Johann Nußbächer im Gespräch mit Singulart

611_7b8f3ac1ad520f6de4a376cd0b25f137

Wie würden Sie Ihre Kunst und Ihre künstlerische Vision beschreiben?

Bilder, die ich noch nie gesehen habe, wollte ich machen. So ging ich leidenschaftlich daran sie zu erschaffen.
Das gesamte Werk wird vorangetrieben vom Ziel, das richtige Bild zu finden und zu präzisieren.
Mein stetiger Wechsel der Medien bedeutet die vielstimmige Annäherung an die innere Vision, deren Erreichen letztendlich,
was ich natürlich weiß und dies treibt mich auch an – unmöglich ist.
Da der Begriff „innere Vision“ ziemlich schwammig ist, hier eine kurze Erläuterung:
Die innere Vision entsteht, wenn ich im Bett liege kurz bevor ich in den Traum rüberkippe, da kommt ein Moment, in dem sich das Denken in Worten in Bilder auflöst,
dann tauchen in rascher Folge nie gesehene abstrakte Bilder auf.
Denen jage ich dann im Atelier hinterher. Machmal klappt es, manchmal aber auch nicht.

 

1482_ef0f2baeba6014539eb37c8c5a7b2457

reale fiction 103 (Öl auf Leinwand), 2012, Ölgemälde, 30×40 cm

Wie hat sich Ihr Werk im Laufe der Jahre verändert hin zu dem, das es jetzt ist?

Es hat sich immer und alles immer wieder geändert, verändert und tut es auch heute noch. Dies finde ich auch wichtig und gut so.
Veränderungen sind wichtig im Leben und besonders in der Kunst, sonst erstarrt man und bleibt in alten, verbrauchten Vorstellungen stecken. Mein Werk ist ja unglaublich breit und tief angelegt. Die verschiedenen Gruppen haben technisch, formal und inhaltlich überhaupt nichts miteinander zu tun, außer einem geistigen Überbau und natürlich einen einzigen Künstler. Von den verschiedensten malerischen Werkgruppen, „Arbeiten auf Leinwand u. Holz“, „Papierarbeiten„, „Arbeiten in Lack„, „erhabene Flächen“, „perfekt unperfekt“, „reale fiction„, „weniger ist mehr“ um nur die wichtigsten zu nennen, bis hin zu einem umfangreichen druckgrafischen Werk (Radierungen, Lithografien, Monotypien) und den unzähligen figürlich-expressiven Zeichnungen.

Experimentieren Sie mit Techniken und Stilen – und welche würden Sie gerne einmal ausprobieren?

Da ich schon viele Techniken und Stile erfunden habe, ist es mein Wunsch, die eine oder andere noch weiter zu vertiefen und auszubauen. Ein erfolgsversprechendes Konzept war nie der Antrieb meiner Arbeit. Sondern meine Devise ist „Kunst vor Kommerz“ indem ich das Experiment als ständigen Beschleuniger meiner künstlerischen Intention einsetze.

 

1098_f7285bd87f48d87f29bbda9930397c1b

Arbeit in Lack 26 (Lack auf Holz/MDF), 2010, 40×30 cm

Können Sie uns etwas zu Ihrem Werk „weniger ist mehr“ erzählen? Sie arbeiten abstrakt – finden Sie dort ebenfalls, dass „weniger mehr“ ist?

