Wieso sind Sie Künstlerin geworden und wie kamen Sie zur Kunst?

 

Frage eins und zwei muss ich gemeinsam beantworten, das kann ich nicht trennen:  Ich glaube, die Kunst ist vielmehr zu mir gekommen, nicht umgekehrt. Das klingt ein bisschen esoterisch, aber bei den vielen Wegen, die mein Leben hätte gehen können, bin ich immer wieder zurückgekehrt zu meinen Anfängen, zu der Freude am Zeichnen, dem Erfinden von Geschichten… Ich halte das mehr für Bestimmung, der ich nur zu gerne gefolgt bin.

 

Female Artist – Penis Envy, 2016 , Acryl auf Leinwand, 80 x 120 cm

 

Die Gesichter, die ich zeichne und male, entwickle ich so gesehen seit mehr als vierzig Jahren. Ein Stil, der in meiner Kindheit sehr durch Zeichentrickfilme geprägt wurde. Dann später war das Aufkommen von Musikvideos wie das Eintauchen in eine neue Welt. Ich habe begonnen, meine gezeichneten Geschichten zu Musik zu gestalten, wie ein Regisseur eines Musikvideos, sind meine Mini-Portraits mit ganz einfachem Kugelschreiber über unzählige Stapel von Papier geflitzt, immer zu einem Lied. Ich habe mir zum Beispiel eine ganze Kassette (!) mit einem Lied von Prince bespielt, damit ich lange Gelegenheit habe, mich meiner selbst erfunden Geschichte zu widmen. Und im Grunde mache ich heute nichts anderes 😊, nur dass ich meine Geschichte nun auf Leinwand bringe, in nur einer einzigen Sequenz: Das ist eine Herausforderung.

 

Mir persönlich reicht oft ein Portrait, ein Blick, um mir eine ganze Welt herum zu konstruieren, um eine Emotion auszudrücken. Und das soll die Kunst für mich können: Unter die Haut gehen, etwas auslösen, hineinfallen in eine andere, in eine neue Welt.

 

Wie würden Sie Ihre Kunst beschreiben?

 

Da ich in Bildern denke, nicht in Worten, fällt es mir schwer, die Malerei in etwas anders zu übersetzen als sie ist: Geschichte in Bildern. Leben in Bildern. Alles, was mit umgibt, alles, was mich bewegt, wird auch gemalt. Meine emotionale Biographie könnte man auch in meinen Bildern erzählen.

 

RESPECT! 2016, Acryl auf Leinwand, 140 x 140 cm

 

Meine Malerei ist sehr zeitgenössisch, spricht die Sprache ihrer Zeit.

 

Kunst DARF auch schön sein und muss nicht zwingend provozierend oder hässlich sein, um sich Kunst nennen zu dürfen. Schon die ältesten Kulturen empfanden Schönheit als ein Geschenk der Götter. Und ich empfinde meinen Weg als ein Geschenk der Götter… daher kann ich nichts anders tun, als mich mit meiner Arbeit dafür zu bedanken.

 

…and who are you? 2016, Acryl auf Leinwand, 70 x 80 cm

 

Welche Ideen vertreten Sie in Ihrer Kunst?

 

Ich beschäftige mich mit den Themen der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, mit menschlichen Beziehungen, mit gesellschaftlichen Normen und Zwängen, mit dem Umgang mit Zeit, die uns durch die Finger rinnt… Also sehr alltägliche, sehr menschliche Themen, aber dargestellt nicht ohne Selbstironie und Augenzwinkern.

 

Zurückkommend auf das vorhin gesagte, dass Kunst auch schön sein darf; finde ich auch, dass Kunst auch leicht und lustig sein darf. Sie darf alles, denn sie kommt aus dem Leben, von Menschen, die Kinder ihrer Zeit sind.

 

Kunst ist keine Blase im luftleeren Raum, die man schwerfällig mit irgendwelchen Konstrukten füllen muss, Kunst ist für mich eine Form, gelebtes Leben auszudrücken.

 

Monster (oder „Jetzt will sie Kinder auch noch“), 2015, Acryl auf Leinwand, 100 x 120 cm

 

Wie kann man sich Ihr Atelier vorstellen?

 

Ich kann mir mein Atelier wundervoll vorstellen 😉 In Realität ist es in Süditalien, wo ich hauptsächlich lebe, ein Raum in einem schlecht isolierten Landhaus, welches sich unter riesigen Pinien befindet, die verhindern, dass ich vor Hitze umkomme im Sommer.

 

Yeah, finally summer is coming! 2014, Acryl auf Leinwand, 130 x 100 cm

 

Ein schlichter Raum, vollgestopft mit Farben, Werkzeugen zum Leinwandspannen und Kisten, wackeligen Tischen und farbbekleckerten Teppichen. Aber das Haus steht in einem riesigen Garten: Ein wildes Paradies aus Orangen-, Zitronen- und Avocado Bäumen, ein Exil zum Arbeiten für mehrere Monate im Jahr. Das Meer ist nur wenige Minuten entfernt. Seit einigen Jahren arbeite ich hier und es hat meine Malerei insofern beeinflusst, dass die Natur immer mehr miteinbezogen wird in meine Bildern.

 

Aber so ist das: Keine Kunst ohne Leben, kein Leben ohne Kunst.

 

Petra Kaindel auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/petra-kaindel-885

 

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