Interviews

Garda Alexander im Interview mit Singulart

Können Sie sich kurz vorstellen? Wie kamen Sie zur Kunst?

Ich bin in Bayern geboren und auf dem Land aufgewachsen. In meiner Kindheitfaszinierten mich Gesichter und wie sie sich verändern. Das veranlasste mich dieArbeiter auf den Feldern zu zeichnen. In der Schule und später auf dem Gymnasiumhaben mich die Lehrer im Kunstunterricht sehr gefördert und mir mein Talentbewusst gemacht. Meine erste Ausstellung war mit Porträtzeichnungen kurz vor demAbitur. Meinen Eltern war es aus finanziellen Gründen nicht möglich mir einKunststudium zu finanzieren, so habe ich nach demAbiturabschluss erstmal Jobs angenommen, um Geld zu verdienen. Eine Reise nach Kolumbien führte michnach Popayan, wo ich Professoren der Akademie während einerAusstellungseröffnung kennenlernte. Durch diese Kontakte bekam ich Zutritt zur Kunstakademie. Ich habe ziemlich schnell die Chance ergriffen meine Kunststudium in Kolumbien zubeginnen, jedoch konnte ich aus familiären Gründen nur ein Jahr bleiben.

Sie haben einen vielseitigen professionellen Hintergrund – wie wirkt sich das aufIhre künstlerisches Schaffen aus?

Mein Kunststudium habe ich in verschiedenen Ländern absolviert, wie an der Academia de Bellas Artes in Kolumbien, an der Kunstgewerbeschule in Zürich und als Gaststudentin an der Akademie (School of Fine Arts & Design) in Bratislava beiProf. D. Fischer. Das hat mich beeinflusst, geprägt und mich zudem inverschiedenen Disziplinen geschult. Hier liegt wohl die Wurzel der Vielseitigkeitmeiner Werkgruppen, wie auch in der Verwendung der Materialien und Techniken.Das Studium in Kolumbien musste ich abbrechen, da mein Vater schwer erkrankte –ich kehrte nach Deutschland zurück. Nach dem Tod meines Vaters haben mich vieleFragen beschäftigt und ich wollte alles über den menschlichen Körper wissen. Daswar der Grund meines Medizinstudiums. Fasziniert hat mich vor allem das Sezieren Toter, so wie Pathologie und Physiologie. Den Weg der klassischen Medizin habe ichabgebrochen, jedoch das Studium in Naturmedizin abgeschlossen (Heilpraktiker). Anschließend habe ich mich voll und ganz dem Weg der Kunst zugewandt. DasThema Mensch und die Faszination des menschlichen Körpers spielt bis heute eineRolle in meinem Werk (Werkgruppe in Malerei und Skulptur: Substance/ Substanceof existence, Inner lifes).

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Track – the direction you follow is full of mystery, mixed media, 2017, Acryl auf Leinwand, 150×170 cm

Welche Thematiken greifen Sie in Ihren Arbeiten auf und welche Ideen vertretenSie?

Ein weiteres Thema, welchesin meiner künstlerischen Arbeit bedeutend ist = Farbeund Licht. In der Werkgruppe „Energy field“ fasziniert mich die Wahrnehmung derFarbe über die Lichtreflexion auf der Bildoberfläche. Die Farbe wird durchnatürlichen, wie künstlichen veränderten Lichteinfall ständig neu wahr genommen.Diese Werke bestehen aus einem Bildkörper – verschiedenen Schichten Farbe trageich lasierend auf mit feinen Übergängen auf einer feinen Sandstruktur als Grundlage.„Dies ist, wenn ich die Farben höre“.In der Werkgruppe Lichtobjekte verwende ich das Licht als Medium – ein Spiel vonFarbe, Form und Licht. Die Objekte habe ich auf wenige Symbole und Farbenreduziert. „Man kann Töne sehen, Farben hören und das Licht auf der Haut spüren“.In meiner Welt versuche ich über meine Werke neue Türen der Wahrnehmung für dieBetrachter zu öffnen.Grundsätzlich interessieren mich Materialien und Techniken ästhetisch einzusetzenoder anzuwenden und so diverse Themen in Werke zu transformieren, sei es überMalerei oder Skulptur.

Malerei, Skulptur, Rauminstallationen – Sie verwenden zahlreiche Medien, um sichauszudrücken. Welches Medium sagt Ihnen am meisten zu und welches fordert Sie
am ehesten heraus?

