Kunst&Horst: Kunst auf die Ohren!

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Kannst du dich uns kurz vorstellen?

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Mein Name ist Daniela Ishorst, 37 Jahre alt. In meinem Berufsleben bin ich Assistentin und Buchhalterin. In meiner Freizeit bin ich in Museen und Theatern zu finden. Im Jahr 2011 bin ich über ein Plakat des Düsseldorfer Schauspielhaus gestolpert. „HAMLET“ stand dort drauf, kaum mehr. Ich hatte keine Ahnung von Hamlet, war zuletzt als Jugendliche im Theater, trotzdem wollte ich unbedingt dieses Stück sehen. Seitdem gehe ich regelmäßig in unterschiedliche Inszenierungen und Ausstellungen, um mich dem Thema Kunst zu nähern. Seit 2016 wohne und arbeite ich in Berlin und versuche langsam die umfangreiche Kulturszene zu entdecken.

 

Wie und wann kamst du dazu einen Podcast zu starten? Wieso der Name „Kunst & horst“?

Irgendwann, so 2014, entdeckte ich Podcasts. Erst nur als Zuhörerin faszinierte es mich immer mehr, dass praktisch jede ins Mikro quatschen und dies dann veröffentlichen kann. Da es zu dieser Zeit kaum Hobbypodcasts zum Thema Kunst und Kultur gab, dachte ich, ich probiere es einfach mal aus. So podcaste ich seit Juli 2015 mal mehr, mal weniger regelmäßig über Ausstellungen, Theaterinszenierungen und Erlebnisse rund um das Thema Kunst. Der Name entstand aus meinem Nachnamen „Ishorst“, da gab es natürlich für uns als Kinder die eine oder andere Fopperei. Mein Bruder hatte Horst lange als Spitzname, einige meiner Freunde nennen mich die Horst. So kam es dazu, dass ich den Namen für den Podcast wieder aufgegriffen habe.

 

An wen adressierst du deinen Podcast und wer sind deine Hörer?

Mein Wunsch war es von Anfang an Menschen zu erreichen, die, wie ich, kaum einen Zugang zur Kunst hatten oder noch nicht haben. Mir ist es wichtig zu sagen, dass ein Besuch in einem Museum oder einer Galerie, einem Theater nichts Elitäres an sich hat, dass jeder und jede dort hineingehen kann. Selbst für mich sind dort immer noch innerliche Barrieren zu finden, zum Beispiel in Galerien, da ich mir nie ein Stück dort kaufen kann. Trotzdem versuche ich den Zuhörenden zu sagen, dass es Spaß macht und möchte Lust auf Kunst machen. Ob das funktioniert ist schwer zu sagen. Ein Großteil meiner Hörerschaft besteht mit Sicherheit aus Leuten, die sich ohnehin schon mit Kunst beschäftigen oder gerne Podcasts hören.

 

Über welche Themen sprichst du in deinem Podcast und wie suchst du die Themen aus?

Je nachdem, ob ich ein Theater oder ein Museum besuche,  laufen die Folgen unterschiedlich ab. Theater-Episoden nehme ich meist alleine auf. Museumsfolgen mittlerweile fast immer mit einem Gast. Es geht bei Museumsfolge darum, den Hörenden mitzunehmen. Zu versuchen den Aufbau der Ausstellung zu erklären, das Gesehene wiederzugeben. Wie war das Licht, die Wandfarben, wie voll war es? Dann geht es darum, das eigene Erleben und die eigenen Gefühle zu beschreiben. Widersprüchliches zu erläutern. In manchen Ausstellungen geht es auch um unterschiedliche Sehgewohnheiten. So war ich mit einem Gast, der in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, in der Ausstellung „Hinter der Maske“. Für mich bot sich ein völlig neues Seherlebnis, für ihn gewohnte Bilder, bereits gesehenes Handwerk. Das war eine ziemlich spannende Erfahrung. Die Auswahl erfolgt rein subjektiv. Ich möchte ja nach Möglichkeit etwas Schönes erzählen, dass es sich lohnt sich dieses oder jenes anzusehen, deshalb versuche ich mich auf meinen ersten Eindruck zu verlassen. Manchmal kommen auch Freunde auf mich zu und geben mir Tipps, was sich lohnen kann.

 

Gibt es in Deutschland viele Kunst- und Kulturpodcasts?

