Begegnung mit der Künstlerin Iris Schieferstein, Bildhauerin

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Kurze Vorstellung Ihrer Person

Ich bin Iris Schieferstein, 51 Jahre alt, habe Kunst und Bildhauerei studiert in Kassel und in Berlin Weißensee, wo ich meinen Abschluss als Diplombildhauerin gemacht habe. Den Abschluss hatte ich aus Liebe zu meiner Mutter gemacht, denn so ein Diplom kann man sich auch über das Klo hängen. Ich bin leidenschaftliche Künstlerin, denn das ist meine Berufung, auch wenn ich im Leben viele Umwege gehen musste, weil ich zwei Kinder habe, die ich ab ihrem dritten Lebensjahr alleine groß gezogen habe.

Was ist Ihre Definition von Kunst?

Kunst sollte berühren und bewegen, verstören und zum Nachdenken anregen, sie kann auch radikal sein, aber sie sollte weder plump noch elitär sein. Ich mag es wenn das Objekt  über das Unterbewusstsein, das wie ich finde schneller und nachhaltiger agiert als das Wachbewusstsein, seinen Weg zu dem Betrachter findet.

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Der Tod und das Mädchen, Skulptur, 2013 © Iris Schieferstein

Wie kamen Sie zu der künstlerischen Darstellung toter Tiere?

Der Tod ist das Pendant zum Leben. Das war mir schon als Kind bewusst. Er wird immer das Ungewisse bleiben, egal wie sehr wir Ihn/etwas sezieren und er erinnert uns an das Leben. Wie kurzweilig dieses sein kann und ob die Dinge und wir wirklich so wichtig sind wie wir sie nehmen. Er kann eine Bremse sein, die uns Inne halten lässt zu reflektieren ob wir das Leben mit Füßen treten oder ob wir Willens sind daran etwas zu ändern. Er macht Angst, ist Abstrakt und wir halten Ihn, zumindest in unserer Gesellschaft weit von uns fern, obwohl er uns alltäglich umgibt.
Daher habe ich Tiere, die bereits tot sind zu meinem Material erkoren,  denn die Natur hat allen Lebewesen eine Perfektion mitgegeben, die es mir als unsinnig erscheinen ließ, diese nach zu bilden. Hinzu kam, dass ich, nach dem Vorbilde Duchamps, den Gedanken hegte den Abfall in das Museum zu tragen.

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Hergottswinkel, Nasspräparat, 2014 © Iris Schieferstein

Wie gehen Sie bei einem neuen Projekt vor?

Neue Projekte ergeben sich durch philosophische, politische Fragen und Beobachtungen. Allerdings mache ich nie Skizzen.
Wenn ich eine Idee habe und sie mich in Nächten wieder und wieder beschäftigt und ich sie endlos durchdiskutiert habe, mit imaginären Personen in meinem Kopf, dann weiß ich, dass ich die Arbeit umsetzen muss. Und da ich unterschiedlich arbeite , mal Photoprojekte , mal Relief, mal Skulpturen ist auch jede Herangehensweise unterschiedlich.

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Gift from Heaven, 2010, © Iris Schieferstein

Im Moment sitze ich nach wie vor, und das seit 1 1/2 Jahren, an der Welle. Diese besteht aus Austernschalen, wird 6 Meter lang , 3,50 Meter hoch und geht 3 Meter in den Raum hinein. Leider bin ich noch immer mit dem Schweißen des Gerüstes beschäftigt, obgleich die Restaurants, die für mich die Austernschalen sammeln , Pauli Saal, Grill Royale, Lafayette….stetig fragen, wann die Arbeit endlich fertig ist. Aber das dauert noch….

 

Was möchten Sie künstlerisch erreichen?

Menschen berühren, sie aufmerksam machen, Perspektiven verschieben, Zusammenhänge sehen, sie einfach bewegen, sozusagen eine kleine Reise antreten lassen, die das Herz bewegt, egal in welche Richtung.

Der Denker, Skulptur, 2016 © Iris Schieferstein

 

Mehr über Iris Schieferstein : www.iris-schieferstein.de/

2 Gedanken zu „Begegnung mit der Künstlerin Iris Schieferstein, Bildhauerin

  1. Liebe Iris,

    sitzend am Meer in Kroatien in meinem dortigen Domizil mit Ruhe zur Arbeit, habe ich Dein Interview gelesen und vor allem Deine fotografierten Arbeiten angeschaut.
    Wie immer ist alles stark emotional aufgeladen und packt den Betrachter, berührt, wie Du es wünschst. ja, es ist mir von Dir bekannt, dass Du Tot und Leben als zwei Seiten betrachtest, wo wie ich sie als Anfang und Ende eines langen oder kurzen Prozess sehe, den jedes Lebewesen, also auch wir Menschen durchlaufen, mit einem Unterschied nur. Der Mensch greift stärker in den Kreislauf der Natur ein, als jedes andere Lebensweisen, oftmals ohne nach zu denken. Er hinterlässt selbst durch seine Kultur mehr Spuren, als alles andere und Kunst kann dabei zerstören oder heilen, je nach ihrem Reflexionsgrad.

    Ich grüsse Dich herzlich

    Rolf

  2. Liebe Iris,

    ich finde das Interview sehr gut. Du sprichst mir aus der Seele. Vor allem Deine Definition von Kunst teile ich mit dir zu 100%. Auf die Austernmuschel-Installation freue ich mich sehr. Sag bescheid, wenn sie fertig ist und wenn Du willst organisiere ich eine Ausstellungsmöglichkeit. Natürlich am Meer, wo den sonst.

    Liebe Grüße
    Rafael

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