Interviews

Danny Frede im Gespräch: "Kunst ohne Thema ist Dekoration."

Wie kamst du zur Kunst ?

Mein erstes Bild an das ich mich erinnere, habe ich mit 4 im Kindergarten gemalt. Mit 17 habe ich an ersten Kunstwettbewerben teilgenommen. Zu dieser Zeit wurden dann die ersten Bilder von mir ausgestellt. Irgendwo dazwischen war wohl dieser Moment, an dem ich zur Kunst gekommen bin. Später habe ich dann als freiberuflicher Grafiker und Fotograf gearbeitet. Also auch künstlerisch, aber für Geld. Seit 2015 habe ich nun dauerhaft mein eigenes Atelier und mache fast nur noch freie Arbeiten.

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Serial Rectangles, 2017, Acryl, Öl auf Leinwand, 180 x 140 cm

Woher nimmst du deine Kreativität und woher kommen deine Inspirationen?

Der Begriff der Inspiration ist mir bis heute supekt geblieben. Meines Erachtens entsteht Kunst nicht aus dem Nichts, sondern ist das Ergebnis eigener Erfahrungen.

Wenn man diesem Prozess dann den künstlerischen Raum und Zeit gibt, ensteht das, was daraus enstehen muss. Also nicht als Schicksalsbegriff, sondern aus der Summe der Dinge des eigenen Erlebens. Das wichtigste an Kreativität ist, ihr auch Platz einzuräumen und zu machen. Der Rest kommt dann schon, wenn man sich inhaltlich sicher ist, wie man ein Thema bearbeiten möchte.

Serial Rectangles, 2016, Acryl, Pigmente auf Leinwand, 40 x 40 cm

Gibt es Techniken, mit denen du gerne einmal experimentieren wollen würdest?

Das was ich möchte, probiere ich in der Regel auch, bis ich irgendwelche technischen Grenzen stoße. Im Moment arbeite ich relativ groß und merke, dass ich bei meinen neuesten Werken, die vier Meter hoch und breit sind bald eine höhere Decke brauche. Ansonsten beschäftige ich mich ja zur Zeit mit den Möglichkeiten das digitale wieder ins Analoge zu führen. Einerseits imemr noch mit den seriellen Rechtecken, in meinem neuesten Projekt malen Haushaltsroboter großformatige Bilder. Ohne weitere Manipulationen fahren dort selbstfahrende Staubsauger auf mit Farbe präparierte Leinwände. Bis die Batterieladung aufgebraucht ist, entstehen auf diese Weise Fahrtwege, Muster und letztendlich ein abstraktes Bild. Am Ende blickt man dann auf eigenständige, nicht reproduzierbare Arbeiten, die über ihre ästhetische Qualität hinaus einen Beitrag zum aktuellen Diskurs rundum „artificial intelligence“ liefern. Denn der gesellschaftliche Wert eines automatischen Staubsaugers liegt irgendwo zwischen selbstfahrendem Auto und Sandwichtoaster, zwischen Erleichterung des Alltags und weiterem überflüssigen Haushaltsgerät.​

Anders als die Malmaschinen Jean Tinguelys dienen die fabrikfertigen Apparaturen jedoch nicht der Belustigung, sondern sind das Outsourcing des künstlerischen Handwerks an einen zweckentfremdeten Algorithmus. Sie sind eigenwilliges „readymade“ im Sinne Marcel Duchamps, aber in Fortführung der Warholschen Factory-Tradition nicht Teil des Kunstwerks, sondern „bloß“ die Ausführenden der Kunst.

Durch den gleichzeitigen Einsatz mehrere Geräte durchbricht das Ganze nicht nur den vorgegebenen Zweck der Maschine, sondern auch die vorgesehene Logik ihrer Bewegungen im Raum, die sich durch Interaktion mit den Artgenossen immer wieder verändert, aufhängt und neu konfiguriert. Die künstliche Intelligenz löscht im Schwarm den von ihr gemerkten Raum wieder aus, bis nur noch ein Chaos aus unentwirrbaren (Farb-)Spuren übrig bleibt.

Serial Rectangles gold, 2016, Acryl, Öl auf Leinwand, 100 x 60 cm

Wie gehst du vor, wenn du an einem neuen Werk arbeitest?

Das wichtigste für mich nach einer Idee oder einem Plan, ist mich zu beeilen es schnellstmöglich zu beginnen.
Entweder es wird dann was Vorzeigbares heraus und kann zu einem Projekt ausgearbeitet werden oder es verschwindet wieder. Es wird gelöscht.

Serial Rectangles silverblue, 2015, Acryl, Pigmente auf Leinwand, 180 x 50 cm

In welcher Weise sollte Kunst Teil der Gesellschaft sein?

Kunst muss ein Teil der Gesellschaft sein. Und sie muss in ihr relevant sein. Kunst ohne Thema ist Dekoration.

Danny Frede auf Singulart:https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/danny-frede-1336

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