

„Ich hatte immer versucht, das Monumentale in meiner Arbeit auszudrücken. Eines Tages, nach stundenlanger Arbeit, nahm ich beiläufig einen Bleistift und zeichnete eine Mandoline mit sehr großzügigen Formen, wie ich es immer tat. Aber als ich das Loch in der Mitte des Instruments zeichnete, machte ich es viel kleiner, und plötzlich wirkte die Mandoline dadurch wesentlich größer. Da sagte ich mir: hier ist etwas geschehen. Und ich begann darüber nachzudenken“, erzählte Botero bei einer Retrospektive über den entscheidenden Moment seiner Karriere und die Entdeckung dessen, was zu seinem charakteristischen Stil wurde.

Boteros Stil wird von mehreren Elementen geprägt, die zusammen diesen besonderen Effekt ergeben. Während die Figuren alle sinnlich rundlich oder schlicht „dick“ sind, haben sie auch Merkmale von normalen oder sogar kleineren Proportionen. Genau diese Eigenschaft seiner Werke erklärte der Künstler mit der Anekdote über das Schallloch der Mandoline, das viel kleiner gezeichnet ist als das, was man für ein Objekt dieser Größe erwarten würde.

Reclining Woman in Vaduz

Ein weiteres Element des Botero-Stils ist der vollkommen stoische Ausdruck der Figuren, die seine fantasievollen Werke bevölkern. Selbst in seinen Porträts wirken die Gesichter unerschütterlich und zeigen keinerlei Emotionen.

Seine Charaktere zeichnen sich immer durch den gleichen Körperbau aus, ganz egal, um welches Thema sich das jeweilige Werk dreht. Botero beschäftigte sich im Laufe seiner Karriere mit den unterschiedlichsten Sujets und Szenerien, von Stierkämpfen über religiöse Szenen bis hin zur Prostitution. Er schuf auch Neuinterpretationen von Meisterwerken der Kunstgeschichte (bei denen er den ursprünglichen Ausdruck eines Sujets beibehielt), wovon besonders seine Mona Lisa berühmt wurde. Dieses Werk erregte in den USA Aufmerksamkeit, wurde 1961 vom Museum of Modern Art erworben und später in der New York Times vorgestellt. Von da an ging es mit Boteros Karriere bergauf. Heute sind seine rund 3000 Bilder sowie 300 Skulpturen in Museen und auf öffentlichen Plätzen in 60 Städten rund um die Welt zu sehen und erzielen Rekordpreise.

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