Die brandneue Werkgruppe „weniger ist mehr“ entstand 2017. In dieser Zeit habe ich ausschließlich am Rechner gearbeitet. Aber jeden Tag bis zu 12 Stunden am Rechner wurde mir einfach zu anstrengend und freudlos. Ein ungeheures Verlangen wieder im Atelier zu arbeiten trieb mich dazu. Aber es ging nur in der Nacht und ich musste mich in jeder Hinsicht reduzieren. Die Zeit war knapp, die Technik mußte einfach sein, die Formen und Farben wurden zurückgenommen, die Formate sollten klein sein. Also reduziert auf minimale Farben und Formen, aber spannende Komposition. Eine leise und einfache, jedoch konzentrierte und nachdrückliche Bildsprache schwebte mir vor. Je einfacher, klarer, präziser ein Bild gebaut ist umso höher liegt der Abstraktionsgrad. Dies gilt ganz Allgemein und besonders bei der Gruppe „weniger ist mehr“.

serie_2068_0f55e492365022483441b8dc07ce7f85

„wim“ 40, 2017, Acrylmalerei auf Leinwand, 50×40 cm

 

Welche Ausstellungen und künstlerische Etappen waren für Ihren Werdegang besonders prägend?

Bei den Ausstellungen waren es die im Museum für Lackkunst in Münster. Dann auch die in den Städtischen Sammlungen, Schweinfurt und der Städtischen Galerie Regensburg. Alle drei Ausstellungen mit Katalog. Nicht zu vergessen die Ausstellung mit dem Titel „Der harte Kern der Schönheit“ in der Galerie Rode und Lanfer in Hannover und in der Berliner THE ART SCOUTS GALLERY. Alle Phasen für den Werdegang waren gleich wichtig und prägend! Eine Etappe entwickelte sich aus der vorangegangenen und sind wie Glieder einer Lebenskette.

Die künstlerischen Etappen meiner frühen Papierarbeiten und Leinwände, an denen ich über 10 Jahre gemalt habe, die Druckgrafik (über dreißig Jahre habe ich in eigener Druckwerkstatt gearbeitet, ja geschuftet muß ich sagen. Während andere Leute an warmen Sonntagnachmittagen im Schwimmbad lagen, stand ich gebückt in der Ätzkammer über den mit Salpetersäure gefüllten Schalen u. kontrollierte den Ätzvorgang). Nach einem schweren Autounfall hatte ich nicht die Kraft an großformatigen farbdramatischen Bildern zu arbeiten und in diesen vier Jahren entstanden ausschließlich die figürlich-expressiven Zeichnungen. Das war die schwierigste Zeit meines Lebens. Aber auch die „Arbeiten in Lack“ waren besonders prägend, da ich mit diesen Bildern aus der informellen Kiste heraus sprang und eine neue Bildsprache erfand, die man als neue Abstraktion mit organischen, biomorphen, amöbenhaften, fließenden Formen und Strukturen umschreiben kann. Selbstverständlich auch mit der Gruppe „reale fiction“ (dies ist eine Wortschöpfung, aber kein Wortspiel), hier erfand ich eine spezielle Maltechnik, welche die Bilder verblüffend dreidimensional wirken läßt, obwohl sie faktisch ganz flach sind. Über ein dreiviertel Jahr Vorarbeiten, Versuche, Experimente waren dafür erforderlich.

Wie wollen Sie sich künstlerisch in den nächsten Jahren positionieren?

Ich werde mein Leben und meine Kunst sich einfach zwanglos entfalten lassen. Bisher habe ich mich immer selbst unter Druck gesetzt. Klingt ziemlich simpel. Ist jedoch eine schwierige Herausforderung für mich.

Welche Künstler bewundern Sie?

Na ja, als junger Mensch gab es natürlich viele von mir bewunderte Künstler. Aber mit der Zeit verblasst das. Heute ist es so, dass es manche Kollegen gibt die ich schätze, auch wenn ihre Bilder nichts mit meiner malerischen Welt zu tun haben. Im absoluten Mittelpunkt steht für mich nur mehr meine eigene künstlerische Arbeit und deren Entwicklung. Manchmal vergönne ich mir es, mich selbst zu bewundern.

 

1482_a9fdb0b31e519f14dec38622922804a4

real fiction 101 (Öl auf Leinwand), 2013, 30×40 cm

 

 

Johann Nußbächer auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/johann-nu%C3%9Fb%C3%A4cher-611

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.