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Meisterwerke: Blue Umbrella von Alex Katz

Inmitten eines Regenschauers scheint diese anmutige Frau stets in ihrer Gelassenheit zu ruhen, während ihre Gedanken längst in eine andere Welt versunken sind. Das Meisterwerk Blue Umbrella von Alex Katz erzählt die Geschichte einer zeitlos schönen Frau, die uns mit ihrem melancholischen Blick in ihren Bann zieht. Wie in einer Filmszene steht sie im Regen und verzaubert uns durch ihren kraftvollen Ausdruck, der uns so viel zu erzählen versucht. Lassen Sie sich von einem Werk inspirieren, das trotz seiner Schlichtheit eine unglaubliche Vielschichtigkeit transportiert und zum Nachdenken anregt.

Wer ist Alex Katz?

Alex Katz ist ein US-amerikanischer Maler, der 1927 in Brooklyn, New York, geboren wurde. Von 1946 bis 1949 studierte er an der Cooper Union Art School in New York und später auch an der Skowhegan School of Painting and Sculpture in Maine. Nachdem seine erste Ausstellung 1954 in der Roko Gallery in New York scheiterte, war er in den 1960er Jahren als Designer von Bühnenbildern und Kostümen tätig. 1972 erhielt er ein Guggenheim-Stipendium für Malerei, worauf er sich der Darstellung von großformatigen, plakativ-figurativen Porträts sowie Landschafts- und Architekturbildern widmete. Durch die Popularität seiner überlebensgroßen Porträts, die in ihrer vereinfachten Darstellung an Werbeplakate erinnern, wird er heute zu den wichtigsten Vertretern des figurativen Realismus gezählt. Dieser revolutionäre Ansatz entwickelte sich während der Blütezeit des abstrakten Realismus der Nachkriegszeit in New York und wird als Wegbereiter der Pop Art verstanden.

Figurativer Realismus trifft plakative Vereinfachung

Es sind vor allem die markanten Gesichtszüge, die dem Betrachter von Blue Umbrella direkt ins Auge springen. Die dunklen Augenbrauen, die Augen und auch die Mundpartie besitzen eine gewisse Dominanz, die im direkten Kontrast zu den sanften, rosafarbenen Lippen stehen. Dabei zeugen die dargestellten Elemente einerseits von großer Detailtreue, andererseits wirken sie auch plakativ vereinfacht. Genau dieser Spagat ist es, der Katz mit seinem Werk gelingt. Es ist die Begegnung des Realistischen mit dem Schematischen, die das charakteristische Merkmal des Künstlers ausmacht. Ähnlich wie bei einem Spaziergang durch den Regen, verschwimmen im Hintergrund die Konturen, wodurch ein Effekt der Unschärfe entsteht. Die Regentropfen, die quer durch das Bild prasseln, erzeugen Dynamik und erinnern stark an eine Filmszene. Katz Kunst wird daher auch als „Kunst der Erinnerung“ bezeichnet. Sie erzeugt zeitgleich einen realistischen Eindruck mit präzisen Details, während sie jedoch auch immer einen Hauch von Flüchtigkeit mit sich trägt. Wie ein Moment, den er für einen kurzen Wimpernschlag festhält, der kurz darauf schon wieder verflogen ist.

Zwischen Melancholie und Anmut

Regentropfen durchströmen das gesamte Bild, doch die junge Frau findet Zuflucht unter einem dunkelblauen Regenschirm, der sie in eine andere Welt zu entführen scheint. Ihr Blick gleitet vorsichtig und etwas schüchtern am Betrachter vorbei, so als wolle sie ihm nicht direkt in die Augen schauen. Bekleidet mit einem eleganten schwarzen französischen Trenchcoat und einem orange-blauen Kopftuch wirkt sie stilsicher wie ein Filmstar aus den 60ern. Doch ist sie keine Diva, die arrogant und abgehoben erscheint. Vielmehr transportiert sie einen Hauch von Anmut und Melancholie. Ihre dunklen, mandelförmigen Augen geben uns einen kleinen Einblick in das tiefe Innenleben dieser vielschichtigen Persönlichkeit, die durch ihre Reserviertheit Distanz zwischen ihr und der Außenwelt schaffen möchte. Dadurch wirkt sie etwas abwesend und unnahbar, schwer zugänglich für die anderen. Fast scheint es so, als würde sie von den sintflutartigen Regenfällen um sich herum gar nichts mitbekommen. Doch ihr Blick wird auch von einer gewissen Wärme durchdrungen, der uns verrät, dass ihre kühl wirkende Distanziertheit nichts anderes als ein Schutzschild ist.

Die Geschichte hinter der geheimnisvollen Frau

Vermutlich haben Sie sich schon gefragt, wer sich hinter dieser geheimnisvoll anmutig erscheinenden Frau verbirgt. Es ist Ada, die Frau von Alex Katz, die er als seine größte Muse beschreibt. Seit der Hochzeit der beiden im Jahr 1958 malte er sie über 200 Mal. Für ihn ist sie die Verkörperung einer perfekten, zeitlosen Inspiration: „Ein Symbol für Schönheit, Trauer, Geheimnis, Kälte oder Begierde“ (Robert Marshall, Alex Katz, New York, 1986, S. 22). In schlichter Eleganz verzaubert sie uns mit ihrer Vielschichtigkeit, die Verletztlichkeit, Tiefgründigkeit und Poesie auf eine magische Weise miteinander verbindet. Für einen kurzen Augenblick raubt sie uns den Atem und wir können gar nichts anderes tun, als in ihre traurigen, nachdenklichen Augen zu blicken.

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