Interviews

Die Künstlerin Daniela Schweinsberg exklusiv für Singulart !

Was fesselt Sie an der abstrakten Kunst?

An der abstrakten Kunst fesselt mich als Betrachterin, was mich als Künstlerin reizt. Sie läßt alle Möglichkeiten offen. Als Malerin heißt das, ich kann (und muss) etwas völlig neues erschaffen, habe keine Vorgaben, kann alles machen. Das ist auch das schwierige an der abstrakten Kunst, was häufig unterschätzt wird: man braucht den entsprechenden Mut, an die leere Leinwand zu gehen, und die Kreativität, etwas Neues zu erschaffen. Dadurch dass ich meine Leinwände selbst fertige, entfällt bei mir die berühmte Hemmschwelle vor der „weißen Leinwand“, so dass ich mich im Arbeitsprozess völlig der Kreativität, dem Bild und dessen Entstehung überlassen kann.
Als Betrachterin ist es genau das, was mich an der abstrakten Kunst fesselt: Die unendlichen Möglichkeiten, die der Künstler gehabt hat, welche davon er genutzt hat, welches Bild entstanden ist – und letzten Endes meine Möglichkeiten, dieses Bild zu „lesen“, es zu interpretieren.
1043_1b1522c3baaf719579737de8475e8752

Explore the Colours: Red II (Monochrome Series) © DANIELA SCHWEINSBERG

Sie fertigen Ihre Leinwände selbst an? Berichten Sie uns davon?

Die Leinwand und die Leisten kaufe ich, baue dann aber die Leisten zusammen, spanne den Stoff selbst auf und grundiere ihn. Je nachdem, wie mein fertige Oberfläche beschaffen sein soll, wird das Bild nach der ersten Grundierung abgeschliffen und neu grundiert. Je öfter man dies wiederholt, umso glatter wird die Oberfläche. Das Gegenteil ist eine grundierte, nicht geschliffene Oberfläche. Beide Varianten verhalten sich beim späteren Farbauftrag völlig unterschiedlich, so dass ich hiermit die Grundlage für das spätere Werk gestalte. Ich genieße diesen handwerklichen Prozess und mache mich dabei schon mit dem zukünftigen Bild vertraut.

Erzählen Sie uns von ‚Dare to do it!‘

1043_a608c59d8d6c8ce5c488da3ea289ed5e

Dare to do it!© DANIELA SCHWEINSBERG

Ja, „Dare to do it!“ ist eine ausgefallene Arbeit. Sie werden jetzt wahrscheinlich lachen, aber es ist ein schwarz-weiß Bild. Nur sieht man das nicht mehr. Und deshalb heißt es auch „Dare to do it!“. Nachdem ich vor einigen Jahren eine Periode hatte, in der ich viel in schwarz-weiß gearbeitet hatte (was ich liebe) wollte ich dies mit „Dare to do it!“ wieder aufleben lassen. Ich habe also an „Dare to do it!“ gemalt, collagiert, wieder gemalt, Strukturen eingebracht, Formen überarbeitet….
Das ist völlig normal bei meiner informellen Arbeitsweise, denn mit jedem dieser Schritte verbessere ich das Bild, mache es interessanter, vielschichtiger, bis es schließlich fertig ist. “Dare to do it!“ hat jedoch nie diesen den Punkt erreicht.
Nachdem ich wieder lange an dem Bild gearbeitet hatte und immer noch nicht zufrieden war, war ich entschlossen, es zu vernichten – und zwar mit den restlichen Farben, die von einem anderen Bild noch auf der Palette waren. Da das keine großen Mengen waren, habe ich einen dünnen Pinsel benutzt, weiße Farbe dazugenommen – und auf einmal hatte dieses Biild eine unglaubliche Energie, die Kontraste der Farben mit dem schwarz und dem weiß, die erkennbaren Pinselstriche.
So hat es auch seinen Namen erhalten, manchmal muss man die Richtung ändern, sich einfach trauen etwas zu probieren und alte Ideen verwerfen!

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Aus meiner Umgebung – das heißt, im Grunde ist das völlig unterschiedlich. Manchmal sehe ich etwas, das mich reizt, in der Natur. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Serie von (schon älteren) Bildern mit dem Titel „Vernagt“. In Ihnen setze ich auf abstrakte Weise einen Urlaubseindruck des Vernagter Stausees in Südtirol um. Wir haben diesen von einem (selbst erklommenen) Berggipfel aus im Tal liegen sehen, dieser Anblick und die Farbe, ein sattes Türkis, war unglaublich.
Oder als Beispiel das Bild „Under the Bridge“ – ich bin eine Zeitlang regelmäßig die gleiche Strecke gefahren, die an Brückenpfeilern vorbeiführte. Diese wurden für die unterschiedlichsten Arten von Street Art benutzt – mal waren Sprayer unterwegs und haben Schriftzüge darauf gemalt, mal klebte jemand Papierbilder darauf, mal sprühte jemand Bildmotive. Diesen Wechsel fand ich faszinierend, so dass ich ein Werk im Street Art Stil begonnen und dann auch „Under the Bridge“ genannt habe.
1044_08c2d99a602c95c32c405a277db521da

Under the Bridge© DANIELA SCHWEINSBERG

Ich bin ein neugieriger, visuell gesteuerter Mensch, so dass es für mich unglaublich viel zu sehen, zu entdecken und dann auch zu verarbeiten gibt.
1044_5165861f11461ca64592e7ca00a24718

New Dawn © DANIELA SCHWEINSBERG

Mehr Werke von Daniela Schweinsberg finden Sie auf Singulart:www.singulart.com/de/künstlerin/daniela-schweinsberg-533

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.