Künstler

Der Street Art künstler Nasca über seine peruanischen Wurzeln und seine künstlerische Vision

Kannst du Dich und Deine künstlerische Arbeit kurz vorstellen?

Mein Name ist Armin Eßert, als Künstler besser bekannt unter dem Pseudonym „Nasca 1“ oder „Nasca Uno“. Ich bin 1992 in München geboren und lebe und arbeite seit drei Jahren als freischaffender Künstler und Illustrator in Berlin. Ich befasse mich hauptsächlich mit der Malerei auf Leinwand, Hausfassaden oder digital auf dem Rechner. Man kann sie als Urban Art, Graffiti oder Street Art bezeichnen – mir selbst ist die Definition nicht so wichtig.

Angefangen mit der Kunst habe ich schon seitdem ich denken kann. Die ersten Comic-Figuren malte ich schon im Alter von drei Jahren auf Papier oder kritzelte sie damals auf die Wohnungswände ;). Noch in der Grundschule habe ich dann das Graffiti für mich entdeckt. Ich liebte es mit der Bahn durch die Münchner Vororte zu fahren und mir die Bilder entlang der S-Bahngleise anzusehen.

Da München zu diesem Zeitpunkt noch viele Flächen besaß an denen man legal sprühen konnte und ich das Glück hatte unmittelbar in der Nähe von zwei sehr beliebten Möglichkeiten zu wohnen, begann ich früh und intensiv an meinen „Pieces“ und meinem Style zu feilen. Die Jahre vergingen, der Stil änderte sich mit der Zeit und heutzutage nutze ich die Sprühdose in Kombination mit Acryl-, Fassadenfarbe, Pinseln und Farbrolle. Meine Leidenschaft gehört dem figürlichen Malen, egal ob Mensch, Tier oder Pflanze. Ich kombiniere abstrakte Elemente mit wilden Strukturen und platziere in diese gezielt fein ausgearbeitete Figuren oder Portraits.

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Wie Dein Künstlername „Nasca“ schon verrät, prägen Dich Deine peruanischen Wurzeln – in wie fern beeinflussen sie Deine Arbeit und wie greifst du Diese thematisch auf?

Richtig, der Name „Nasca“, den ich seit 2009 als Künstlerpseudonym nutze, entspringt der antiken „Nazca“-Kultur aus dem Süden Perus. Ich war schon immer ein riesen Fan von antiken Kulturen und Geschichten, egal ob sie von den alten Griechen, Ägyptern oder Prekolumbianischen Kulturen stammten. Als ich eines Tages auf einen Artikel in einem renommierten Wissenschaftsmagazin mit dem Titel „Nazca-Linien – Graffiti für die Götter?“ stieß, war der Name sicher.

Aufgrund meiner peruanischen Wurzeln und somit auch starken Verbindung zu Peru und Südamerika, visualisiere ich meist Thematiken, die aus den dortigen Kulturen, der Flora und Fauna entspringen. Mich faszinieren besonders die indigenen Kulturen, wie beispielsweise die heutigen Shipibo-Indianer oder die damalige Moche-Kultur aus dem Norden Perus. Mir ist es ein besonderes Anliegen, den Bevölkerungsgruppen, auf die im Laufe der Geschichte unserer modernen Welt wenig Augenmerk gerichtet wurde, durch meine Kunst besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Als Motiv verwende ich oft die Portraits älterer Vertreter dieser Kutluren. Ihre indigenen Gesichtszüge und ihre tiefen Falten im Gesicht sprechen Bände und strahlen eine Weisheit aus, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Dabei ist meine Farbpalette vorwiegend auch an die in der Natur vorkommenden Farben orientiert. Sprich viele Erd-, Rot- und „dreckige“ Gelb- und Grüntöne. Der Malprozess erfolgt intuitiv, ich mache mir selten Skizzen oder plane ein Bild gar von Anfang bis Ende. Oft verwende ich als Inspirationsquelle eigene Fotografien, die ich auf meinen Reisen anfertige. Ich beschränke mich hier allerdings nicht ausschließlich auf Südamerika. Gerade komme ich von einer längeren Reise aus Indonesien wieder und habe die SD-Karte und den Kopf voller Inspiration.

