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5 Minuten mit Urban Designerin Jing Li

Heute reisen wir ins sonnige Sydney, um mit Jing Li zu sprechen, die Senior Urban Designerin bei Conybeare Morrison International ist. Wenn Sie unseren Blog in letzter Zeit verfolgt haben, dann werden Sie sicherlich vom Vivid Sydney Festival mitbekommen haben, das eine atemberaubende, verschneite Installation enthielt, die von niemand anderem als Li geschaffen wurde.

Wie Schnee nach Sydney kam bis hin zur Arbeit an nachhaltigen Projekten: Erfahren Sie in diesem Beitrag wie Jing Li ihren Einfluss auf urbanes Design ausübt.

Woher stammt Ihre Inspiration und Ihre Idee für „LET IT SNOW“?

Die Idee entwickelte sich aus einer Kindheitserfahrung in meiner Heimatstadt Hangzhou in China. Da ich direkt neben Bergen aufgewachsen bin, die von einem Nationalpark sowie einer immer größer werdenden Stadt umgeben sind, war ich schon immer von Landschaften und deren Einfluss auf unsere Emotionen fasziniert. Dort, wo ich aufgewachsen bin, gab es fast jeden Winter Schnee und jeder hat es geliebt, damit in Berührung zu kommen. Wir erlebten immer schöne, friedliche Momente, die für gute Laune sorgten. Nachdem ich nach Sydney gezogen bin, fand ich es sehr schade, dass es in dieser Stadt keinen Schnee im Winter gab. Dies war der Moment, in dem die Idee zu „Let it snow“ entstand: Ich wollte diese außergewöhnliche Erfahrung des Schneefalls auch zu einem Teil des Winters von Sydney machen und Besuchern auf diese Weise das Gefühl von wunderschön funkeldem Schnee erfahrbar machen.

Können Sie uns ein wenig über das Zusammenspiel aus realen und virtuellen Elementen in der Installation erzählen?

“Let it snow” wird von 4000 LED-Glühbirnen beleuchtet und reagiert auf Wetterverhältnisse und Fuβgängerbewegungen. Wenn Sie die Installation betreten, fühlt es sich fast so an, als seien Sie in einer anderen Welt. Wenn Sie durch die Lichterketten laufen, beginnen die Lichter mit dem Wind in Dialog zu treten. Der Raum fühlt sich turbulenter und stürmischer an, wenn der Wind weht und viele Menschen spielen, wandern oder um die Flockenformen umherlaufen. An weniger geschäftigen Abenden mit wenig bis gar keinem Wind, fühlt sich der Raum ruhig und sanft an. Dann hinterlassen kleinere Bewegungen eine Spur und das Gehen zwischen den kristallinen Strukturen vermittelt den Eindruck von Schneegestöber.

'Let it Snow' at Sydney Vivid 2019.
‚Let it snow‘ beim Sydney Vivid Festival 2019. Foto: Jackie Chan.

Was war der schwierigste Teil des kreativen Prozesses?

Die gröβte Herausforderung bestand darin, die Schönheit einer Schneeflocke von beiden Seiten und in unterschiedlicher Atmoshpäre einzufangen. Wir haben das Design vom ersten Entwurf bis hin zur Konstruktionsphase einige Male überarbeitet. Im finalen Modell haben wir uns schlieβlich für eine sechseckige Struktur entschieden, die der Form von Schneeflocken am ehesten nahekommt. Die Kombination aus fünf Schneeflockenstrukturen schuf einen Raum, der es Besuchern ermöglicht, durch Schneeflocken hindurch zu wandern. Die strukturierten Wege boten verschiedenen Besuchergruppen eine Vielzahl an Räumen zum Verweilen und Beobachten oder mit der Installation zu interagieren.

Sind die Menschen mit “LET IT SNOW“ so in Interaktion getreten, wie Sie es sich erhofft haben?

Ja. Ich bin einige Male gekommen, um zu schauen, wie Leute der Installation begegnen. Ich habe ihre Reaktionen beobachtet, als sie sie zum ersten Mal sahen. Die Intention von „Let it snow“ war, Zuschauern eine romantische Erfahrung zu ermöglichen, die ihnen noch lange in Erinnerung bleibt. Wir wünschten uns, dass Menschen durch die LED-Fäden gehen, die Lichter berühren und „Schneeflocken“ beim Fallen beobachten.

An der “Let it snow” Installation sah ich, wie Liebende sich küssten, Paare und Freunde viele Selfies von sich machten, Kinder, die zwischen den Fäden spielten und die Lichter berührten. Auch sah ich ältere Menschen, die im Rollstuhl saβen, und die Lichter beobachteten. Für mich waren dies alles sehr schöne und befriedigende Momente.

Jing Li's 'LET IT SNOW' installation and the Sydney Opera House.
Jing Li’s Sydney ’snow‘ in der Nähe der Oper von Sydney. Foto: Jackie Chan.

Was sollen Menschen über Urban Design lernen?

Als Urban Designerin ist es meine Mission, einen werthaltigen Ansatz zum Schutz von Öffentlichkeit und Umwelt zu verfolgen, um städtische Entwicklung und zukünftigen Wachstum einzuleiten.

Wie auch andere kreative Designfelder, verlangt Urban Design von seinen Betrachtern sehr viel Vorstellungsvermögen. Es geht nicht nur um das groβe Gesamtbild einer Stadt, sondern auch darum, Details zu beleuchten, neuen Platz zu schaffen, Lebensraum zu verbessern und natürlich um die Erfahrung der Menschen, die dort leben.

Gibt es neue, spannende Projekte, über die Sie uns gerne etwas erzählen möchten?

Unser Büro ist im Moment sehr mit Planungen und Infrastrukturprojekten in Australien und Übersee beschäftigt. Neben Urban Design Arbeiten, würden wir uns auch sehr gerne in anderen kreativen Designfeldern, wie beispielsweise Skulpturen, verwirklichen. Es gibt eine groβartige Austellung, die „Sculpture by the Sea“, die am Bondi Beach in Sydney stattfindet. Jedes Jahr schlieβen sich zahlreiche Künstler dieser öffentlichen Ausstellung an. Die Skulpturen werden entlang der Küste ausgestellt. Sehr gerne würden wir dort unsere Künste nächstes Jahr auch unter Beweis stellen.

A closer look at Jing Li's intricate design.
Eine Nahaufnahme von Jing Li’s aufwendigem Design. Photo: Jackie Chan.

Was möchten Sie aufstrebenden Urban Designern noch mit auf den Weg geben?

“Urban Design” für Morgen gestalten!

Wenn ich wichtige Entscheidungen im Urban Design treffe, frage ich mich immer, ob das Design auf die Bedürfnisse der Zunkunft Antwort gibt. Verpasse ich irgendeine groβe Chance, die das Potenzial hat, verköpert zu werden? Für mich ist Urban Design ein synergetischer Designprozess, der die Öffentlichkeit und Gemeinschaft ansprechen muss. Wir müssen über die zukünftigen Bedürfnisse und Wertschöpfung gröβer denken, aber dennoch genau zuhören und verstehen, was die wahren Bedürfnisse der Gemeinschaft sind. 

Titelbild: Jing Li

Fotograph: Jackie Chan.




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