Begegnung mit der Künstlerin Petra Seibert, Malerin

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Stellen Sie sich doch kurz vor!

Ich weiß, was ich will und was nicht, setzte mich immer schon gesellschaftskritisch mit den Systemen auseinander, in denen ich lebte bzw. lebe – die erste Lebenshälfte in der DDR /Leipzig, die zweite in der BRD/Stuttgart. Am meisten zu Hause fühlte ich mich während meines Studiums an der legendären Fachschule für angewandte Kunst in Heiligendamm kurz (FAK). Da gab es viele Gleichgesinnte. Heute finde ich diese in meinen Kursteilnehmer(inne)n jeden Alters, Geschlechts, Berufs und jeder Nationalität.

Erzählen Sie uns von Ihrem ersten Gemälde ?

Mir geht ein Bild nicht aus dem Kopf. Es entstand während meiner Schulzeit an einer mecklenburgischen Dorfschule (POS-Proseken). Es hieß „Manöver Schneeflocke“ und zeigte, wie wir Kinder spielerisch militärisch auf den Ernstfall vorbereitet wurden (in Zeiten des Eisernen Vorhangs und kalten Krieges). Das Bild war bunt und alle Kinder hatten gemusterte Kleidung an – ein ernstes Thema kindlich naiv verpackt. Muster spielen bis heute eine große Rolle in meiner Malerei. Sie dekorieren nicht mehr, sondern besitzen Bedeutung.

Das erste Gemälde, in dem ich zu meinem bis heute anhaltenden figurativen Thema fand, war „Woher-wohin?“. Es entstand nach meiner Kündigung als Innenarchitektin im Schwung der Begeisterung für die neue Freiheit, aber auch in der Verunsicherung, was diese mit sich bringen würde.

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Woher wohin, 2003, Pigmente und Sande auf Leinwand, 90×90 cm © Petra Seibert

Welche Medien und Techniken setzen Sie für gewöhnlich ein?

Alle Techniken, die lange Korrekturen und damit ein langes Suchen erlauben. Perfekte Planung und maschinelle Präzision lehne ich ab. Ich liebe Zufälle, Unvollkommenheit und „Fehler“, da zutiefst menschlich. Deshalb bevorzuge ich leiblich-sinnliche Materialien wie Pigmente, selbst zusammengerührt und grobschamottierten Ton, der alle halbe Stunde seine Eigenschaften verändert. Alle Materialien mit Eigenleben, wie Kohle zum Zeichnen oder Wachskreiden, die Aquarellfarben unvorhergesehen abstoßen, begeistern mich, da voller Überraschungen wie das Leben.

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Seid fruchtbar, 2015, Acryl, Kohle, Wachs auf Malplatte, 70 x 50 cm © Petra Seibert

Wie bereiten Sie Ihre Kurse vor und was macht Ihnen  am meisten Spass?

Bei mir trainieren Menschen (jeder Mensch ist ein Künstler) ihre Wahrnehmungsfähigkeit und damit die Voraussetzungen, selbst künstlerisch kreativ zu werden. Kein Rezept, keine weitergegebene Erfahrung kann das leisten. Weg vom Konsum vorgegebener Schritte, hin zum eigenschöpferischen Tun und raus aus dem logosdominierten Alltag, hin zu flexiblerem, also ganz anderem Wahrnehmungsverhalten – unter dieser Überschrift steht mein Unterricht sowie ein Buch, das ich derzeit fertigstelle. Das weite Feld der Kunst begrenze ich durch ein Thema mit je einer formalen und inhaltlichen Komponente. Das sorgt für den nötigen kreativen Druck und verhindert Beliebigkeit. Ich verborge diese Grenzen solange, bis jemand sein eigenes Thema gefunden hat und mich nicht mehr braucht. Meine größte Freude ist es, wenn ein Knoten platzt und jemand plötzlich etwas Neues kann. Den größten Spaß habe ich, wenn ich von meinen Schülern lerne.

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Rosetta Stone,2015, Acryl, Kohle, Wachs auf Malplatte, 70 x 50 cm © Petra Seibert

Künstler, die Sie inspirieren und die Sie gerne kennenlernen möchten ? Welche Fragen würden Sie Ihnen stellen?

Meine Frage an Maria Lasnig, wenn sie noch lebte: „Was sagt Ihnen das Wort Leib?“
Meine Frage an Max Neumann: „In Ihrer Anfangsphase sind Sie sehr expressiv. Was hat Sie veranlasst, dieser Expression ein genaues kühles Sehen dazu zu gesellen?“
Meine Frage an Käthe Schönle: „Warum verlassen Sie in der großformatigen Malerei zunehmend die Figuration, die in Ihren Zeichnungen so wunderbar locker und leicht daherkommt?“
Meine Frage an Emil Schumacher, wenn er noch lebte: „Welcher Unterschied besteht für Sie zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei?“

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Aufwärts, abwärts, rückwärts, 2015, Acryl, Kohle, Wachs auf Malplatte, 70 x 50 cm © Petra Seibert

 

Erfahren Sie mehr über Petra Seibert : www.petra-seibert.de

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