Der Künstler Andrea Gregori

187_4b6809c0a3f730943ee06a88d7db4111

Du bist promovierter Physiker – wie fandest Du Deinen Weg zur Kunst?

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, von Kunst und Kunstobjekten umgeben. Während meiner Zeit an der Uni habe ich zum ersten mal in einer größeren Stadt gewohnt und habe fast alle Klassiker der Kino-Geschichte auf großer Leinwand projiziert sehen können. Aber ich bin vielleicht immer schon sogar mehr an der Musik als der Kunst interessiert gewesen. Konkret zu fotografieren fing ich erst an als ich nach Berlin umgezogen bin – als Physikforscher. Da fand ich eine unstrukturierte Stadtlandschaft, die mir eine Reihe von Gefühle ausgelöst hat, die ich irgendwie in Kunst umgesetzt ausdrücken wollte. Da fühlte ich mich erstmals frei von kulturellen Zwängen und fing an, mit einer gebastelten Dunkelkamera zu experimentieren. Ich habe immer einen Zugang zur Fotografie gehabt, der aus einer Mischung von Neugier für die unbemerkten Sachen und Lust am Experimentieren besteht. Vielleicht spiegelt das auch meinem Zugang zur Physik und Naturwissenschaft wieder.

161_e8dba6bdd766254c24d632106c973682

Berlin, 60x80cm

 

Was möchtest Du mit Deiner Kunst ausdrücken?

Einen Teil von mir selbst. In erster Linie mache ich Kunst, weil es mir Freude bringt, es zu machen. Und zwar beides: das Machen selbst und das Produkt, das dabei heraus kommt. (Manchmal geht mir das auch auf die Nerven und macht mir Stress, wenn ich es nicht schaffe das festzuhalten, was ich mir vorgestellt habe.) Ich denke, meine Kunst reflektiert in abstrahierter Form viel von meiner Betrachtungsweise und Einstellung zur Natur und Umgebung. Sie ergänzt meine Annäherung, die andererseits von Naturwissenschaft geprägt ist.

 

Mit welchen Techniken und Materialien willst Du noch experimentieren und arbeiten?

Ich habe immer versucht neue Dimensionen aus dem flachen Motiv herauszuholen. Das Experimentieren mit den verschiedensten Verfahren hatte genau dieses Ziel. Zum einen habe ich mit Silbergelatine und Gummidruck und später mit 3D Lenticulardruck gearbeitet, zum anderen habe ich auch parallel mit Video gearbeitet: von 2D bis 3D und 360 Grad 3D. Das erlaubte mir, auch die Musik mit einzubinden, um eine zeitliche Dimension der Betrachtung zu vergeben und damit zu spielen. Die zwei Wege beeinflussen sich gegenseitig. Es ist schwer zu sagen, welche Richtung ich als nächstes einschlagen will, weil ich mich von meiner Neugier und Leidenschaft führen lasse. Das ist für mich eine Garantie von Ernsthaftigkeit und Echtheit. Wenn ich etwas mache, ist es weil ich sehr von der Sache angetan bin und das passiert oft in unerwarteter und unvorhersehbarer Weise. Auf jeden Fall bin ich zur Zeit immer mehr an neue Arten der Raumgestaltung durch Prints und Video Installation interessiert. Ich träume immer davon, den Betrachter mit meinen Werken in eine fantastische Welt total eintauchen zu lassen.

 

141_edc21663a9d7076b851d32fc22372423

Berliner Fragment, 120x80cm

 

Was ist für Dich schwierig zu fotografieren?

Für mich es ist schwierig Menschen zu fotografieren. Der Grund ist vielleicht, dass ich mich besser mit Abstraktion fühle. Oder vielleicht ist einfach meine persönliche Einstellung: ich bin als Naturwissenschaftler Physiker, also ich interessiere mich für Objekte, nicht für Biologie oder Sozialwissenschaft… und als Fotograf bin ich auch so, mich interessiert eine Ordnung im Stillleben zu finden…


Kannst Du uns etwas zu Deiner Serie Pinhole erzählen?

Sie ist ein Projekt, das ich während meines Urlaubs wiederholt Jahr nach Jahr durchgeführt habe. Die große Stadt mit ihrem hektischen Leben lässt mich aufs Detail konzentrieren, zum Abstrahieren des buntes Details aus der grauen Anonymität der Umgebung. Im Sommer verbringe ich dagegen meinen Urlaub in einem alten Fischerdorf an der Adriaküste. Dort ist mein Leben ganz anders. Ich wollte in Einem mein persönliches Fühlen von Ruhe, Entspannung, und Zeitlosigkeit – und gleichzeitig auch den Geist des Ortes oder wie ich ihn in meiner besonderen „Stimmung“ empfinde, fangen. Dank der Lochkamera erziele ich eine surrealistische Darstellung der Landschaft, die ein Gefühl geheimnisvoller und deswegen unnatürlicher, fast beunruhigender Stille vermittelt.

 

591_2bc1874d39215461eba64aef543bab82

Stille, 60x60cm

 

 

Zur Webseite des Fotografen: http://www.gregori-photo.de/index.html

Andrea Gregori auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/andrea-gregori-187

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.