Interviews

Die Künstlerin Zuzanna Skiba

Beschreiben Sie sich und Ihre künstlerische Vision kurz selbst in wenigen Sätzen!

Mein Name ist Zuzanna Skiba, ich lebe und arbeite in Berlin.
1968 bin ich in Koszalin als Tochter in einer ukrainischen Aussiedlerfamilie, also deutschstämmig, geboren. Koszalin liegt nördlich in Polen in der Nähe der schönen Ostsee.
1977 ist meine Familie legal nach Deutschland ausgewandert. Es folgten 2 Jahre Auffanglager mit Sprachschule in Friedland, Unna Massen und Bielefeld Teichsheide.
Die Grundschule habe ich damals 4 x wechseln müssen. Die Spaltung und Flucht meiner Familie durch die Kriege brachten stets große Unruhe in das Leben. Die Frage nach Freiheit, Selbstbestimmung, Gerechtigkeit, Anerkennung und Zugehörigkeit war stets ein Thema.
Manchmal denke ich, habe ich deshalb zuerst ganz unbewusst den Weg der Kartographin gewählt, um mir die Distanzen und Ausmaßen der menschlichen Bewegung überhaupt klar zu machen. Heute lebe ich wahrscheinlich auch nicht ohne Grund in Berlin, weil Berlin einem das Thema der Grenze nach wie vor täglich vor Augen führt.
1995 habe ich Christos Projekt „Verhüllung des Reichstags“ in Berlin gesehen, war so überzeugt, dass ich sofort beschloss in Berlin zu leben, obwohl ich in dieser großen Stadt niemanden kannte.
Es wurde mir klar, wie wichtig die Kunst ist. Wie wichtig es ist, eine Stimme zu entwickeln. Schließlich wurde mir deutlich, dass ich als Bildende Künstlerin die größte Freiheit habe, Dinge, die mich bewegen, zu visualisieren.
Mit Beginn des Studiums, also seit 1991, habe ich mein ganzes Leben der Kunst gewidmet, zusätzlich habe ich 27 Jahre mit einem figürlichem Bildhauer gelebt, wir haben zusammen studiert und viel zusammen gemacht. Unsere Wohnung war immer dreckig mit Malersachen, Ton oder -Betonstaub, tausende von Büchern. Es blieb nicht aus, dass ich auch Modell stand, dass Künstlerkollegen ein und aus gingen und wir bis in die Nächte an künstlerischen Dinge arbeiteten. Heute leben wir getrennt. So ein Leben, das prägt enorm, ist sehr spannend, aber auch auf die Dauer sehr, sehr anstrengend. Das Leben verändert sich, die Kunst bleibt.
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Magnetfeld mit Lunge, 66x60cm

Sie meinten einmal, dass wenn Sie keine Künstlerin geworden wären,AnwältinIhr Berufsweg gewesen wäre – wie geht das miteinander einher?

Nun, als junger Mensch habe ich extrem nach Gerechtigkeit gestrebt. Ich glaube dies ist so, aufgrund meiner eigenen Familiengeschichte, wo unschuldige Menschen vergast,
erschossen oder missbraucht wurden. Meine Oma mütterlicherseits war während des II. Weltkrieges eine Revolutionärin gegen Stalin, sie und ihre 4 Kinder mussten dafür hart büßen.
Meine Großväter habe ich nie kennenlernen dürfen, weil auch sie mitgenommen und erschossen oder vergast wurden. Das ist ein großer Schmerz, der immer mitgetragen wurde. So hat es mir immer wahnsinnig imponiert, wenn ich Filmserien gesehen habe und sah, dass eine Anwältin das Leben anderer Menschen retten konnte.So wollte ich auch sein.
Auch meine geliebte Mutter hat sichihr ganzes Leben lang für die Rechte der Frauen eingesetzt. Das Leben schlug mir einen anderen Weg vor und in der Hochschule war ich Studentenvertreterin, Tutorin. Ich versuchte mein Bestes. Der Gerechtigkeitssinn ist geblieben. In meinem Freundeskreis habe ich heute einige Juristen, die mein künstlerische Arbeit schätzen.Übrigens wäre ich sicherlich eine gute JANE BOND, die für das Gute kämpft und siegt. Sean Connery als James fand ich immer sehr cool.Daher trage ich so gerne meinen grauen Flieger-Anzug beim Malen.
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DEGAS, 66x60cm

Als gelernteKartographinbeschäftigen Sie sich mit derVerortungder Welt – auch künstlerisch: Wie gehen Sie bei der Arbeit an einem neuen Werk vor?