Jedes Medium, welches ich verwende fasziniert mich in der Anwendung. Oft liegt esim Prozess der Arbeit, welches ich verwende – es sind intuitive Prozesse, dieschwierig sind in Worte zu fassen. In der freien künstlerischen Arbeit ist die größteHerausforderung sich auszuklinken, zu fließen, sich tragen zu lassen von der reinenIdee und dem Tun. Das ist ein unheimlich erfüllender Prozess – fast so als ob eineandere Energie einem lenkt und führt. Vielleicht kann man es am Besten sobeschreiben: Aufhören zu denken, einfach sein und tun. Das nenne ich die wahrekreative Kraft, die auch ins Werk fliesst. Und die beste Anerkennung dafür ist, wennder Markt diese Werke aufgreift und das geschaffene Werk Menschen/ Käuferbereichert, inspiriert oder neue Horizonte öffnet.Im Auftragsbereich ist ein anderer Prozess fordernd. Im Vordergrund steht derAuftrag, die gegebene Aufgabe und dies bestmöglichst zu erfüllen. Das bedingt einegute Wahrnehmung, Klarheit und einen anderen Arbeitsprozess. Zuerst bestimmt eine allgemeine Analyse die Arbeit, um später in den kreativen Prozess eintauchen zukönnen. Ich spreche hier von Farbkonzepten im Auftrag für Private und im Business.Für Auftragsarbeiten von Werken aus meinen Werkgruppen in bestimmten Massenoder für besondere Orte bedinge ich mir genügend Zeit, da es sein kann, dass ich ineiner anderen Werkgruppe stecke und mich erstmals in das Thema einstimmenmuss, um es auszuführen.Grundsätzlich entwickeln sich meine Werkgruppen stetig weiter – und je nachProzess entstehen Neue.

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Track – Der Adler, 2014, Acryl, Bleistift auf Papier, 31×38 cm

Wie hat sich Ihr Werk über die Jahre hinweg entwickelt hin zu dem, das es jetztist?

Genau, was ich gerade erwähnte: Ich entwickle meine Werkgruppen weiter. Icharbeite an einem Thema, dann wieder an einem Anderen, es ist nicht abgeschlossen.Wie das Leben oder die Natur: ständig in Veränderung. Man kann es so beschreiben: Ich finde immer wieder neue Perspektiven ein Thema neu zu sehen oder zubetrachten und somit entwickelt sich mein Werk stetig weiter.Zum Beispiel Thema Substance: Mensch/ Körper. Ich habe mit anatomischenZeichnungen begonnen. In der Zeichnung sieht man einen Abstraktionsprozess zueiner Form. Diese Form habe ich in der Malerei weiter verwendet. Jahre später habeich das Thema neu aufgenommen und über die Zeichnungen Graphiken realisiert.Die Skulpturen entstanden fast parallel (substance of existence, Knochenskulpturen,wo die Thematik der Vergänglichkeit in den Vordergrund rückte – siehe PublikationSeeds & Bones 0.03).

Erzählen Sie uns etwas über die Hintergründe und den Schaffensprozess von“Love&Gender“?

Dieses Thema ist relativ neu in meiner künstlerischen Arbeit. Obwohl ich sagenmuss, dass ich viele Freundschaften in der LGBT Community habe und ich michschon allein deswegen seit Jahren mit der Thematik auseinander setze.Homosexualität wird allgemein als ein politisches Thema diskutiert – gemäß meinerAuffassung sollte es in der Freiheit des Einzelnen liegen, welche Form derBeziehung er/ sie wählt und lebt, genau so wie er/ sie seine Sexualität auslebt(solange Niemandem Leid zugefügt wird und es gegen seinen/ ihren Willen ist). Homosexualität ist, was es ist.Letztes Jahr wurde ich an eine Gruppenausstellung in Edinburgh (GB) eingeladen,„QueerPop“ und speziell dafür habe ich eine Zeichenserie realisiert, so wie einelimitierte Edition von jeder Zeichnung anfertigen lassen, Auflage 10/10.Die Darstellung zeigt homosexuelle Paare – auf natürliche Art und Weise, wie andereLiebespaare auch. Figurative Zeichnungen (so wie in frühen Jahren…)eingebettet in Farb-Formen auf Büttenpapier.Dieses Thema werde ich sicher auch weiter bearbeiten… work in progress.

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„Homosexuality is waht it is“, Robert and Michael in heaven on honeymoon, limited edition 10/10, 2017, 21×30 cm

Das Profil der Künstlerin auf Singulart:https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/garda-alexander-1025

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