Marlene Hofmann ist freie Autorin, Texterin und Bloggerin mit einem Faible für digitale Innovation im Kulturbereich. Hier stellen wir den Blog und die Autorin im Interview mit Singulart vor:

Über was schreibst Du in Deinem Blog? Und an wen ist er adressiert?

Mein Blog heißt CreativeWWW http://www.marlenehofmann.de/blog/ und ich schreibe über Wege, das Internet kreativ zu nutzen. Am meisten interessieren mich Entwicklung im Bereich digitale Strategien, digitale Vermittlung und Social Media im Kulturbereich: Was gibt es, was funktioniert bereits, was könnte spannend werden?

 

Du schreibst über die digitale Landschaft der deutschen, aber auch dänischen Kulturszene: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich hier identifizieren?

Der größte Unterschied ist, dass die Dänen den Deutschen in Sachen Digitalisierung immer mindestens eine Nase lang voraus sind. Wenn nicht gar Jahre. Deshalb lohnt sich der Blick nach Skandinavien, wo man der Digitalisierung traditionell offener entgegenblickt und wo die Politik schon vor Jahrzehnten mit flächendeckendem Breitband-Ausbau und Digitalisierung des öffentlichen Sektors zukunftsträchtige Weichen gestellt hat. Es lohnt sich auch deshalb, weil man sieht, welche Ansätze sich in Dänemark bereits bewährt haben.

 

Wie kamst Du zum Bloggen? Und wie kamst Du dazu über digitale Innovationen im Kulturbereich zu schreiben?

Seit ich Teenager war, hatten wir einen Computer im Haus und von da an habe ich immer eine eigene Website gehabt. Ich liebe schreiben und gestalten, das Internet ist für mich eine Spielwiese, mich auszuprobieren und mich weiterzuentwickeln. Zur Website kam dann ganz automatisch ein eigener Blog. Am Bloggen gefällt mir, dass man völlig frei Themen auf die Agenda setzen kann, die einem wichtig sind – und dass es Leser gibt, dass Diskussionen entstehen und sich Neues daraus entwickeln kann. Digitale Innovationen verfolge ich also schon viele Jahre interessiert und weil ich vor allem im Kulturbereich arbeite, ist das mein Schwerpunkt.

 

Mit der Virtual Reality-Brille in die Steinzeit im dänischen Moesgaard Museum
Mit der Virtual Reality-Brille in die Steinzeit im dänischen Moesgaard Museum

 

Welche Kunstrichtung und welches Genre sagt Dir am meisten zu und warum? Welche Künstler bewunderst Du?

Ich liebe Malen und Zeichnen und besuche seit Jahrzehnten die offene Kunstschule „Studio Bildende Kunst“ im traditionsreichen Lindenau-Museum Altenburg http://lindenau-museum.de/. Ich mag besonders detailreiche Grafiken, gerne trotzdem figürlich. Im Dunstkreis des Lindenau-Museums gibt es interessante Künstler zu entdecken wie zum Beispiel den bereits verstorbenen Gerhard Altenbourg, aber auch mein Zeichen-Professor Peter Schnürpel. Aber ich muss gestehen, dass ich nicht der klassische Besucher von Kunstmuseen bin. Mich findet man häufiger in geschichtlichen Ausstellungen.


Welche Museen und Kultureinrichtungen sind weit fortgeschritten in ihrer Digitalität und wie agieren sie digital?

Ein schönes Beispiel ist das Statens Museum for Kunst http://www.smk.dk/ in Kopenhagen. Dort ist nicht nur bereits ein großer Teil der Sammlung digitalisiert, sondern die Werke, bei denen das Urheberrecht abgelaufen ist, findet man unter CC-Lizenz zum Download. Das Museum vertritt die Ansicht, dass das Kulturerbe allen gehört und lädt ein, aktiv damit zu arbeiten – sei es nun künstlerisch als „Remix“ oder kommerziell als neue Mode-Kollektion mit Malerei-Print. Alles ist erlaubt, denn die Werke sind gemeinfrei. Dieser Gedanke holt die Kunst aus den Depots zurück in den Alltag der Menschen und immer mehr Museen schließen sich an – Beispielsweise das Museum für Kunst und Gewerbe http://www.mkg-hamburg.de/de/ in Hamburg und das Städelmuseum https://www.staedelmuseum.de/de, um nur zwei Leuchttürme in Deutschland zu nennen. Das Städelmuseum bietet kostenlose Online-Kunstkurse an, ist auf allen erdenklichen Social Media-Kanälen präsent und konzipiert sogar virtuelle Ausstellungen. Das heißt nicht, dass die Besucher vor Ort ausbleiben, im Gegenteil, die Kunst gewinnt an Bedeutung im Alltag der Menschen und das Museum an gesellschaftlicher Relevanz.


