Interviews

Corinna Rosteck exklusiv für Singulart !

Was bedeutet Dir Kreativität ?

Kurz gesagt: Das freie Spiel mit der Wahrnehmung.
Auf der zweidimensionalen Fläche meiner Fotografien versuche ich festzuhalten und zu materialisieren, was zugleich Gegenstand einer unbestimmten Seh(n)sucht ist – der Sehnsucht, unter die Oberfläche der Realität zu dringen, Widersprüchliches Gestalt werden zu lassen oder neue Möglichkeiten der Wahrnehmung dort zu finden, wo man sich gleichzeitig zu verlieren glaubt.
In meinen Bildern frage ich nach der Verortung, nach Veränderung und Auflösung und nach Traum und Wirklichkeit. Von Serie zu Serie verfeinere ich diesen fotografischen Malprozess, schärfe und differenziere dabei mein eigenes Wahrnehmungsvermögen. Es ist ein „Malen mit der Kamera“.
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Aya light green© CORINNA ROSTECK

Ibiza als Sehnsuchts und auch Inspirationsort?

Mit Ibiza, der „weissen Insel“, verbindet mich eine seit frühester Kindheit fortdauernde Lebens-und Liebesgeschichte, die vor allem biografisch geprägt ist, (nachzulesen in dem Buch meines Bruders „Mein Ibiza“, im Mare Verlag 2013 erschienen). Die lebendige Atmosphäre der Kunst-und Kulturszene der 70er und 80er Jahre, das unvergleichliche Licht und die Farben des Mittelmeeres mit karger Landschaft haben mich unwiderruflich geprägt.

Eine besondere Anekdote, eine Begegnung die dein künstlerisches Schaffen beeinflusst hat?

Die langjährige musikalische und tänzerische Ausbildung in der Kindheit, das Studium in der Fachklasse und Dimension künstlerischer Fotoinstallationen von Prof Katharina Sieverding an der Hochschule der Künste Berlin: „Die Sonne um Mitternacht schauen“
Die früheste Erfahrung seit der Kindheit mit dem Element „Wasser“, das „Durchschwimmen und Gleiten und umhüllt sein“, und dennoch es nicht „fassen“ zu können. Das unvergleichliche Lichtspiel auf den Wellen, welches sich in jedem Moment verändert und eine ungreifbare Qualität beinhaltet.

Erzählst Du uns von „strudel_blue_femme“?

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Strudel_blue_femme© CORINNA ROSTECK

In ‚strudel_blue_femme‘ verschmelzen das Element ‚Wasser‘ und die ‚menschliche Figur‘ ineinander. Sie werden zu einem eigenwilligen Ganzen, in dem die Polarität von Natur und menschlichem Sein verführerisch und gewaltig erscheint. Taucht sie auf oder geht sie unter ? – Eine ständig kreisförmige Bewegung vom Hineinsinken und Emportauchen deutet einen Strudel an. Strudel und Kielwasser fordern jene Schwimmbewegungen heraus, die der Mensch ausführt, um die Tiefe zu ergründen. Das Vorhaben ist verführerisch wie gefährlich. Es geht um die Modulationen des Lichts in einem zum Tanzen gebrachten liquiden Medium, in dem es keinen Halt und keine festen Verortungen gibt.
(Fotoarbeit mit Tänzerin des Pina Bausch Ensembles aus dem Stück „Rough cut“)

Wie gehst Du bei deinen Werken vor?

inhaltlich:
Meine Arbeiten enstehen einerseits aus dem Blick der Malerei als ‚atmosphärische Momentaufnahmen‘ in der Landschaft und Natur, andererseits im fotografischen Dialog mit Tänzer*innen, künstlerischen Persönlichkeiten in intensiven Begegnungen. Ich arbeite mit Überblendungen, Langzeitbelichtungen, Lichtspuren und Ausschnitten, die ich neu miteinander kombiniere, zusammensetze, perspektivisch verändere und in der mir eigens dafür entwickelten metallischen Oberflächenmaterialität reflektiere. Ich suche den ganz spezifischen, malerisch inspirierten Blick durch die Kamera:- im wandelnden und stetig sich neu erfindenden Territorium; – im Irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit; – im Spiel von Farbe und Licht;- im Verzicht auf Konturen und Einzelheiten; – in der Darstellung des Flüchtigen, Vorübergehenden und Verschwindenden; – in der atmosphärischen, bewegten Auffassung des Raumes; – Flüchtiges und sich Auflösendes, Traumhaftes und Ungreifbares,Tänzerisches und sich Bewegendes.
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Aya Light pool (bubble)© CORINNA ROSTECK

technisch:
Die auf den ersten Blick kühl und verschlossen anmutende, metallische Oberfläche beginnt sich bei genauer Betrachtung zu öffnen. Das Dargestellte scheint sich im Vorübergehen, beim Herantreten und Beiseitetreten zu verändern, beinahe so, als würde es auf uns und unsere Bewegung antworten. Der sich dabei entwickelnde Dialog zwischen Betrachter und Bild lässt eine Form von Lebendigkeit und Unmittelbarkeit entstehen, die man von konventioneller Fotografie nicht erwartet. Dieses überraschende und einzigartige Phänomen gelingt mir durch eine technische Raffinesse der metallischen und aus sich heraus (aus der Tiefe) leuchtenden Bilder.
Überzeugen Sie sich selbst .. !

Das Profil von Corinna Rosteck auf Singulart :www.singulart.com/de/künstler/corinna-rosteck

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