toedter_im_atelier2018

Können Sie sich kurz vorstellen?

Ich heiße Petra Tödter und bin in Glücksburg/Ostsee geboren. Ich habe an der Hochschule der Künste Berlin (heute UdK) bei Johannes Geccelli und Georg Baselitz studiert. Seit der Studienzeit lebe und arbeite ich in Berlin.

Und wie kamen Sie zur Kunst?

Gute Frage. Ich habe in meiner Kindheit nicht gemalt, gezeichnet oder konstruiert. Viele Anregungen bekam ich im Kunstunterricht, ich hatte Kunst als Leistungskurs. Nach dem Abitur war für mich klar, dass ich mich am besten über die Kunst definieren und ausdrücken kann, selbstbestimmt und frei von Zwängen, die andere Berufe mit sich bringen.

 

serie_1972_9d85d2f24b594b7e4082e08c8887fabb

Not_defined, 2014, Acryl auf Karton. 67×46 cm

In Ihren Werken beschäftigen Sie sich mit geometrischen Formen, deren Beziehung zueinander und spielen mit Perspektiven. Wann haben Sie Ihr Interesse dafür entdeckt und wie gehen Sie bei der Arbeit an Ihren Werken vor?

Erstes Interesse an Abstraktion und geometrischen Formen bekam ich bereits während des Studiums, die ersten Formen habe ich 1989 gebaut. Sie waren noch kasten-formig konstruiert und hatten abstehende Stege. Die geometrischen Formen/Objekte, wie ich sie heute mache, habe ich 2001 angefangen. Ich finde es spannend, die Formen und ihre Ansichten durch Farbaufträge, die über die Flächenränder hinausgehen, zu „irritieren“. Ebenso das Anordnen der einzelnen, oft mehrteiligen Formen zueinander oder unterschiedliche Größen derselben. Ich arbeite gerne mit dreieckigen und pyramidalen Flächen, die ich zuerst mit Papier erstelle. Ich setze dabei einzelne Flächen aneinander, bis sie zur dreidimensionalen Form werden. Dann baue ich die eigentliche Rohform aus den einzelnen Teilen zusammen. Als Material benutze ich Holz oder Finnpappe. Die farbliche Gestaltung aus Acryllack und Pigment erfolgt, wenn das Objekt in Rohform fertig ist. Ich probiere meist mehrere „Musterungen“, bevor ich mich für eine entscheide.

Meine farbigen Zeichnungen sind „Abwicklungen“ der Objekte. Ich suche mir dabei ein einzelnes Objekt heraus und setze die einzelnen Flächen auf dem Papier in unterschiedlichen Variationen aneinander, immer so, dass diese wieder die ganze Form ergeben würden beim Zusammenfügen durch Ausschneiden und Knicken derselben. Diese Zeichnungen präsentiere ich meist in einer Abfolge von mehreren Blättern aus einer Serie, wodurch rhythmische Bewegungs- und Farbabläufe entstehen.

 

Können Sie uns etwas zu Ihrer Serie „Faltzeichnungen“ erzählen?

Falt-Zeichungen aus Papier mache ich seit 2013. Ich suchte nach einer Möglichkeit, dreidimensionale und gleichzeitig platzsparende Werke zu schaffen. Ein Buch zum Thema „Faltungen“ hat mich so inspiriert, dass ich daraufhin die Falt-Zeichnungen entwickelt habe, eine Verbindung aus Dreidimensionalität und Zeichnung. Farben und Linien setze ich dabei, wie auch bei meinen Objekten, nach eigenen rhythmischen Regeln ein. Bei der Hängung können die Falt-Zeichnungen flexibel angebracht werden. Dadurch entstehen unterschiedliche spannungsreiche Formen und perspektivische Ansichten.

 

serie_2046_3fc3964740fdd9984b892e62149c59ca

Vantaa, 2017, Bleistift auf Papier, 10×16 cm

Welche Etappen Ihrer künstlerischen Laufbahn haben Sie am meisten geprägt und künstlerisch sowie persönlich beeinflusst?

Die Kunstgeschichte-Vorlesungen an der damaligen HdK haben mich an abstrakte, konstruktive und minimalistische Kunst herangeführt. Das hat mich beeindruckt und ich habe bereits nach der Erstsemesterprüfung angefangen abstrakte Formen zu bauen. Auch gesehene Ausstellungen anderer abstrakt und minimalistisch arbeitender Künstler haben nachgewirkt, u.a. Frank Stella, Imi Knoebel und Ellsworth Kelly. Die Beschäftigung mit geometrischen Formen, Farben, Linien ist mir sehr wichtig und hat sicherlich auch mich als Person geprägt.

 

 

Die Webseite der Künstlerin: http://www.work-in-progress.de/

Petra Tödter auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/petra-t%C3%B6dter-987

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.