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Um die Welt mit Niki de Saint Phalle

Niki de Saint Phalle

Niki de Saint Phalle (1930–2002) war eine französisch-amerikanische Bildhauerin, Malerin und Filmemacherin und bekannt für ihre unverblümten politischen Ansichten zu sozialen Fragen. Ihre auffälligen Skulpturen sind auf der ganzen Welt zu finden. Sie erhellen und beleben so manchen öffentlichen Raum, was sie frei zugänglich macht. Singulart hat einige davon für diesen Artikel ausgewählt, um das Lebenswerk der Künstlerin hervorzuheben.

Über Niki de Saint Phalle

Niki wurde am 29. Oktober 1930 in der Nähe von Paris geboren und zog später mit ihrer Familie nach New York City, wo sie den Großteil ihrer Kindheit verbrachte. Die Künstlerin kehrte jedoch nach Europa zurück, um sich in Paris niederzulassen, wo sie sich im Rahmen der Kunstbewegung des Nouveau Réalisme an der Seite von Yves Klein, Arman und natürlich Tinguely – den sie später heiratete – etablierte. In den 60er-Jahren gelang Niki de Saint Phalle der Durchbruch in ihrer Karriere, denn sie katapultierte sich in Künstlerkreisen zu einer namhaften Persönlichkeit.

Charlotte Jansen beschrieb ihre Arbeiten in einem Artikel wie folgt:

Lebendig, chromatisch, weiblich: Die Werke von Niki de Saint Phalle sind auf Anhieb erkennbar. Die in Frankreich geborene und in Amerika aufgewachsene Künstlerin ist eine der bedeutendsten weiblichen und feministischen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und eine der wenigen, die zu ihren Lebzeiten in der männlich dominierten Kunstwelt Anerkennung fanden.

Ihre Arbeit schockierte oft durch Motive der Gewalt wie Pistolen und Messer und / oder inspirierte und reflektierte den Feminismus, wie etwa die Nanas aus der Mitte der sechziger Jahre. Insgesamt wird ihr farbenfrohes Werk von vielen geschätzt und nicht nur in Museen, sondern oft auch draußen im öffentlichen Raum ausgestellt.

Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely

Niki de Saint Phalles Kunstwerke im öffentlichen Raum

Stravinsky Fountain (1982), Paris, Frankreich

Auf dem Pariser Strawinsky Platz, direkt neben dem Centre Pompidou, kann man das nachfolgende Kunstwerk bewundern. Der kuriose öffentliche Brunnen zeigt sechzehn Skulpturen, die an die Musik des Komponisten Igor Strawinskys angelehnt sind. Manche Skulpturen bewegen sich und versprühen Wasser, was gekonnt die Melodien des Komponisten widerspiegelt. Die schwarzen mechanischen Stücke von Jean Tinguely stehen dabei in wundervollem Kontrast zu den farbenfrohen Werken von Niki de Saint Phalle.

Niki de Saint Phalle - Stravinsky Fountain (1982), Paris, France
Stravinsky Brunnen (1982), Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely – Paris, Frankreich

Golem (1971), Kiryat Hayovel, Jerusalem

Diese von der Künstlerin geschaffene Skulptur steht auf einem Spielplatz in Jerusalem. Die Zungen dienen als Rutschen für Kinder. Sie ist eine skurrile Interpretation des Golems (auch bekannt als Hamifletzt oder „das Monster“). Die Skulptur spielt sowohl mit ihrer monströsen Qualität als auch mit ihrer Verbindung zu Schöpfung und Geburt. Diese Kreatur stammt ursprünglich aus einer jüdischen Geschichte, in der der Golem aus den Elementen der Erde geschaffen wurde, um eine Gemeinschaft vor Eindringlingen zu retten.

Niki de Saint Phalle - Golem (1971), Kiryat Hayovel, Jerusalem
Golem (1971), Niki de Saint Phalle – Kiryat Hayovel, Jerusalem

The Fantastic Paradise (1967) – Moderna Museet, Stockholm, Schweden

Eine weitere Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Ehemann Jean Tinguely ist The Fantastic Paradise. Diese Installation war Teil des französischen Pavillons für die Weltausstellung 1967 in Montreal. Das Thema lautete „Leben konfrontiert mit den Kräften der Zerstörung“. Tinguelys scharfe Maschinen griffen symbolisch die runden und bunten Skulpturen Saint Phalles an. Die Kritiker waren zwiegespalten, einige lobten die Installation als die beeindruckendsten Skulpturen der Expo ’67, andere waren entsetzt über die Maschinen, die Nikis Skulpturen praktisch vergewaltigten.