Warum denkst du, ist die Kunst- und Kulturszene noch zögerlich, was die Digitalisierung betrifft?

Auf Tagungen und Konferenzen, die sich mit dem Thema Digitalisierung, Kommunikation und Vermittlung beschäftigen, kann man die Aufbruchstimmung spüren. Aber ich glaube, die Szene ist gespalten. Es gibt auch noch genug Menschen, die glauben, dass das Digitale der vielbeschrienen „Aura des Originals“ schade. Erfahrungen zeigen das Gegenteil. Und man darf das Digitale und das Analoge auch nicht trennen, unser Lebensalltag ist einfach inzwischen sowohl analog als auch digital. Gleichzeitig. Und das wird sich auch in der Kunst- und Kulturszene spiegeln.

Im April 2017 war ich für das Museum Burg Posterstein bei Sharing is Caring in Hamburg - Ins Leben gerufen hat die Konferenz Merete Sanderhoff vom dänischen Statens Museum for Kunst (Foto)
Im April 2017 war ich für das Museum Burg Posterstein bei Sharing is Caring in Hamburg – Ins Leben gerufen hat die Konferenz Merete Sanderhoff vom dänischen Statens Museum for Kunst (Foto)


Wie bereichert das Internet, Social Media und Co. den kulturellen Diskurs und in wie fern stellen sich hier auch Herausforderungen?

Mein Lieblingsnetzwerk, um Diskurse über Kultur zu führen, ist Twitter. Es gibt eine rege Szene von twitternden Kulturliebhabern, Kulturarbeitern, Kulturbloggern, Künstlern, Kulturpolitikern und Journalisten. Man kann sich über Trends austauschen, bekommt Inspiration und erweitert sein Netzwerk. Die Kunsthistorikerinnen Anke von Heyl und Anita Thanhofer haben zum Beispiel kürzlich den Blog ARTEDUTALK http://artedutalk.eu/ gegründet und laden zu Diskussionen über Kulturvermittlung im digitalen Raum ein. Das erste Gespräch lief zu einer vorher bestimmten Uhrzeit über Twitter. Die Herausforderungen vom kulturellen Diskurs im Internet sehe ich höchstens darin, dass es immer mehr verschiedene Plattformen und Szenen und „Blasen“ gibt, die vielleicht ganz abgegrenzt voneinander diskutieren. Die Kulturseiten der Zeitungen sind nicht mehr der einzige Ort, den man im Auge behalten sollte. Aber das finde ich auch schön, dann gibt es weniger Meinungsmonopole.


Der Kunstmarkt ist noch relativ undigitalisiert – wie siehst Du Deine Rolle als doch sehr digitaler Kunstblogger im Kunstgeschehen verortet?

Ich schreibe gern über neue Ideen und Ansätze und teile meine Erfahrungen. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, den Schritt ins Digitale zu wagen. Für die Künstler müsste es doch eigentlich eine Liberalisierung des Marktes bedeuten, denn in den sozialen Medien und als Blogger kann man unter Umständen sehr gut auf sich selbst aufmerksam machen. Vielleicht wagt sich der eine oder andere an neue Wege, seine Kunst zu zeigen und zu verkaufen.

 

Während draußen die Besucher auf die Eröffnung des Barberini warteten lief drinnen eine Führung für Kulturblogger
Während draußen die Besucher auf die Eröffnung des Barberini warteten lief drinnen eine Führung für Kulturblogger


Welche Rolle spielt Kunst Deiner Meinung nach in der Gesellschaft?

Kunst gehört zum Wesen der Menschheit, erfreut, inspiriert, regt zum Nachdenken an. Heute wie damals. Es haben sich auch immer neue Techniken und Formen von Kunst entwickelt. Inzwischen gibt es interessante Formen digitaler Kunst, von denen viele traditionelle Museen noch gar nicht wissen, wie sie sie zeigen sollen. Da fällt mir die aktuelle Ausstellung „Virtual Normality“ ein, die bis 8. April im Museum für Bildende Kunst in Leipzig zu sehen ist: https://mdbk.de/ausstellungen/netzkuenstlerinnen-2.0/, die Werke von sogenannten „Netzkünstlerinnen“ zeigen. (Steht auf meiner Liste der zu besuchenden Ausstellungen.)


Erzählst du uns etwas zu deiner Serie #Kunst fürs Volk: Um was geht es hier und welches Ziel hat sie?

Da geht es um das, was so oft als „OpenGLAM“ bezeichnet wird. GLAM steht für Galeries, Libraries, Archives, Museums und „Open“ für den freien, digitalen Zugang zur Sammlung, denn Kulturerbe gehört praktisch dem Volk, die Museen sind nur die Verwalter.

 

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Hofmann für das Gespräch!

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