Wolfgang Lehmann im Dialog

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Stell Dich kurz vor!

Geboren wurde ich 1967 in Freiburg in Deutschland. Nach einem eher recht kurzen Zwischenstopp in Berlin wohne ich nun seit über 10 Jahren in Stockholm, Schweden – der Grund ist meine Frau und unsere zwei Kinder.

Wie kam ich zur Kunst? Ich war wohl immer irgendwie besessen von Bildern und Texten. Als Kind mahlte ich Bilder ab, da ich immer schlecht im Zeichnen war fing ich an zu fotografieren und später zu filmen. Die optische Technik ist ja wunderbar um meine malerische Unfähigkeit zu überwinden.

Entdeckte dann auch sehr schnell, dass bei Filmen mich nicht besonders die Erzählung interessiert, sondern das Hintergrundbild, die Montage, das Licht, die Farben, die Bewegungen, also alles was wirklich dem Film eigen ist.

 

Was möchtest du mit Deiner Kunst ausdrücken?

Wahrnehmung! Ausgangsmaterial für die Bilder ist immer wieder Überlagerungen von Landschaften, Körper oder Wasser in allen möglichen Formen, aber das Ziel ist die subjektive Wahrnehmung des Betrachters. Eine Kommunikation zwischen dem Werk und dem der es betrachtet.

Etwas was mich immer fasziniert ist: Was sieht ein mir fremder Mensch in dem, was ich gestaltet habe? Wenn ich keine Erklärung dazu abgebe, keine klare Narration habe, beginnt ja der Betrachter selber zu denken, zu sehen und zu interpretieren. Das ist aufregend und manchmal überraschend was ein Andere Mensch sieht in meinem Werken.

Am Ende ist alles eine Überlagerung. Unsere Wahrnehmung unserer Erfahrungen eigentlich Alles. Da sich Erfahrungen, gelesenes, erlebtes, erträumtes alles am Ende zu einer Einheit bildet.

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Dritte Tanzszene #2, 40x40cm

 

In wie fern beeinflusst Dein vielseitiger professioneller Hintergrund Dein künstlerisches Schaffen?

Ich bin immer neugierig Neues zu entdecken oder mir bereits bekanntes mit neuen Augen zu sehen. Reisen, vor allem im Zusammenhang von Aufführungen meiner Filme, sind immer eine Gelegenheit zu sehen, was andere machen, Eindrücke zu sammeln und sich selber zu fragen, wo man steht. Warum mache ich das, was ich mache? Selbstreflexion ist sehr wichtig und sollte immer ein Teil von professioneller Arbeit sein.

 

Wie hat sich Dein Werk über die Jahre verändert hin zu dem, was es jetzt ist?

Es ist freier geworden! Am Anfang war ich sehr fokussiert auf eine Tradition. Meine Filme bis 2012 verhielten sich immer in einer Tradition des Avantgarde Filmes. Ich habe auch fast 20 Jahre kein Foto gemacht, noch nicht mal privat. Ein Abbild hat mich nicht interessiert. Als ich um 2012 Anfing digitale Technik mit analoger zu mischen entstand gleichzeitig eine Befreiung für mich. Gleichzeitig interessierte mich immer mehr der Unterschied der Wahrnehmung zwischen einem statischen Bild (Foto) und einem bewegten Bildereignisse in der Zeit (Film, Video & Installation) damit wurde es wieder sehr spannend für mich mit beiden Formen zu arbeiten.

 

In Deinen Arbeiten nutzt Du Fehlsteuerungen und Überlagerungen als Technik – kannst Du uns genau beschreiben, wie du bei der Arbeit an einem neuen Werk vorgehst?

Bereit 2011 fing ich mehr und mehr mit verschiedenen digitalen Techniken zu arbeiten an. Alle Fotos die vor 2012 entstanden sind, sind im Grunde analoge Bilder wo die Überlagerung mit dem Parameter der Zeit entstand – eine Kombination von Belichtungszeit und meiner Bewegung beim fotografieren.

Bei den Bildarbeiten danach verwende ich Glitch, also „fehlberechnete“ Überlagerungen auf dem Computer. Im Grunde ist das ja falsch zu sagen „fehlberechnete“, weil ich sehr bewusst vorgehe, aber was ich meine ist, ich verwende gewisse Programme und Geräte nicht wie sie gedacht sind, ich erforsche sie, manipuliere sie bis ich das Ergebnis herausbekomme was ich mir wünsche.

Der Prozess vereinfacht ausgedrückt ist folgender, als erstes sammle ich oder inszeniere ich das Ausgangsmaterial recht konventionell. Dieses wird überlagert, das können sehr viele Arbeitsschritte sein und zwischen dem fertigen Bild und dem Ausgangsmaterial können ein paar Monate liegen. Bis zu diesem Punkt arbeite ich immer mit bewegten Bildern (Video), wenn das Ergebnis so ist das es mir zusagt wird es auf eine Fläche projektiert und schließlich abfotografiert mit dem Fotoapparat. Ein bewegtes Bild wird also fokussiert nicht anders wie jeder Fotograf der in der Natur ein Bild aufzeichnet nur mit dem Unterschied das ich davor eine „Natur“ herstellte.

Ich bezeichne dieses Vorgehen als Prozess-Fotografie, wobei jedem Bild eben verschiedene Arbeitsprozesse vorausgehen.

 

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Raum (Space) #1 (National Museum Stockholm), 60x98cm

 

Erzählst Du uns etwas zu Deiner Serie „Traces of Beauty“?

Ein sehr umfangreiches Werk an dem ich gut vier Jahre arbeitete. Hier war von Anfang an der Gedanke eine Serie von Fotografien herzustellen und einen Abendfüllenden Film. Was mich fasziniert ist wider die Wahrnehmung.

Der Film ist sehr abstrakt und verlangt vom Zuschauer sich seine eigene „Story“ auszudenken. Die Zuschauer müssen sich in den Film hineinfallen lassen und vor allem Ihr Zeitgefühl und Ihre Erwartungshaltung, die man bei gewöhnlichen Filme hat, aufgeben – ein sich einlassen auf den Bilderfluss ist Notwendig. Im Grunde ist der Film etwas wie eine Meditation, was auch der Arbeitstitel ist an dem Werk an dem ich derzeit arbeite und der in Verbindung steht zu den Fotoreihen T E C T H – ”This existence commenced this hour“ und LIMITED APPROXIMATIONS.

Die Fotografien zu dem Film TRACES OF GARDEN mit dem Titel TRACES OF BEAUTY sollen wie der Titel ausdrückt Spuren von Schönheit enthalten, mein Ziel war etwas zu gestalten das stark den Eindruck von Natur hat, aber gleichzeitig auch unverkennbar Spuren der digitalen Welt in sich trägt.

Eigentlich ein Wiederspruch – romantische Naturbetrachtung im digitalen Zeitalter. Und ich hoffe dass die Bilder etwas in sich haben von digitaler Magie und Geheimnisvollem. Spuren von Schönheit beinhaltet ja auch etwas von Fragment – Fragment ist ein anderes Wort was ich sehr schätze und so sind wohl auch meine Bilder und Filme Fragmente aus dem bestehenden. Fragmente aus Wahrnehmungen die zusammengesetzt etwas Neues ergeben.

 

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Traces of Beauty #7, 40x71cm

 

Wolfgang Lehmanns Profil auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/wolfgang-lehmann-307

Seine Webseite: http://www.imagewolfganglehmann.de

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