Der Künstler Dorél Dobocan im Interview

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Haben Sie darüber nachgedacht wieder nach Rumänien zurückzukehren nach dem Sturz Ceausescus?

Definitiv nein. Ich war 2007 einmal in meiner alten Heimatstadt Temeschburg und habe es da gerade mal 2 Tage ausgehalten. Ich fühlte mich unwohl und fremd in dieser Stadt. Immerhin lebe ich schon 40 Jahre in Deutschland und hier ist meine Heimat, hier ist mein zu Hause, hier sind meine Kinder geboren, hier leben meine Freunde.
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Schlafender Junge, 65x50cm

Wie sind Sie zu Ihrem Stil gekommen, haben Sie immer figurativ gearbeitet?

Nach meinem Studium habe ich in der Malerei nach einem unverfänglichen Weg gesucht, in dem man mich nicht politisch angreifen konnte, weil meine Arbeiten nicht mit der sozialistischen Doktrin konform gingen. So fand ich im Surrealismus einen Weg, der mir entsprochen hat. Ich fing an mit Symbolen zu arbeiten ( wie Kugel, Tisch, Streichholz, Fenster, etc.), die die Zensur der Staatssicherheit weder verstand noch richtig interpretieren konnte – das war meine Rettung als Künstler…

 

Wie kommen Sie zu Ihren Motiven: Haben Sie beispielsweise eine konkrete Bildidee oder gibt es zuerst eine Aussage, die Sie verschlüsseln möchten?

Meine Motive sind zum größten Teil autobiografisch geprägt, die positiven wie auch die negativen. Es ist ein großes Glück und ein Privileg, die Gabe zu haben, in der Malerei seine Erlebnisse umzusetzen und verarbeiten zu können. So kann die Malerei auch zu Heilungsprozessen führen, indem man das negative Erlebte ins Positive umwandelt, z.B in einem Bild, das nicht unbedingt schön sein muss, aber eine Aussage, eine Botschaft haben muss.

 

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Zurück in die Vergangenheit, 100x180cm

 

Sie haben zu einer Zeit surrealistisch gemalt und sich somit nicht in die dominierende Bewegung eingegliedert: Wie haben Sie diese Zeit empfunden? Haben Sie damit eigentlich eine Niesche gefüllt? Wollten Sie gegen den Strom schwimmen oder war es ganz natürlich?

Ich war, bin und werde immer ein Nischenkünstler bleiben. Ich habe mich auch außerhalb meines Studiums sehr mit den Surrealismus beschäftigt ohne ein echter „Surrealist“ zu werden. Das surrealistische Konzept, die Auseinandersetzung  der Psychoanalyse mit Kränkungen, Verlusten, Defiziten fand ich sehr inspirierend und faszinierend, besonders bei Magritte, Dali ,Max Ernst, Chirico, etc. So habe ich nicht nur viel von den Surrealisten gelernt, sondern auch für mich einen Weg gefunden, auf dem ich mich bis heute bewege.

Welche Künstler bewundern Sie?

Balthus,  Lucien Freud,  Giacometti, Leonardo da Vinci.

 

Welche sind Ihre persönlichen Highlights in Ihrer künstlerischen Laufbahn?

Meine größten Highlights waren: der 12.06 1978 der Anflug auf dem Flughafen Frankfurt, die Befreiung aus der Diktatur Rumäniens – eine zweite Geburt, meine Ausstellungen  im Russischen Museum in St.Petersburg, in Paris, London, Berlin, usw.  und nicht zuletzt die 21 Jahre Zusammenarbeit mit der Sander Galerie in New York.

 

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Glück, 140x160cm

 

 

Zur Webseite des Künstlers: http://www.dobocan.de/de/index.html

Dorel Dobocan auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/dor%C3%A9l-dobocan-700

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