Da habe ich kein wirkliches Rezept, ich weiß nur, dass ich meine Augen als das größte und wichtigstes Werkzeug ansehe. Dies nehme ich wahr, wenn ich reise und Grenzen überschreite. Ich zeichne nicht, ich fotografiere oder filme nicht. All das versuche ich im Atelier ganz frisch und ungefiltert wiederzugeben.

Die Welt sehen und begreifen ist so wichtig für mich, weil ich als Kind 2 Augenoperationen hatte, eine ist leider missglückt. Man hatte Sorge, dass ich erblinde. So haben
meine Eltern damals in Polen ihr ganzes Geld für einen privaten Augenarzt über Jahre ausgegeben. Ich war 8 Jahre in Behandlung. Es ist alles gut gegangen. Darüber bin ich sehr dankbar.Für die künstlerische Arbeit habe ich grundsätzlich keine Richtlinien. Ich arbeite und arbeite und hole alles aus meinem Kopf, wie aus einer Enzyklopädie-Reihe heraus. Alles was geht. Durch mein klassisches akademischesStudium, mein Leben und meine Reisen ist da ganz schön viel drin. Wenn ich mich darin verliere, ist es ein gutes Zeichen. Ich mag es, wenn sich die Bilder verselbständigen.

Sie arbeiten mit vielen Techniken (Malerei, Video, Magnetfeld, Zeichnung, Fotografie) – welche Ausdrucksweise schätzen Sie am meisten und welche fordert Sie ammeisten?

Ich bin Malerin und die größte Liebe empfinde ich auch für die Malerei. Auch die Fotos, Videos, Zeichnungen sind immer mit einem malerischen Auge gemacht. Das ist mir sehr wichtig. Die Farbigkeit, der Farbfluss, die Übergänge sind malerisch zu verstehen. Es ist immer die Auflösung der Perspektive, die mich seit über 30 Jahren reizt. Das ist ja ein großer Unterschied zu einem reinem Zeichner oder Bildhauer, der z. B. die Linie als Kante sieht oder dreidimensional denkt.
Was mich am meisten fordert, ist die Fotografie oder Film, aber nur weil ich die Technik so wahnsinnig anstrengend finde. Das direkte Arbeiten liegt mir näher.
Foto und Film habe ich nur gemacht, weil diese Medien nicht stinken. Als ich schwanger wurde, musste ich mir irgendetwas überlegen. Im Atelier 10 Stunden mit Terpentin und Ölfarbe stehen, ging nicht mehr. Weil ich damals ein Arbeitstier war, habe ich die Nase komplett kaputt gehabt, hatte ständig Nasenbluten. Ich mußte ins Krankenhaus und das Innenleben meiner Nase musste gelötet werden. Nur mit einer speziellen Creme für das Innenleben der Nase
konnte ich überhaupt in mein Atelier gehen. Daher war Foto und Video gut, um einfach weiter machen zu können. Heute male ich wieder, die Malmitteln sind heutzutage aber nicht mehr so aggressiv wie früher.

Welche sind IhreHightlightsin Ihrer künstlerischen Laufbahn?

Es gibt sozusagen Meilensteine, wie man sagt. Ja.
1. Eine ganz wichtige Arbeit, die ich 1997 gemacht habe, da geht es um dieUmkehrung des Gesehenen. Diese Papier-Arbeit habe ich noch nie präsentiert.
2. 1999 dieSerie der Tiefseegewohnheiten
3. Die Magnetfeld.Serie :„….. in der Regel trifft man sich zweimal “2006 doch sind ausschlaggebend
4. Die VulkanBilder2011
ZuzannaSkiba-In der Regel trifft man sich zweimal Nr. 1 _ Buntstift auf Papier _ 158 x 420 cm _ 2006
In der Regel trifft man sich zwei Mal #1
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Foto : Katja Bilo
Die Webseite der Künstlerin:http://www.zuzannaskiba.com/

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