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Stell´ Dich kurz vor!

Ich liebe Menschen! Nichts auf der Welt ist für mich so spannend wie der Mensch. Im Vergleich mit anderen Lebewesen sind wir Menschen mitunter schwer berechenbar: triebhaft und gleichzeitig vernunftbegabt, empfindsam, zu abstraktem Denken fähig und mit Moral ausgestattet, befinden wir uns in einem Zwiespalt, den wir nicht auflösen können: wir meinen, unser Leben selbst zu gestalten und zu kontrollieren, was so lange gelingt, bis das Schicksal dazwischenfunkt und unser fragiles Lebenskonstrukt einstürzen lässt. Dieser Gegensatz aus menschlicher Schicksalsabhängigkeit auf der einen und vordergründiger Entscheidungsfreiheit/Gestaltungsfreiheit auf der anderen Seite ist einzigartig – konsequenterweise liegt der Fokus meiner Arbeit auf dem Menschen.

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Ich lieb‘ die Welt, 80x135cm

Was bedeutet Dir Kunst?

Die Malerei ist meine Form, mich auszudrücken, zu zeigen, was mich bewegt und mich gesellschaftspolitisch einzubringen (siehe mein aktuelles Projekt). Kunst ist ein großartiges Medium, um mit anderen, fremden Menschen (in meinem Fall dem Betrachter der Arbeiten) in Kontakt zu treten, in Ihnen eine Reaktion auszulösen oder sie dazu zu motivieren, für einen Moment ihre gewohnten Gedankenbahnen zu verlassen, um sich mit etwas Anderem/Neuen auseinanderzusetzen. Ist ein Kunstwerk wirklich gut, dann bewegt es den Betrachter emotional und rational, löst also Gefühle aus und regt zum Nachdenken an.

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Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht, 110x125cm

Wie beschreibst Du Deine Kunst?

Empfindsam. Meine Bilder zeigen den Menschen in seiner Komplexität und Vielschichtigkeit und führen vor Augen, wie trügerisch jegliche oberflächliche Betrachtung sein kann: Farben, leuchtend wie der Regenbogen, grelle Muster an der Grenze zur Geschmacklosigkeit und dekorative Kompositionen, täuschen zunächst eine naive Heiterkeit und ungetrübten Frohsinn vor. Beim genaueren Betrachten der Szenen blättert der bunte Anstrich ab und nackte Menschenseelen liegen offen und schutzlos zu Füßen des Betrachters.

Die Menschen auf den Bildern sind lebendig, atmen und fühlen, lieben und leiden, sind glücklich oder vom Leben enttäuscht.

Wie gehst Du vor, wenn Du mit einem neuen Werk beginnst?

Mit System und Disziplin 🙂 Ich arbeite immer Thema- oder Text-bezogen und in Serien. Das heißt, am Anfang jeder neuen Reihe steht zunächst eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten, die ich dann später malerisch umsetze. Erst wenn das inhaltliche und gestalterische Gesamtkonzept steht, fange ich mit der eigentlichen Arbeit an der Staffelei an.

Nachdem ich mich für meine Reihe „Menschen bei Nacht“ mit Rainer Maria Rilkes pessimistischem, doch sehr treffenden Menschenbild auseinandergesetzt habe und anschließend textlich und malerisch tief in geschichtlich-faktisch fundierte Charakterstudien rund um den „Kaspar-Hauser-Mythos“ eingestiegen bin, ist mein aktuelles Projekt die malerische Interpretation eines meiner eigenen lyrischen Texte („Zehn Dinge“). Dieser thematisiert gesellschaftliche Zeitphänomene, globalpolitische Herausforderungen, Umweltaspekte, soziale Problemfelder und die allgemeine Überforderung, mit welcher speziell meine Generation konfrontiert ist. Gerade arbeite ich daran, diesen Text in (m)eine Bildsprache zu transformieren. Zehn Bilder sollen es werden.

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Und machst du nachts deine Stube licht, 110x100cm

Welche sind Deine künstlerischen Highlights?

Ui, da gibt es so viele! Einzelne davon rauszupicken, ist eigentlich fast ein bisschen unfair 😉 Aber egal: Absolute Kunst-Highlights sind für mich Alice Neel´s Porträts! Vor ein paar Jahren habe ich Alice Neel, eine 1984 verstorbene amerikanische Malerin, in London entdeckt und war sofort ein Fan. Gerade werden ihre Bilder in Europa erst so richtig gefeiert – wie Ende letzten Jahres in den Deichtorhallen in Hamburg.

 

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Und haben sie nachts sich zusammengesellt,  115x125cm

 

 

Die Webseite der Künstlerin: http://janinabruegel.de/

Janina Brügel auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/janina-br%C3%BCgel-730

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