Wie gehen Sie vor, wenn Sie an einem neuen Werk arbeiten?

 

Am Anfang steht die pure Malerei, die befreite Farbe kann sich ohne besonderes Ziel auf dem Bildträger
anordnen, ineinander verlaufen. Diesen informellen Prozess verfolgen wir, bis sich ein uns beide zufrieden stellender Zustand einstellt. Nun ist die malerische Qualität erreicht und eine räumliche Idee vorhanden, um mit der Auswahl der Motive zu beginnen. Der Prozess verändert sich nun, es wird jeder Schritt besprochen und die Möglichkeiten werden so ausgelotet.

 

Lügenbaron, 2014, Tempera auf Leinwand, 40 x 38 cm

 

Mit einer abschließenden Skizze wird der malerische Prozess
der Umsetzung des Motivs eingeleitet. Nun beginnt die Transformation von Realität in Malerei. Je näher
wir dem Ziel kommen umso mehr schränken sich die Möglichkeiten ein. Die gemeinschaftliche Arbeit
ist von gegenseitigem Vertrauen, Toleranz und der Fähigkeit individuelle Grenzen jederzeit zu überwinden geprägt. Durch diese Arbeitsweise sind wir in der Lage, Ergebnisse zu realisieren, die wir in unserer individuellen Arbeit nicht erreichen könnten.

 

Harmoniefalle 2, 2010, Tempera auf Leinwand, 100 x 80 cm

 

Wie wollen Sie sich in den kommenden Jahren künstlerisch weiterentwickeln?

 

Wir haben keine konkretes Ziel für die nächsten Jahre, es gibt jedoch einige Vorstellungen, die wir gern
umsetzen würden: einmal im Jahr würden wir gern eine unbestimmte Zeit an einem anderen Platz arbeiten
und dort besondere Projekte entwickeln. Wir haben oft drüber gesprochen, das unsere Bilder noch stärker
heterogen sein sollten – es könnten somit fragmentarische und/oder Collage-Elemente eingeführt werden.
Und am Ende sollte das nächste Bild natürlich am liebsten immer ein Fortschritt zu allem sein, was ihm vorausgegangen ist.

 

Big Business, 2016, Tempera auf Leinwand, 80 x 80 cm

 

Wie kann man sich Ihr Atelier vorstellen?

 

Es ist eine helle, 3,5m hohe Büroetage. Die verschiedenen Arbeitsplätze sind lediglich durch mobile
Regale und Leinwände abgetrennt. Es gibt eine kleine Küche um uns und Ateliergäste zu versorgen.
So können wir auch in unregelmäßigen Abständen ein offenes Atelier veranstalten oder einfach in unsere „Kunstküche“ einladen.

 

Wohlfühlort, 2018, Tempera auf Leinwand, 100 x 100 cm

 

In welcher Weise sollte Kunst Teil der Gesellschaft sein?

 

Kunst soll das menschliche Tun kritisch hinterfragen, die gesellschaftlichen Strukturen widerspiegeln und das Besondere, die Schönheit und Widersprüchlichkeit des jeweiligen Zeitalters dokumentieren. Die Kunst soll die Gesellschaft begleiten, sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zum Denken anregen. Kunst sollte die größtmögliche Freiheit haben, sich fortwährend in Frage stellen und mit ihren Visionen und Utopien den Menschen zum kritischen, progressiven und toleranten Handeln inspirieren. Kunst soll aber auch das Sinnliche und die reine Schönheit manifestieren. Kunst kann den Betrachter zum Träumen bringen. Kunst kann eine Insel sein…

 

words don’t come easy, 2017, Tempera auf Leinwand, 80 x 120 cm

 

Annette Reichardt & Stewens Ragone auf Singulart: https://www.singulart.com/de/k%C3%BCnstler/annette-reichardt-stewens-ragone-922

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