Gemessen an dem, was es sonst für Themenbereiche gibt, eindeutig nein. Die meisten Kunstpodcasts kommen auch nicht aus der freien Szene, sondern sind Produktionen der Museen und Theater selber. Doch das sind Podcasts die mich als Besucherin einer Ausstellung oder eines Theaterstücks nicht interessieren. Ein Museum, welches über seine eigene Ausstellung spricht wird immer einen ganz anderen Blick und Ansatz haben als Besuchende. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mir einen subjektiven Blick behalten möchte, das geht natürlich nicht, wenn man selber in dem Haus arbeitet über dessen Ausstellung man gerade spricht. Der Deutschlandfunk ist da mit Sicherheit auch weit vorne mit dabei, da diese Produktionen eher die Sicht von außen vertreten, höre ich diese hin und wieder. Podcasts aus der freien Szene, die sich nur mit Ausstellungen oder mit Theaterinszenierungen beschäftigen, gibt es kaum. Kultur ist ein breit gefächerter Begriff. Hier wird man je nach Thema schon gut fündig.

 

Was unterscheidet das Format eines Podcasts von Online Magazinen und Kulturblogs?

Einen Podcast kann ich überall hin mitnehmen. Auch beim zur S-Bahn gehen kann ich zuhören, lesen ist dort schon schwieriger. Podcast ist für mich eins der persönlichsten Medienformate. Es hat viel mit Authentizität zu tun. Und die Zeit. Podcasts die aus der freien Szene kommen haben keine Vorgaben was die Länge ihrer Folgen angeht oder auch was die Inhalte betrifft. Hinzu kommt, dass nicht jeder lesen kann. Da ist über Kunst podcasten doch eine gute Idee, um auch solche Inhalte zu vermitteln.

 

Welche Podcasts würdest du unseren Lesern weiterempfehlen?

Das E&U Gespräch  ist einer meiner absoluten Favoriten, wenn es um Kunst und Kultur geht. Der Exponiert Berlin Podcast von Ulrike Kretzmer beschäftigt sich ausschließlich mit Ausstellungen. Wenn man das Thema etwas weiter fassen möchte und sich auch mit Literatur beschäftigt, dann seien hier noch die Podcasts anekdotisch evident und In trockenen Büchern empfohlen. Wer selber schauen möchte, was an Kunst- und Kulturpodcasts gibt, dem sei noch die Seite fyyd.de empfohlen.

 

Welche Trends sind im Kunst- und Kulturbereich gerade zu beobachten?

Die Öffnung zu Social Media und ein langsames Gespür dafür, wie man mit digitalen Medien umgehen kann. Die Pinakothek in München hat zum Beispiel für die neue Ausstellung „Paul Klee. Konstruktion des Geheimnisses.“ eigens eine App herausgebracht, mit der man eigenen Fotos mit Elementen aus Paul Klees Bilder verändern kann. Zum Einen macht es viel Spaß und zum Anderen lernt man so auch etwas über die Elemente in Klees Bildern. Ganz spielerisch. Die Ausstellung hat noch nicht begonnen und schon fliegen die ersten Bilder bei Instagram und Twitter an mir vorbei. Museen und Theater nutze häufiger Instagram und Twitter. Die Schaubühne und das Berliner Ensemble machen das ganz prima. Auch das DHM ist in meiner Wahrnehmung ganz gut aufgestellt. Sie bieten für neue Ausstellungen eigens ein Social-Media-Event an, bei dem sich Leute anmelden und mitmachen können. Dieser findet abends statt. Ich verstehe oft nicht, wie Museen auf die Idee kommen, Podcaster, Instagrammer, Blogger, die dies als Hobby betreiben könnten vormittags zu solchen Veranstaltungen gehen. Da sind ein paar wenige Häuser den meisten schon etwas voraus. Wer da erstaunlicherweise schon früh einen guten Umgang damit hatte, ist die Kunstsammlung NRW. Sie waren auch die Ersten, die aktiv auf mich zugekommen sind und sich für das Medium Podcast interessiert haben.

 

Welche Künstler bewunderst du?

Günther Uecker. Nicht wegen seiner Person, sondern wegen seiner Kunst. Ich weiß noch wie ich durch Zufall vor einem seiner Nagelreliefs stand. Ich war hin und weg. Seine Bilder haben bis heute eine unglaubliche Ausstrahlung auf mich. Zuletzt war ich in einer Jeanne Mammen Ausstellung und muss sagen, dass ich auch von ihrer Art die Welt zu sehen tief beeindruckt war. Ansonsten bin ich ein großer Fan von Menschen die ihre Kunst auf die Straße bringen. Street Art macht mir große Freude, sie kostet nichts, ist für jeden sichtbar und fühlt sich manchmal wie eine Schnitzeljagd durch die Städte an. Es macht mir Freude auf diese Weise Kunst zu entdecken.

 

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Vielen Dank für das Gespräch Daniela!

Zur Webseite des Kunst&Horst Podcasts: http://www.kunstundhorst.de/

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