Interview

Erzählen Sie uns von Ihrer Ateliergemeinschaft, wie es dazu kam und was Sie in Zukunft vorhaben?

Sylvia: 1990 lernten Henning und ich uns über eine Session-Band, mit der ich eine Live-Performance ausrichtete, kennen. Bis dato hatte ich hauptsächlich in den Bereichen Kunstmalerei und Performance Action Painting gearbeitet. Henning arbeitete auch damals schon überwiegend mit Stahl. Ich lernte von ihm mit den Maschinen umzugehen, überraschte ihn aber auch hin und wieder, mit für ihn neuartigen Kombinationen, etwa die Werkstoffe Stahl und Kupfer miteinander zu verbinden. Wir begangen unsere Kunstbereiche miteinander zu kombinieren, entwickelten zum Beispiel neuartige Verfahren in Projektionstechnik und die Auftragskapazitäten beflügelten unsere Zusammenarbeit. Seit 1990 sind wir in tiefer Freundschaft verbunden und arbeiten seither als Ateliergemeinschaft Stahl & Farbe zusammen. In Zukunftsprojekten ist Henning sehr eigen. Er möchte überlebensgroße Skulpturen bauen, etwa einen gigantischen Pegasus, oder einen Koloß der Windräder in den Händen hält. Mich erschreckt bei derartigen Großprojekten der Arbeitseinsatz und das Investitionsvolumen ein wenig. Mir liegen nach wie vor die Malerei und Installationen, sowie unsere Lichtbildprojektionen am Herzen. Eines unserer Zukunftsprojekte ist eine Installation auf der documenta in Kassel. Weitere Zukunftsprojekte oder Projekte die gerade laufen, sind die Einrichtung unseres Galerieraums und ein Fotobildband: Drachenweg – Drachenblick.

Drachen

Drachen © Stahl & Farbe

Henning:  Durch eine zufällige Bekanntschaft entstand eine Symbiose aus Malerei und Bildhauerei in wechselseitiger Beziehung. Für die Zukunft: Die Utopie einer Künstlerfabrik als Treffpunkt für verschiedene Künstler weiter zu verfolgen.

Was ist Kunst für Sie ?

Sylvia: Wenn man sich, so wie wir, mit 24 bzw. 29 Jahren selbstständig macht ist Kunst nahezu der Lebensinhalt. Wir haben ohnehin keine Chance zu entkommen! Kunst ist auch, das eigene Denken, Ansichten und Inhalte dem Betrachter zu offenbaren, aber auch gleichsam Fragen aufzuwerfen. Der Betrachter kann sich auf die Kunst einlassen und versinken, emporsteigen oder sie auch einfach ignorieren.
An dem Punkt, an dem mir selbst die rein bildnerische Aussage nicht genügte, habe ich mit der Schriftstellerei begonnen.

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Dolphins, oil on canvas © Stahl & Farbe

Henning: Kunst soll, kann, muss, zeugt aber von Nichts. Kunst sollte dem Ruhme der Menschheit dienen und nicht der finanziellen Bereicherung.

Wie kam es zu den zahlreichen Kunstbereichen, die in der Ateliergemeinschaft vertreten sind ? Welchen Bereichen widmen Sie besonders viel Aufmerksamkeit?

Sylvia: Die zahlreichen Kunstbereiche haben sich aus den verschiedenen Kombinationen unserer Fertigkeiten entwickelt. Etwa unsere Psychedelic-Light-Show. Henning entwickelte mit seinen technischen Fähigkeiten die Projektionsmaschinen und ich fertigte dazu die handbemalten Projektionsscheiben. Zeitgleich entwickelten wir dazu rotierende Skulpturen, die bei Lichtbildinstallationen als Projektionsfläche dienen.

Die zahlreichen Kunstbereiche könnte man somit als Ergebnis einer gelungenen Symbiose verschiedener Kunstbereiche betrachten. Doch auch jeder für sich entwickelt eigenständige Werke. Welchen Bereichen wir mitunter besondere Aufmerksamkeit widmen (müssen), ist oftmals begründet in der „Marktnachfrage“.

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S.F. DiaShow (Snapshot) © Stahl & Farbe

Henning: Die vielen Arbeitsbereiche beruhen auf unserem experimentellen autodidaktischen Studium als nicht examinierte Künstler. Dem von uns für die Kunst entwickelten Freiformluftdruckmodellierverfahren, angewendet auf Stahlblechhohlkörper.

Stahlkunst liest man selten, erzählen Sie uns mehr davon ! Was ist das Besondere an der Arbeit mit diesem Element? Wie kamen Sie dazu und welche Stahlskulptur möchten Sie gerne noch realisieren?

Sylvia: Stahl ist ein Werkstoff den man gleichzeitig lieben und hassen kann. Er verlangt immer hundertprozentige Aufmerksamkeit. Halbherzigkeiten verzeiht er nicht. Ein Defizit an Aufmerksamkeit schlägt sich sogleich in Unbarmherzigkeit nieder. Zahlreiche Narben zeugen von Unachtsamkeit dem Werkstoff gegenüber. Werken mit Stahl kann man so zusammenfassen: Ganz oder gar nicht!
Zu dem Werkstoff selbst kam ich über die Zusammenarbeit mit Henning. Henning möchte ja, wie schon gesagt, gigantische Großskulpturen bauen. Ich arbeite derzeit an einer stählernen Schlange, die nur etwa 3 Meter hoch wird.

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Decoration Palm Tree Steel Sheet, metal annealing colour © Stahl & Farbe

Henning: Stahl ist ein idealer Rohstoff für die Modellierung unserer Werke. Da er eine vielfältige Bearbeitung durch Schneiden, Schweißen und thermisches Umformen, sowie Trennen und Verbinden zulässt. Durch meine Lehre als Schmied und als Schweißer im Stahlbau kam ich zur Metallbildhauerei. Realisieren möchte ich noch: Abstrakte Stahlskulpturen, wir Rennpferd oder Jaguar, die mit Hilfe des Computers modelliert wurden, bestehend aus 700 – 1000 Einzelteilen. Die dann bei zweifacher Ausfertigung jeweils 1. abstrakt kantig, sowie dann 2. konkret gerundet durch Luftdruckmodellierung, sich gegenüberstehend als Versinnbildlichung des Dualismus und der Bipolarität.

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Abstract – Concrete © Stahl & Farbe

Von welchen Künstlern lassen Sie sich gerne inspirieren ?

Sylvia: Einer meiner Lieblingskünstler ist Picasso. Inspirierend für mich ist die Qualität, wie auch die Quantität seiner Werke. Frida Kahlo und Jean-Michel Basquiat finde ich wegen ihrer Lebensgeschichte bewundernswert.
Zeitgenössische Künstler, die ich gerne kennenlernen würde, gibt es zahlreiche. Etwa Yoko Ono, Gerhard Richter, Jeff Koons, Bruce Nauman, Anselm Kiefer, Frank Stella, Alex Grey…. Mitunter finde ich nicht unbedingt die Werke bedeutsam, sondern die gewichtige Etablierung der Künstler auf dem internationlen Kunstmarkt. Auch in der Kunst gibt es einen Reizfaktor, der Vitamin B heisst.

Henning: Künstler John McKenna und Künstler Thierry Ehrmann.

 

Neugierig geworden ? Die Ateliergemeinschaft Stahl und Farbe findet Ihr hier : www.stahlundfarbe.de/

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