Interviews

Im Gespräch mit Peer Kriesel

Peer Kriesel ist ein etablierter deutscher Künstler mit internationaler Ausstrahlung. Verspielt und experimentell taucht Kriesel den Betrachter in eine märchenhafte, fast sagenhafte Welt ein. Gleichzeitig konfrontiert er den Betrachter mit der absurden Welt des Datenflusses, der Irritation und Informationsüberflutung der Technologie, dargestellt durch geometrische Abstraktion. Wie Peers Arbeitsplatz aussieht und welche Utensilien dort die wichtigsten für ihn sind, lesen Sie in diesem Interview. Das Gespräch führte Annika Nein

Was machen Sie morgens als Erstes, nachdem Sie aufgewacht sind?

Frühstücken. Und dann geht es eigentlich schon ziemlich schnell ab ins Atelier.

Was inspiriert Sie besonders?

Mich inspiriert das Leben – so abgedroschen es klingt. Aber die Gesellschaft, der Umgang miteinander und die Veränderung, aber auch die Beschleunigung der Kommunikation finde ich hochspannend und inspirieren mich und meine Arbeit als Künstler.

Peer Kriesel, "FRTZNABSTRCTN No. 129", Acryl auf Leinwand, 100x140 cm, 2019
Peer Kriesel, „FRTZNABSTRCTN No. 129“, Acryl auf Leinwand, 100×140 cm, 2019

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?

Leider sieht mein Arbeitsplatz, an dem mein Rechner steht und die organisatorische Arbeit geschieht, oftmals sehr chaotisch aus. Ähnlich wie meine Werke wächst ein riesiges Gebilde – bestehend aus Papieren, Stiften, Passepartouts, Rahmen, Zetteln und Farbtuben. Erst für wichtige Atelierbesuche von Sammlern oder Journalisten wird hier Platz geschaffen.

Würden Sie uns Ihre Maltechnik und Ihren Stil beschreiben?

Es gibt Fratzen, Gesichter und Masken die sich durch meine ganze Arbeit ziehen und sie ausmachen. Diese bearbeite ich in unterschiedlichen Techniken. Dazu schaffe ich mir Formen durch Kleckse und Farbspritzer, die ich dann mit feinem Strich zu Formen, Elemente und Kreaturen konkretisiere. Oder in den Arbeiten der FRTZNABSTRCTN arbeite ich sehr gestisch mit Acrylfarben oder digital am Zeichentablett oder auf dem Tablet. Hier spielen dann die Farben und die reine Komposition die Hauptrollen.

Peer Kriesel, "Umschichtung für Umsonst", Acryl auf Leinwand, 100x140 cm, 2017
Peer Kriesel, „Umschichtung für Umsonst“, Acryl auf Leinwand, 100×140 cm, 2017

Die abstrahierten „Fratzen“, die durch kalligrafische Linien in mehreren Ebenen und Schichten aufgebaut werden, spiegeln die immer schneller werdende und mehr abstrakt erscheinende Welt wieder. Die Kommunikation wird immer schneller, die Medien und Kanäle immer ausgereifter – für den Benutzer intuitiver – und doch ist die Technik im Hintergrund für viele ein schwarzes Loch.

Betrachtet man die Werkreihen, so wirkt es, als würde der Betrachter noch tiefer, noch eine Ebene weiter, in das „Gewimmel“ eintauchen können und dabei mitten im Geflecht von Linien schweben. In dieser Reihe an Werken wird die Fratzen-Zeichnung digital erstellt/gezeichnet und dann einmalig als Unikat mit Pigmenttinte auf hochwertiges Papier gedruckt. Nach dem Druck wird die Druckdatei gelöscht, damit die Arbeit einzigartig bleibt.

Was sind die wichtigsten drei Utensilien in Ihrem Atelier?

Aquarell- und Acrylfarben, Fineliner und Papier. Momentan dicht gefolgt vom Rechner und meinem Drucker für meine neusten Giclées.

Wie stellen Sie fest, dass ein Kunstwerk fertig ist?

Das werde ich oft gefragt. Es ist einfach ein Gefühl. Wenn alles stimmig ist und das Werk die Ausstrahlung hat, die ich brauche, um damit zufrieden zu sein, dann ist die Arbeit fertig und wird signiert. Ab dann kann ich eh nichts mehr machen.

Peer Kriesel, "FRTZNABSTRCTN No. 227", auf Papier unter Glas, 50x40 cm, 2019
Peer Kriesel, „FRTZNABSTRCTN No. 227“, auf Papier unter Glas, 50×40 cm, 2019

Was machen Sie gerne, um sich nach einem Arbeitstag zu entspannen?

Ich entspanne mich beim Zeichnen und Malen. Das ist reine Meditation für mich.

Was ist Ihr Lieblings Aspekt in Ihrem kreativen Arbeitsprozess?

Es ist der meditative Zustand, in den ich komme, wenn ich lange Zeichen-Sessions habe. Da ich rein aus der Assoziation arbeite und gestalte, ist das für mich der ideale und entspannende Zustand.

Vielen Dank Peer! Weitere Infos und Kunstwerke finden Sie auf der Künstlerseite von Peer Kriesel.

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