Raices, 2018, Acryl, Graffiti, Lack, Farbspray auf Leinwand, 120×100 cm

Du arbeitest auch viel für private Kunden und Organisationen – welche Arbeiten haben Dich besonders gefordert und geprägt?

Nun klar, besonders als freier Künstler ist das Geld und die damit verbundenen Kunden ein spezielles Thema. Zu Beginn meiner Künstlerkarriere habe ich fast ausschließlich Aufträge nach Kundenwunsch angefertigt. Mittlerweile bin ich da zum Glück relativ frei, was die Motivwahl angeht. Jede Auftragsarbeit habe ich immer als Lehrprojekt gesehen, ich feile an meinem Auge für das Bild und an meinen Techniken. Man lernt nie aus. So gesehen prägt mich natürlich jede Arbeit. Besonders ist es natürlich, wenn Kunden meine freien Arbeiten erwerben und sogar sammeln. Das ist natürlich sowohl eine Bestätigung für einen selbst, als auch für den eigenen Schaffensweg und dafür bin ich sehr dankbar.

Am Herzen liegt es mir jedoch mit meiner oder besser gesagt mit der Malerei im Allgemeinen die Menschen zu berühren und zu bewegen. Als Urban Artist/ Street Artist ist die Straße natürlich mein Lieblingsmedium. Auf meinen Reisen, besonders in Asien und Lateinamerika, habe ich zahlreiche Bilder in den Straßen vieler Orte hinterlassen. Meist konnten die Einheimischen gar nicht verstehen, warum jemand aus einem fremden Land kommt, Geld und Zeit für ein Bild investiert und es im Anschluß wohl nie wieder sehen wird. Aber dieses Gefühl, diesen Menschen etwas von einem selbst zu hinterlassen, quasi etwas zu schenken und diese dies dann auch mit Freude und Dank annehmen, ist unvergleichlich.

Vergangenes Jahr habe ich mit Freunden zusammen das Kollektiv „Murales Berlin“ gegründet und mehrere Projekte realisiert.Eines davon beinhaltete eine Protestaktion gegen Trump und den Mauerbau zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko. Hier luden wir, in Kooperation mit einem Hamburger Partner-Kolletiv, zwei renommierte mexikanische Street-Art-Künstler, sowohl zwei weitere deutsche Künstler und mich eingeschloßen, während des G20-Gipfels nach Hamburg ein. Wir organisierten und transportieren zwei originale Segmente der Berliner Mauer von Berlin nach Hamburg und ließen sie vor Ort in Hamburg von den Künstlern mit ihrer Message bemalen. Ein Zeichen des friedlichen Protests.

Ein Einblick in das Projekt erhält man hier:

https://www.instagram.com/p/BV44MlyF_mw/?taken-by=murales_berlin

Welche Wandarbeiten würdest Du gerne einmal in der Zukunftrealisieren?

Eine besondere Herausforderung für jeden Street/Graffiti Artist ist natürlich das „Muralism“, sprich die Gestaltung von Hausfassaden, welche sich über mehrere Stockwerke erschließen. Durch ihre Größe fügt man sich hier mit der Kunst markant in das Stadtbild ein und der Künstler hinterlässt einen ganz besonderen Fingerabdruck. Letztes Jahr konnten wir zwei große Murals in Berlin realisieren.

In Zukunft würde ich hierauf gerne mehr den Fokus legen, nicht nur in Deutschland sondern am liebsten weltweit. Ich arbeite gerade an einigen Projekten in Asien, Afrika und Südamerika, vielleicht kommt die Realisierung schneller als gedacht 🙂

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Erzählst du uns etwas über deine Werke?

Im Allgemeinen versuche ich dem Betrachter wenig Informationen über meine Werke zu geben, um ihm so viel Spielraum für Interpretation zu lassen. Bei diesen Werken interpretiere ich Elemente alter pre-kolumbianischer Kulturen auf meine Art und Weise neu und setze diese in einem neuen Kontext zusammen.

