Interviews

Die Malerin Clara Joris über Wurzeln, Inspiration und die Magie der Kunst

Können Sie sich und Ihre künstlerische Vision kurz vorstellen?

Einerseits möchte ich mit meiner Kunst die subtile innere Welt zeigen, die uns alle bewegt und die Realität schafft, in der wir glauben zu leben. Manche existenzielle Frage beschäftigt uns, mal als Empfindung, mal als Bild in einem Traum, das uns lange begleitet, nachdem wir aufgewacht sind. Andererseits sind meine Bilder Metaphern realer Erfahrungen.

Wie kamen Sie zur Kunst?

In Wirklichkeit weiß ich nicht, ob ich zur Kunst kam oder die Kunst zu mir. Ich bin in einer künstlerischen Umgebung aufgewachsen. Seit ich klein war, wusste ich, dass ich dazu gehören wollte. Das Bedürfnis zum Schaffen hat mich nie verlassen. In Phasen, in denen ich nicht arbeiten kann, erfinde ich neue Kochrezepte, ändere ich die Farbe der Wände in meiner Wohnung und schaffe neue Ordnung. Meine Familie sich freut dann immer, wenn ich wieder ins Atelier gehe.

In Ihrem Werk widmen Sie sich der Realitätswahrnehmung und Illusion – wie gehen Sie vor, wenn Sie an einem neuen Werk arbeiten und wie behandeln Sie diese Themen konkret: haben Sie Motive oder ähnliches?

Oft lese ich einen Satz in einem Buch oder ein Bild gibt mir ein Gefühl und dann öffnet sich eine Tür. Es ist wie bei „Alice durch den Spiegel und was Alice dort fand.“ von Lewis Carroll. Ich gehe durch den Spiegel und fange an, nach Unterschieden der beiden Welten zu suchen: der realen und der reflektierten, bis ich nicht mehr weiß, welche welche ist. Es ist wie in einen Trancezustand. Ich lasse mich gehen und von diesem kreativen Prozess überraschen. Meine Füße bekommen Flügel, die mich zu neuen Welten fliegen lassen. Das Resultat ist nicht vorhersehbar.

413_e4748062217b80614f2af86e382b4ddf

Alles ist eine Illusion II, 2015, Acryl Malerei, 60×90 cm

Wie hat sich Ihr Werk über die Jahre entwickelt hin zu dem, das es jetzt ist?

Als ich mit den Selbstporträts angefangen habe, entdeckte ich beim Malen eines Portraits den nahezu unendlichen Reichtum meiner inneren Ideenwelt und mit jedem Porträt wurde es mehr. Ich hatte eine Serie noch nicht beendet als andere Projekte bereit im Kopf geboren waren. Ich bin auch sehr neugierig und experimentiere gerne mit verschiedenen Materialen und Hintergründen. Ich lasse mich von den Ergebnissen überraschen. Ich glaube nicht an magische Formeln, sondern an Veränderungen und Evolution.

Welche künstlerische Etappen in Ihrem Werdegang haben Sie in Ihrem künstlerischen Schaffen am meisten geprägt?

Wenn ich an Kunstfestivals mit anderen Künstlern teilnehme, dreht sich alles um Kunst und das Schaffen. Man ist gleichzeitig in Kontakt mit den kreativen Prozessen von so vielen Menschen, dass eine Art Magie erzeugt wird, die uns alle umarmt. Darüberhinaus finde ich die internationale Atmosphäre inspirierend, wenn Künstler aus verschiedenen Kulturen kommen, die sie geprägt haben. Das alles schafft eine unglaubliche und einzigartige Erfahrung, die zuweilen von einem atemberaubenden Tempo begleitet wird.

404_efb5f14576b2a98478c6eb0c43014172

Carmen, 2015, Acryl Malerei, 90×60 cm

Können Sie uns etwas mehr über die Idee und den Schaffungsprozess Ihrer Serie „Wurzeln“ erzählen?

Als ich mich entschieden habe nach Deutschland zu kommen, hatte ich keine klare Idee für wie lange. Ich hatte schon an mehreren Orten in Europa gelebt und mich immer ein bisschen wie ein Nomade gefühlt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt, hatte ich das Gefühl, dass die Erde unter meinen Füßen wackelte. Der Moment, Wurzeln zu schlagen, war gekommen. In dieser Zeit habe ich mich künstlerisch mit diesem Thema beschäftigt. Als die Flüchtlingsproblematik in Europa omnipräsent war, habe ich mich wieder mit dem Thema befasst. Ich habe mein Land freiwillig verlassen und wusste, dass ich immer zurückkehren kann. Das ist ein großes Privileg. Ganz anders ist es, wenn dein Leben, deine Familie, deine Kultur, in Gefahr ist. Das hat auch etwas mit Identität zu tun. Was wäre, wenn ich irgendwo anders geboren wäre. Wäre der Kern meiner Identität, was ich glaube, was ich habe, was ich bin der gleiche sein? Existiert er überhaupt oder wird er mit der Geburt und dem geografischen Ort erst geschaffen? Würde ich, Ich sein? Oder ist es alles eine Illusion?

414_584f5fd8dfcd5ba7d2f700ecaa7cea65

Das Geburt des Pegasus, 2017, Acryl Malerei, 90×125 cm

Clara Joris auf Singulart:https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/clara-joris-40

Die Webseite der Künstlerin:http://www.clarajoris.com/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.