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Malerei und Architektur – Dreidimensionale Ordnungen auf der Leinwand

Maler und Architekten stehen zu Beginn ihrer Arbeit vor dem gleichen Problem: Wie ordne ich den Raum? Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um den dreidimensionalen urbanen Raum oder den zweidimensionalen auf der Leinwand handelt. Das Zusammenspiel von Abstand und Nähe gestaltet nicht nur den realen Raum, sondern auch architektonisch die Fläche der Leinwand. Dies lässt sich sehr gut an einigen Gemälden der Künstler auf Singulart nachvollziehen.

Ornament

Architektonische Elemente oder Ordnungen können in der Malerei verschiedene Formen annehmen. So fängt Stéphane Jadot beispielsweise in seinem Gemälde Passerelles métal die Ästhetik industrieller Architektur ein. Diese vermeintlich schlichte und rein dem Nutzen verpflichtete Architektur wird hier, mittels eines fokussierten Ausschnittes, in Szene gesetzt. Der Titel verrät uns bereits, dass die Stege und Brücken als verbindende Elemente im Mittelpunkt stehen. Die dadurch entstehenden Bildachsen von links nach rechts und von oben nach unten fungieren als dreidimensionales Ornament und ordnen die Fläche der Leinwand.

Passerelles métal (2014), Stéphane Jadot

Materialien

Auch mit dem Gemälde Urban glitches-View 01 von Vladimir Hristov befinden wir uns im Kontext industrieller Architektur. Er taucht noch tiefer in die Materie ein, indem er ein einziges Bauteil, die Gitterbodenplatte, zum Bildthema macht. Die ordnende Funktion dieses regelmäßigen Bauteils bringt der Künstler in einer Schrägansicht auf die Leinwand. Die Durchblicke durch das metallene Bauteil sowie sein eigener Schattenwurf erzeugen eine Dreidimensionalität auf der kompletten Fläche der Leinwand. In beeindruckender Weise liegt der Fokus auf dieser kleinteiligen Struktur, die von den Dimensionen der Leinwand (90 x 100 cm) kontrastiert wird. Sie führt uns so die dreidimensionale Gestaltung des Bildes vor Augen.

Urban glitches- View 01 (2018), Vladimir Hristov

Flächen

Eine komplett andere Gestaltung und Ordnung des Bildraumes nimmt sich Lucie Jirku in ihrem Gemälde Prague Airport vor. Ganz ohne Licht und Schattenwurf setzt sie Farbflächen nebeneinander, um den Raum mittels architektonischer Elemente zu gestalten. Die dreidimensionale Ordnung des Raumes entsteht hier durch das Verhältnis der Farbflächen zueinander, die durch Nähe, Abstand und Überschneidungen visualisiert werden. Die auf ihre Form reduzierten Elemente gestalten den Raum. Dabei geht die Abstrahierung der Architektur so weit, dass rechts lediglich farbige Kuben und das Geländer unterhalb der Treppe als schräg angeordnete Linien gezeigt werden. Die Abwesenheit des Menschen an diesem Transitort Flughafen unterstreicht diese malerische Stilisierung der Architektur.

Prague Airport (2007), Lucie Jirku

Menschen

Wie man den Menschen in einem Gemälde in Beziehung zur Architektur bringen kann zeigt uns Dudya Sarabyanov in seiner Serie Anticipation. In seinen Gemälden mit pastosem Farbauftrag ist das Ergebnis eine eher bedrückende Stimmung. Er selbst beschreibt die Serie als ein Eintauchen in eine existentielle Topografie, die einen neuen Raum und eine neue Zeit kreiert. Alle seine Protagonisten finden sich alleine mit weitläufigen Architekturen konfrontiert. In ihren nachdenklichen Posen oder den Betrachter fixierend, fordern sie uns direkt auf, diese Erfahrung des Raumes auf der Leinwand mit ihnen zu teilen. Mittels der Beziehung zwischen Mensch und Architektur im Bild, werden wir Teil des vom Künstler antizipierten „neuen“ Raumes.

Antisipation (2016), Dudya Sarabyanov

Tauchen Sie ein in unsere umfangreiche Sammlung Architektonische Inspirationen. Dort haben wir für Sie eine Kollektion von Malereien kuratiert, die sich auf die eine oder andere Art mit architektonischen Formen und Ordnungen beschäftigen. Lassen Sie sich inspirieren!

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