Rona Rangsch im Interview mit Singulart

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Foto Rona Rangsch: Bud Gaulton

Was möchten Sie mit Ihrer Kunst ausdrücken?

Das hängt natürlich vom jeweiligen Projekt ab. Was die Themen meiner Projekte aber vereint, ist ihre inhaltliche Offenheit: Sie lassen sich nicht abschließend (er)klären oder final durchschauen. Fragen und Phänomene, die schon lange kontrovers diskutiert werden, und voraussichtlich nicht – oder nicht in absehbarer Zeit – abschließend beantwortet oder eingeordnet werden können, interessieren mich. Vor dem Hintergrund eines gründlich recherchierten und klar umrissenen Projektkontextes möchte ich der inspirierenden Spannung Ausdruck verleihen, die durch diese inhaltliche Offenheit entsteht.

 

Sie sind studierte Physikerin – inwiefern beeinflusst Ihr naturwissenschaftlicher Hintergrund Ihre künstlerische Tätigkeit?

Meinen künstlerischen Projekten liegt eine bestimmte Systematik sowie ausgiebige Recherche-Arbeit zugrunde. Dieser Teil ist wissenschaftlicher Methodik nicht unähnlich. Aber als Künstlerin genieße ich die Freiheit, die Welt, die uns umgibt, nicht nur beschreiben sondern auch verändern zu können. Ich kann meine persönlichen Blickwinkel herausarbeiten und vermitteln. Darüber hinaus kann ich mich frei über disziplinäre Grenzen hinweg bewegen, inhaltlich wie medial.

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Vinland Berg, 2016, 50×50 cm

 

Was haben Kunst und Wissenschaft gemeinsam?

In der Kunst wie in der Wissenschaft geht es darum, Unsichtbares sichtbar zu machen, neue Ebenen der Erkenntnis und der Wahrnehmung zu eröffnen. Künstler und Wissenschaftler sind getrieben von ihrer Neugier, mehr über die Welt dort draußen – oder auch in uns selbst – zu erfahren, das Erfahrene zu interpretieren und zu transportieren.

 

Gibt es Ihrer Meinung nach Bildsujets, die schwer fotografisch festzuhalten sind?

Nebel. Seit Jahren fasziniert er mich, und mit einigem Aufwand ist es mir in drei Videoarbeiten* gelungen, diese Faszination zumindest teilweise einzufangen. Aber im Foto-Standbild ist mir das bisher nicht geglückt.

*(Western Signal: https://vimeo.com/255181261 ; fog’s trot: https://vimeo.com/17291528 ;

transient: https://vimeo.com/17287231 )

 

1648_b7c0eab9f8a5c8814dc3125878801617phase transition, 2014, 50x70cm


Können Sie uns etwas zu Ihrer Serie „Nature’s Nature“ erzählen?

Die Serie „Nature’s Nature“  ist Teil des Projektes „Natur geschieht.“, das meine Faszination angesichts der Vielfalt und Komplexität der belebten Natur sowie ihrer Erforschung widerspiegelt. Ich bin tief beeindruckt davon, dass Wissenschaftler sich nicht scheuen, sich dem komplexen und vielschichtigen Zusammenspiel der beteiligten Mechanismen und intrinsischen Systemeigenschaften bei der Entfaltung des Lebens methodisch anzunähern. Die gewonnenen wissenschaftlichen Einsichten mindern dabei meiner Ansicht nach nicht den Zauber, der der Natur innewohnt; vielmehr legen sie tiefere Ebenen frei, auf der das Leben ein anderes, nicht minder faszinierendes Gesicht offenbart.

Die Serie „Nature’s Nature“ selbst befasst sich mit den Prinzipien, die all den erstaunlichen Phänomenen des Lebendigen zugrunde liegen, sie möglich machen, sie entstehen und geschehen lassen: Emergenz, Selbstorganisation, Phasenübergang, Kritikalität, Musterbildung, Nicht-Gleichgewicht und Nichtlinearität. Ihnen kommt eine übergreifende Rolle zu, gleichzeitig sind sie schwer zu fassen − in ihnen spiegelt sich die Natur der Natur.

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nonlinearity, 2014, 50x70cm


Was möchten Sie künstlerisch erreichen?

Ich möchte unsichtbare oder ungesehene Phänomene und Zusammenhänge, die mich faszinieren, sichtbar oder sogar erfahrbar machen. Mit meinen Arbeiten möchte ich die Betrachter in meine Welt entführen, die sie im Idealfall dann auch durch individuelle Assoziationen und eigene Spekulationen weiterspinnen.

 

 

Die Webseite der Künstlerin: http://www.rangsch.de

Das Profil von Rona Rangsch auf auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/rona-rangsch-828

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