Begegnung mit Carsten Gille, Maler

Arbeitsportrait Gille2

Herr Gille, wer sind Sie ? sowohl als Mensch, als auch als Künstler?

1959 in Berlin geboren kam ich nach Abitur und Armeezeit 1979 zum Studium der Kunsterziehung nach Dresden. Das Studium, das ich nach zwei Jahren abbrach, brachte mir nicht vielmehr ein als den endgültigen Verfall an die Kunst. Ich habe am Anfang sehr realistisch gearbeitet, sehr viel gezeichnet, Portrait, Akt, Landschaft, habe gearbeitet als Telegrammbote in Dresden. Ein zweites Studium an der Kunsthochschule in Dresden wurde mir nach dem eigenen Abbruch verweigert. Durch ältere Künstlerkollegen ermutigt, machte ich autodidaktisch weiter, war immer in Kontakt mit anderen Künstlern vor allem in Dresden und Berlin. 1982 spülte der Strom des Lebens meine Frau und mich aus Dresden aufs Land, wo wir einen kleinen Bauernhof fanden, der Liebe auf den ersten Blick war. Hier lebten wir mit Eseln, Schafen, Ziege…Unsere Kinder wuchsen hier auf und auch jetzt bildet dieser Fleck in der Nähe von Frauenstein im Osterzgebirge neben Berlin den Lebensmittelpunkt. Berlin blieb aber immer wichtig, eine Woche im Monat bin ich dort, um zu arbeiten. Berlin ist auch mein wichtigster Ausstellungsort. Der Wechsel zwischen Abgeschiedenheit und Großstadt kommt mir und meiner Arbeitsweise sehr entgegen.

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WILD, 2013, 85 x 70 cm, Öl auf Leinwand

Welche Techniken mögen Sie und wieso?

Über die vielen Jahre bin ich hauptsächlich der Ölmalerei treu geblieben, sicher spielt dabei die Sinnlichkeit des Materials eine Rolle aber auch die längeren Trocknungszeiten, die ein besseres Modulieren und auch Modellieren ermöglichen, kommen mir sehr entgegen. In der Zeichnung ist es die Kohle, die ich wegen ihrer Archaik und Ausdrucksvielfalt sehr mag.

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HÜHNERGARTEN, 2016, 80 x 100 cm, Öl auf Leinwand

Ihre Motivwahl vollzieht sich wie? Lassen Sie sich vom Zeitgeist, oder anderen Dingen inspieren?

Ich bin kein konzeptioneller Künstler, Zeitgeist sagt mir gar nichts. Ich habe noch immer das Vertrauen in die Fähigkeit eines kleinen Vierecks, die Welt zu zeigen.

Ich habe keinen Vorsatz, wenn ich anfange zu arbeiten, stehe vor der leeren Leinwand und dann entwickelt sich etwas. Ich begleite das Bild beim Entstehen, schaue in mein Inneres und rühre etwas nach oben, was ich vorher nie gesehen habe. Wenn eine eigene Bildwelt entsteht, die ich vorher nicht kannte, wird es interessant. Es gibt auch Bilder, die von Skizzen, (das Zeichnen nach der Natur wird mir immer wichtig bleiben), und auch Fotos inspiriert wurden aber meist verliert man beim Malen den Ursprung. Das Bild geht immer seine eigenen Wege. Die Farbe muss den Ausdruck bringen, die Farbe trägt die Malerei.

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TUEMPEL, 2013, 40 x 40 cm, Öl auf Leinwand

Erzählen Sie uns etwas über die Entstehung und den Verlauf Ihrer Arbeit „Coldwater“ ?

„Coldwater“ ist in der Zeit der „Stillen Wasser“ entstanden, in den Jahren 2012-14 malte ich eine ganze Reihe von Bildern, die das Thema Wasser zum Inhalt hatten. Dazu gab es eine Einzelausstellung in Berlin und eine mit dem Bildhauer Hans Scheib in Dresden, auch ein kleiner Katalog entstand. (Bis Ende August 2017 sind 14 Bilder von mir in der Ausstellung „Bilder vom Wasser“ in der Galerie der Moderne in Berlin zu sehen.)
„Coldwater“ entwickelte sich wie die meisten Bilder ohne äußeres Motiv; Wasser und Steine, das Wasser gibt die Freiheit, die Steine bilden das Ornament, der kühle Grundton gab den Titel. Ich habe das Bildmotiv später auch für eine Farblithographie verwendet.

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COLDWATER, 2013, 30 x 30 cm, Öl auf Leinwand

Welches Erlebnis in Ihrer künstlerischen Laufbahn hat Sie besonders beeindruckt oder beschäftigt?

Die Begegnung mit Bildern von Per Kirkeby hat mich sehr beeindruckt. Sie bestärkten mich darin, dem Motivischen weniger Raum zu geben, Vertrauen ins nicht mehr zu Bezeichnende zu haben, in die Gegenstandslosigkeit. Das musikalische Prinzip soll die Bildfindung bestimmen; das Bild beim Entstehen begleiten, im besten Fall, es sich selbst malen zu lassen.

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