Pontus Hultén, damals Direktor des Moderna Museet in Stockholm und langjähriger Freund, bot den beiden Künstlern eine Lösung an, als es um die Aufbewahrung des Werkes ging: Die Künstler schenkten sie dem Moderna Museet und im Gegenzug versprach das Museum die lebenslange Konservierung und Ausstellung in der schwedischen Hauptstadt.

Niki de Saint Phalle - The Fantastic Paradise (1967) - Moderna Museet, Stockholm, Sweden
The Fantastic Paradise (1967), Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely – Moderna Museet, Stockholm

Loch Ness Monster (1992) – MAMAC, Nizza, Frankreich

Diese Skulptur vor dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Nizza wurde im Jahr 2001 von der Künstlerin höchstpersönlich, anlässlich ihrer Schenkung von 190 Kunstwerken an das Museum, eingeweiht.

Die Skulptur selbst ist Teil einer Serie mit dem Titel Die verwundeten Tiere zu der noch weitere Keramiktiere gehören. Zusammen mit Jean Tinguely rüstete sie den Drachen mit einem hydraulischen System aus, das es dem Fabelwesen ermöglicht Wasser zu spucken.

Niki de Saint Phalle - Loch Ness Monster (1992) - MAMAC, Nice, France
Loch Ness Monster (1992), Niki de Saint Phalle – MAMAC, Nizza, Frankreich

Poet and His Muse (1998) – Mingei International Museum, Balboa Park, San Diego, USA

Im Park des Mingei International Museum in San Diego, Kalifornien, sind einige von Nikis Werken ausgestellt. Zum Beispiel der Nikigator oder der Dichter und seine Muse.

Mingei bedeutet „Kunst der Menschen“ und die Werke der Künstlerin passen eindeutig in diese Kategorie. Ihre Skulpturen sind interaktiv, man kann und soll sie anfassen, hineinsteigen oder gar beklettern. Dies zelebriert die physische Auseinandersetzung zwischen dem Betrachter und der Skulptur.

Poet and His Muse (1998), Niki de Saint Phalle – Mingei International Museum, Balboa Park, San Diego, USA

Amorous Bird Fountain / Lifesaver Fountain (1989-1993), Duisburg, Deutschland

Dieser fünf Meter große Vogel steht auf einem zwei Meter hohen Brunnensockel und hat sein Zuhause in Duisburg, wo er zum inoffiziellen Wappentier wurde. Lokale Kunstexperten beschrieben ihn wie folgt:

Niki de Saint Phalle schuf den fabelhaften, adlerähnlichen Vogel, an den sich eine weibliche Figur klammert. Mit ausgebreiteten Armen aufrecht stehend, verkörpert er das uralte mit dem Vogel verbundene Symbol des Himmels. Seine Farbenpracht und die Kaskaden, die im weiten Bogen aus seinen Flügeln hinabstürzen, unterstreichen die majestätische Erscheinung des sich rhythmisch nach links und rechts drehenden Fabelwesens.

Amorous Bird Fountain / Lifesaver Fountain (1989-1993), Niki de Saint Phalle – Duisburg, Deutschland

Guardian Angel (1997), Zürich Hauptbahnhof, Schweiz

Diese gigantische, elf Meter hohe Nana in Form eines Schutzengels steht im Hauptbahnhof Zürich, wo sie über die Reisenden wacht. Die Künstlerin wohnte der Installation 1997 persönlich bei.

Ihre Nanas, die großen wohlgeformten Frauen mit winzigen Köpfen, die überall auf der ganzen Welt zu finden sind, machten Saint Phalle berühmt. Da die Künstlerin als Farbe Aquarelle verwendete, können die Skulpturen, wie auch der Engel in Zürich, lediglich mit Staubwedel und Luftspray sorgfältig gereinigt werden, dies geschieht dort alle drei Wochen.

Guardian Angel (1997), Niki de Saint Phalle – Zürich Hauptbahnhof, Schweiz

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