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Meine Heimat: Bernard Simunovic

Einer der beliebtesten Künstler von SINGULART ist der gebürtige Kroate Bernard Simunovic. Der in Deutschland lebende Simunovic hat mit seinen Bildern, die von seinem Design-Hintergrund beeinflusst sind, durch ihren visuell auffälligen und doch in sich geschlossenen Stil viel Anerkennung gefunden. In seinem Gesamtwerk sind Formen klar und einfach als Einzelelemente zu erkennen, verweben sich jedoch zu einer komplexeren Gesamtästhetik.

Wir sprachen mit Bernard Simunovic um mehr über seine Hintergrund zu erfahren und herauszufinden, wie das Verständnis von „Zuhause“ seinen einzigartigen Stil beeinflusst hat.

Welche Rolle spielt Ihre Heimatstadt für Ihre Kunst?

Durch die Social Media Kanäle.

Wie war es, dort aufzuwachsen?

Es war nicht leicht, in einem kommunistischen Land aufzuwachsen, das vor dem Krieg als Jugoslawien bekannt war. Die Menschen wurden in ihren Menschenrechten, persönlichen Perspektiven und ihrer Freiheit eingeschränkt. Dennoch entdeckte ich die Kunst als mein Talent, das Gott mir geschenkt hat, schon in meiner frühen Kindheit.
Und ohne sie würde ich heute nicht hier stehen. Mit dieser wunderbaren Gabe hatte ich auch einen Auftrag, Sein wunderbares Werk sichtbar zu machen und die anderen daran teilhaben zu lassen. Doch bis zum Erfolg war es noch ein langer und steiniger Weg.

Bernard Simunovic, „Lovebirds“, 2018. Acryl auf Leinwand, 110x150cm.

Was hat Sie von Kroatien weggeführt? War das ein Wendepunkt in Ihrem Leben?

Im Alter von 16 Jahren war ich einer der jüngsten Studenten an der Akademie der Schönen Künste in Sarajevo. Während dieser Zeit als Student war ich gezwungen, meine Heimatstadt über Nacht zu verlassen.
Mein ältester Bruder war einer der ersten Kroaten, die innerhalb des Landes getötet wurden. Kurze Zeit später begann der Balkankrieg.

Trotz dieses großen familiären Verlustes war ich entschlossen, mein Studium fortzusetzen. Dies war der wichtigste Wendepunkt in meinem jungen Leben. Da ein Studium und ein normales Leben in meinem Heimatland schnell unmöglich geworden waren, verließ ich das Land, noch als Minderjähriger, und ging nach Deutschland.

Mit wenig Hab und Gut und ohne Sprachkenntnisse musste ich meine Familie verlassen.

Der Schock war natürlich groß, als ich an einem verlassenen Bahnhof in Deutschland ankam. Ich stand alleine da und wusste nicht, wohin ich gehen sollte. Aber die Geschichte ist zu lang, um sie hier zu erzählen.

Bernard Simunovic, „One day by the sea“, 2019. Acryl auf Leinwand, 115x155cm.

Was gefällt Ihnen am besten an Kroatien oder an der kroatischen Kunst und Kultur?

Ich mag vor allem die schöne Natur, die herausragenden Landschaften mit ihren vielen Seen und Bergen wie den Nationalpark Plitvicer Wasserfälle in Zentralkroatien. Sehenswert, und natürlich mit einer wunderbaren Anreise verbunden, sind die schönen Inseln und malerischen Seeorte an der Westküste des Landes. Die Inseln Hvar und Krk sowie alte Städte wie Zadar, Split oder Dubrovnik mit ihrem typischen mediterranen Flair sind ein Muss.
Was die Künstler betrifft, so sind die berühmtesten die kroatischen Künstler der naiven Malerei, aber wir haben auch erstaunliche Musik, bekannt als Klapa, unsere traditionelle
A-cappella-Musik.

Haben Sie besondere künstlerische Erinnerungen oder Momente der Inspiration von Ihren Reisen oder aus Ihrem frühen Leben in Kroatien vor oder während des Krieges?

Vor und nach dem Krieg gab es viele inspirierende Momente. Während des Krieges auf jeden Fall nicht, denn, wie gesagt, ich war völlig allein.
Als ich jung war und noch in meiner Heimatstadt lebte, hatte sich herumgesprochen, dass ich gut zeichnen konnte. Also kamen die Leute zu mir und wollten, dass ich ihre Wände mit Wandmalereien verschönere. Einige von ihnen waren Café- und Restaurantbesitzer, andere waren Kommilitonen und Freunde, die ein schnelles Porträt oder eine Skizze haben wollten.

Bernard Simunovic, „sunny side of life“, 2018. Acryl auf Leinwand, 90x200cm.

Wo ist für Sie jetzt „Zuhause“? Wie definieren Sie „Zuhause“?
Es gibt ein Zuhause, mit dem ich tief verbunden bin: meine Wurzeln. Das wird man nicht mehr los. Da komme ich her, das ist mein Ursprung.

Außerdem gibt es eine Wahlheimat, die ich mir ausgesucht habe, und wo ich jetzt lebe, wo meine eigene Familie ist, wo ich mich zu Hause fühle.

Wie hat das Leben in Deutschland Ihren künstlerischen Ausdruck beeinflusst?

Deutschland hat einen großen Einfluss auf mich und meine Arbeit, weil ich von den spezifischen kulturellen und sprachlichen Bedingungen umgeben bin, die sich in meiner Arbeit und durch meine Arbeit widerspiegeln.

Bernard Simunovic, „Serenity“, 2019. Acryl auf Leinwand, 70x155cm.

Gibt es Kunstadressen in Deutschland, in Kroatien oder in beiden Ländern, die man unbedingt gesehen haben muss?

Es gibt unzählige Orte, die zu empfehlen sind. Berlin, Düsseldorf, Köln, zum Beispiel, haben alle eine lebendige Kunstszene.
In Kroatien haben die wichtigsten Städte Zagreb, Zadar, Split und Dubrovnik viel an Kunst und Kultur zu bieten. Die alten, kleinen Hafenstädte sind jedoch weniger bekannt und haben ein großes künstlerisches Leben.

Vielen Dank, Bernard. Um mehr von seiner erstaunlichen Arbeit zu sehen, besuchen Sie sein SINGULART-Profil!

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