Interviews

Der Künstler Christoph Mügge im Gespräch

Stell Dich kurz vor!

Ich bin in Bonn geboren und aufgewachsen und habe sowohl deutsche als auch schwedische Wurzeln. Von 2006 bis 2013 habe ich an der Kunstakademie Düsseldorf freie Kunst studiert. Die ersten Jahren nach meinen Abschluss war ich viel unterwegs und habe unterschiedliche Aufenthaltsstipendien erhalten: Aabenraa Artweek (Aabenraa, DK), den Deutsch-Französischen Künstleraustausch „PASSAGE” im isdaT beaux-arts (Toulouse, FR), Antonie-Leins-Künstlerhaus (Horb a.N., DE), ARE (Enschede, NL), Schlossbergstipendium (Böblingen), Serlachius Residency (Mänttä, FI),Platform (Vaasa, FI), UK School of Art and Visual Studies (Lexington, KY) Heinrich Böll Cottage, (Achill Island, IE), AiR Jakobstad (FI) arTwins in Open Spaces (Paphos, CY) und Est-Nord-Est, (Saint-Jean-Port-Joli, QC, CA).
Letztes Jahr bin in die südschwedische Stadt Malmö gezogen, weil ich hier meine Basis aufbauen wollte und schwerpunktmäßig im Norden künstlerisch tätig sein möchte. Hier möchte ich auch mehr mit meinem Bruder zusammenarbeiten, der in Umeå im Norden Schwedens wohnt. Gemeinsam planen wir momentan mehrere große Ausstellungsprojekte in Kunsthallen und anderen Ausstellungsräumen.

Was möchtest Du mit Deiner Kunst ausdrücken?

Ein besonderes Interesse habe ich an der Idee des anonymen, leisen und aufgegebenen Gegenstands, der ein Symptom der Probleme der Menschheit, wie Überproduktion, Konsum und Ressourcenverschwendung darstellt. Hinter dem Überfluss von Produkten, die kurzfristig benutzt und anschließend entsorgt werden erkenne ich eine große Maßlosigkeit und Gier. Dies deutet auf eine weit verbreitete Sicht auf Ressourcen und der Welt als unerschöpflich und übernatürlich.

Gibt es immer wiederkehrende Motive in Deinen Arbeiten?

In den letzten Jahren habe ich mich sehr dafür interessiert, vorgefundenes Material zu sammeln und in meiner Arbeit zu benutzen. Ich glaube daran, dass die unterschiedlichen Arten von Abfall, die ich benutze viel über unsere Gesellschaft aussagen. Meine Auseinandersetzung mit dem Abfallthema hat wiederum dazu geführt, dass ich auch die Form des Mülleimers interessant fand und diese zum Motiv in viele Papierarbeiten wurde.

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Intoxikation, Öl, Sprühlack, Acryl, Fiberglas, Polyesterharz, Stoff, Strukturpaste auf Nessel, 120x120cm

Nach jahrelanger Auseinandersetzung mit der Malerei, arbeitest Du nun auch mit Installationen und Bildhauerei – aus welcher Motivation heraus hast Du Dich so entwickelt und welche Herausforderungen kamen damit?

Auch in den Jahren in denen ich hauptsächlich gemalt habe, hatte ich immer ein Interesse daran, mich dreidimensional auszudrücken. Neben der Malerei habe ich Objekte, Assemblagen und raumgreifende Installationen geschaffen. Es war also kein radikaler Bruch, sondern es passiert vielmehr schrittweise, dass ich mich mehr mit der Bildhauerei und Installation beschäftigt habe.

Um mich mehr darauf zu konzentrieren hatte ich beschlossen, die letzten zwei Jahre meines Studiums in einer Klasse für Bildhauerei (bei Prof. Richard Deacon) zu verbringen.

Die größte Herausforderung an der Bildhauerei sehe ich darin, dass alles viel besser organisiert werden muss und bevor eine Arbeit begonnen werden kann muss Material gesammelt bzw. bestellt werden und dazu sind die Transporte und die Lagerung erheblich komplizierter und teurer. Daher ist die Bildhauerei viel weniger spontan als die Malerei, wo nur der Malgrund vorbereitet werden muss und Farben und Pinsel gekauft werden müssen und danach kann der Malprozess beginnen.

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Opfyldning, Förderband, Holz, Schrauben, Kabelbinder, Farbe, 400x1400cm

Erzählst Du uns was über Dein Werk „Abgrund“?

Es ist eine von vielen Malereien, die eine Fotovorlage als Ausgangspunkt hatte. In diesem Bild war es ein Foto einer alten Holzachterbahn in einem amerikanischen Freizeitpark, die aber nur als Ausschnitt im Bild vorhanden ist und daher in der Hintergrund rückt und auch sehr abstrahiert ist und mit der abstrakten Malerei verschmilzt, die direkt auf der Leinwand passiert ist.

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Abgrund, Öl auf Leinwand, 140x190cm

Zur Webseite des Künstlers:http://www.christophmuegge.com/

Das Profil Christoph Mügges auf Singulart:https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/christoph-m%C3%BCgge-459

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