Beim „El Cumpa“, was soviel wie „der Pate“ bedeutet, habe ich mich an der Vasenkunst der Mochica-Kultur aus der Region um Trujillo in Peru orientiert. Der „Uakari“, eine Affenart aus dem Amazonasgebiet, ist eines meiner Lieblingsmotive. Sie zeichnen sich typisch durch ihre schöne rote Gesichtsfärbung aus. Diese Affenart ist leider bereits stark durch Wilderei gefährdet und auch hier war es mir wichtig, benachteiligte Arten in den Vordergrund zu rücken. Quasi die Schönheit im Verborgenen zu beleuchten. Das Werk „Raices“ zeigt eine Interpretation der „Pacha Mama“, der Mutter Erde, mit all ihren dazugehörigen Elementen.

Wie bereits erwähnt platziere ich gerne in die wilden Strukturen fein ausgearbeitete Figuren oder menschliche Elemente um somit einen Kontrast und Ruhepunkte im Bild zu schaffen.

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Wie gehst du vor, wenn du mit einem neuen Werk beginnst?

Nun das ist immer sehr unterschiedlich. Wenn ich alleine arbeite, beginnen die Arbeiten sehr individuell, da es sehr darauf ankommt, ob ich eine Aussenfassade bemale oder ein Leinwand im Atelier. Auch die Zeit, die mir hier zur Verfügung steht, ist ein wichtiger Faktor. Wenn ich viel Zeit, sprich einige Tage oder sogar Wochen für ein Werk habe, passe ich die Arbeitsmittel dafür an. Dann arbeite ich mit einer größeren Farbpalette und kombiniere die Sprühdose mit Fassadenfarbe, Farbrollern und Pinseln. Auch fällt dann das Motiv selbst sehr aufwendig aus, da ich versuche mich bei jedem neuen Werk herausfordere.

Bleibt nur wenig Zeit für ein Bild, wie etwa an einem sonnigen Nachmittag mit Sprüherkollegen an einer „Hall“, sprich an einer für Graffiti legalen Wandfläche, dann arbeite ich meist nur mit der Dose. Arbeitet man mit anderen Leuten zusammen, wie etwa an einem großen Gesamtkonzept, ist natürlich eine Absprache im Vorfeld nötig. Man einigt sich entweder auf dieselben Farben, teilt Arbeitsschritte auf oder lässt es einfach fließen.

Mir ist es persönlich wichtig, immer die Spontanität bei meinem Arbeitsprozess zu bewahren. Egal, wie sehr man sein Bild im Vorfeld plant, selten passiert es beim Malen, dass es nicht irgendwie anders kommt. Neue Ideen kommen auf oder der die Struktur der Wand verhält sich nicht, wie man will. Das hat mich das Graffiti gelehrt – wenn sich kurzfristig das Format der Fläche ändert, man spontan mit jemandem kollaboriert, ist Flexibilität einfach ein unerlässlicher Skill. Wer sich hier versteift, kann den Drive verlieren und steht sich am Ende selber im Weg. Die eigenen Grenzen zu überwinden ist ein täglicher Bestandteil meiner Arbeit: „Be water, my friend“;)

An welchen Projekten arbeitest du zur Zeit?

Im Moment arbeiten mein Kollektiv und ich zusammen mit Partnern an dem Berliner Kunstprojekt „Wandelism“. Hierbei handelt es sich um ein Kunstprojekt, bei dem sich über 60 nationale und internationale Contemporary, Street-, Graffiti-, Installations, Performancekünstler sowie etliche weitere Disziplinen zusammengeschlossen haben und ein zum Abriss freigegebenes Gebäude für einen Monat umgestaltet haben.

Im vergangenen Monat hatte ich das Glück an einer Gruppenausstellung in Singapur teilzunehmen. Hier bin ich auch noch an der Nachbereitung involviert. Des weiteren bereite ich Werke für die kommende „Stroke Art Fair“ in München vor. Auch eine Solo-Austellung ist für dieses Jahr noch in Berlin geplant.Es sind auch noch einige Projektreisen dieses Jahr geplant, unter anderem nach Mauritius, Griechenland und Island. Da ich mit mehreren Agenturen zusammen arbeite, welche mir regelmäßig Aufträge vermitteln, bin ich eigentlich so gut wie jede Woche auf Tour.

Eternalspring

Nasca on Singulart

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