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5 Frauen, die die Kunstgeschichte verändert haben

Seit Anbeginn der Zeit wurde die Kunstgeschichte von Männern dominiert. Oft wurden Künstlerinnen von ihren männlichen Zeitgenossen in den Schatten gestellt, die in den Augen des partriarchischen Systems als „männliche Genies“ Autorität und vollstes Vertrauen genossen. Frauen hingegen wurde lediglich die Rolle der „Muse“ zugesprochen. Ein Blick in die Statistiken der Kunstwelt bestätigt dieses Rollengefälle ebenfalls auf schockierende Weise: Frauen sind nicht nur sehr rar vertreten, sondern verdienen mit ihrem kreativen Schaffen fast 18.000 € weniger im Jahr als ihre männlichen Kollegen. Eine kürzliche Studie zeigt ebenfalls, dass unter den derzeit lebenden Künstlern, die in Galerien in Europa oder Nordamarika gezeigt werden, nur 13,7 % Frauen sind. Ebenso bedauerlich sind die Museumsstatistiken für Künstlerinnen in großen Dauerausstellungen.

Gefangen in gesellschaftlichen Konventionen, die nur Nähen oder Weben als „Frauenkunst“ vorsahen, blieb Künstlerinnen über mehrere Jahrhunderte der Zugang zu Kursen der Aktmalerei verwährt. Dadurch wurden sie lange in ihrer kreativen Entwicklung gehemmt, was die Enfaltung ihres künstlerischen Potentials erschwerte. Singulart präsentiert Ihnen fünf Künstlerinnen, die trotz dieser Herausforderungen beharrlich um Anerkennung kämpften und letztlich die Kunstgeschichte über alle Widerstände hinweg verändert haben.

Artemisia Gentileschi (1593-1656)

Die italienische Barockmalerin Artemisia Gentileschi gilt als eine der bedeutendsten Malerinnen der Generation nach Caravaggio. Sie war die erste Frau, die an der Akademie der Bildenden Künste in Florenz aufgenommen wurde und zählt heute zu den fortschrittlichsten Malerinnen ihrer Zeit. Inspiriert von Mythen und Religion, malte sie Szenen, die Frauen sowohl in ihrer Stärke als auch in ihrem Leid zeigten. Ihr erstes bekanntes Werk Susanna and the Elders gilt als feministisches Meisterwerk und zeigt eine Szene aus dem Buch Daniel, in der eine junge Frau von zwei älteren Männern im Bad belästigt wird. In einer Retrospektive in der National Gallery in London wird 2020 an ihre Arbeit erinnert.

Mary Cassatt (1844-1926)

Mary Cassatt war die einzige amerikanische Künstlerin, die neben den Impressionisten in Paris ausstellte. Nachdem die Pennsylvania Academy of Fine Arts ihren Antrag auf Teilnahme an Zeichensitzungen mit Aktmodellen abgelehnt hatte, zog sie nach Frankreich, um sich als Künstlerin ausbilden zu lassen. Dort verbrachte sie schließlich den größten Teil ihres Lebens. Stark von der impressionistischen Bewegung beeinflusst, arbeitete sie mit Künstlern wie Edgar Degas zusammen, um den Impressionismus auch der amerikanischen Öffentlichkeit näher zu bringen. In ihren Werken fokussierte sie sich häufig auf das Privatleben von Frauen und stellte insbesondere die Beziehung zwischen Müttern und ihren Kindern dar.

Georgia O’Keeffe (1887-1986)

Bekannt als „Mutter der amerikanischen Moderne“ prägte Georgia O’Keeffe eine neue Stilrichtung, die zwischen den beiden Weltkriegen entstand. Diese Bewegung konfrontierte traditionelle Werte mit neuen künstlerischen Elementen der Abstraktion und Avantgarde. Bekanntheit erlangte sie vor allem mit ihren Werken von Landschaften in New Mexico und ihren abstrakten Blumenbildern, die von Kritikern im weiteren Sinne als Darstellung weiblicher Sinnlichkeit interpretiert wurden. Diese Lesart ihrer Arbeit hatte die Künstlerin jedoch nie beabsichtigt. Dennoch wurde Georgia O’Keeffe in den 1920er Jahren eine der ersten Malerinnen, die in der New Yorker Kunstszene Anerkennung fand.

Frida Kahlo (1907-1954)

Frida Kahlo, die vor allem durch ihre Selbstporträts bekannt wurde, war eine legendäre mexikanische Malerin und gilt bis heute weltweit als ein feministisches Symbol. Ihr Lebenswerk wurde vor allem durch ihre lange Krankheitsgeschichte geprägt: Bereits als Kind erkrankte Kahlo an Kinderlähmung und erlitt mit 18 Jahren einen Busunfall, bei dem sie sich schwere Verletzungen zuzog. Gezeichnet von körperlichen, aber auch seelischen Narben, die die zahlreichen Operationen mit sich brachten, verarbeitete sie ihre Erfahrungen in ihren Werken. In Verbindung mit Elementen der Volkskunst und des mexikanischen Kulturerbes widmete sie sich Themen wie Identität, Geschlecht, Rasse und Postkolonialismus, denen sie in ihren markanten Selbstporträts und surrealistischen Szenen Ausdruck verlieh.

Louise Bourgeois (1911-2010)

Louise Bourgeois war eine französisch-amerikanische Künstlerin, die vor allem durch ihre großen Spinnenskulpturen, die sich mit dunklen psychologischen Themen und Kindheitstraumata beschäftigten, Bekanntheit erlangte. Tätig als Malerin und Grafikerin konzentrierte sie sich in ihrer Arbeit auf Themen wie Häuslichkeit, Sexualität und Tod. Bourgeois wird mit der Bewegung des abstrakten Expressionismus, aber auch mit dem Surrealismus und der feministischen Kunst in Verbindung gebracht. Heute nimmt sie den Platz als eine der großen zeitgenössischen Künstlerinnen der Geschichte ein.

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