Kunstgeschichte,  Kunstwerke unter der Lupe

Campbell‘s Soup Cans von Andy Warhol

1962 schuf Andy Warhol die Reihe Campbell‘s Soup Cans und präsentierte sie in seiner ersten Einzelausstellung in der Ferus Gallery in New York. Insgesamt 32 handgemalte, unterschiedlich beschriftete Suppendosen auf Leinwand bekamen als Kunstwerke einen Platz im Rampenlicht. Was heute nicht weiter verwundert, doch 1962 steckte die Pop Art noch in den Kinderschuhen. Bis dahin war es undenkbar, abgebildete Blechdosen in einer Galerie zu bewundern. Die Ausstellung dieser innovativen Werke stellte ein historisches Ereignis in der Kunstwelt dar.

Pop Art: ein Produkt des Konsums

Das Werk, wie wir es heute kennen, sah vor 56 Jahren etwas anders aus. Für ihre erste öffentliche Ausstellung am 9. Juli 1962 wurden die 32 Bilder in einer horizontalen Linie angeordnet. Eine Dose nach der anderen, wie sie im Supermarktregal stehen würden. Pop Art war nicht mehr aufzuhalten. Warhol brachte Konsumgüter in die Welt der Galerien, ohne ihren tatsächlichen Marktwert künstlerisch zu beschönigen oder zu verschleiern. Seine Werke entsprachen der Definition von Pop Art, wie sie der britische Künstler Richard Hamilton 1957 in einem Brief beschrieben hatte: „Pop Art ist: populär, flüchtig, überflüssig, mit geringen Kosten verbunden, massenproduziert, jung, witzig, sexy, voller Tricks, glamourös und Big Business.“

„Ich möchte eine Maschine sein“

Andy Warhol schuf seine Werke passenderweise in einer Fabrik, seinem Atelier, das er „The Factory“ nannte. Und er war eine Maschine. Für Campbell‘s Soup Cans verwendete er eine Produktionstechnik der Werbebranche, den Siebdruck. Dabei wird ein industrielles Motiv reproduziert und in aufeinanderfolgenden Motiven wiederholt. Als Perfektionist zählte für Warhol jedes Detail, er überließ nichts dem Zufall. Aus der Weite betrachtet, sehen Campbell‘s Soup Cans wie 32 identische Blechdosen aus. Tatsächlich sind alle 32 von Hand beschriftet und einzigartig. Warhol verlieh der Tomatensuppe einen anderen Geschmack, von Rindfleisch über schwarze Bohnen bis zu Zwiebelsuppe.

Suppe in Regenbogenfarben

Fünf Jahre, nachdem er die industriellen Suppendosen gemalt hatte, ging Warhol einen Schritt weiter und verlieh ihnen Farbe: blau, grün, gelb, violett. Schriftzüge und Grundfarben der Dosen wurden zu einer neuen harmonischen Reihe. Mit diesen 19 Bildern prägte Warhol sein künstlerisches Markenzeichen, erneuerte die Prozesse der Kunst und führte den Star der Pop Art ein: die polychrome Serie.

Campbell‘s Soup: eine reale Marke

Warhol behauptete, er wäre Dauerkonsument von Campbell‘s Soup: eine zum Mittagessen jeden Tag, und das über zwanzig Jahre hinweg. Wiederholung schreckte ihn nicht ab, „immer und immer wieder dasselbe“ war genau das Richtige. Konsum war und ist das Herzstück der amerikanischen Gesellschaft, doch Industriegütern der breiten Masse war damals der Zutritt zu Museen noch verwehrt. Und genau das wollte Warhol: den realen Massenkonsum in die Kunst einführen. Um die Welt um ihn herum widerzuspiegeln, verwendete er Fotos aus der Werbung, von Prominenten und aus Comics. So trifft der tatsächliche Slogan der Marke Campbell’s Soup auch auf Pop Art zu: „Made for Real, Real Life.“

Andy Warhol

Eine Kindheitserinnerung

In einem Interview mit dem Magazin The Face erzählte Andy Warhol einmal, seine Mutter habe Blechdosen als Vasen für Blumensträuße verwendet. Der Gedanke liegt also nahe, dass seine Werkreihen mit Dosen auch eine Hommage an diese Erinnerung aus seiner Kindheit darstellen. Andrew Warhola war der jüngste Sohn von Eltern, die aus dem Nordosten der heutigen Slowakei in die USA eingewandert waren. Schon von klein auf kreativ, wurde er von seinen Eltern unterstützt, so gut es ihnen trotz fehlender finanzieller Mittel möglich war. Eine Blechdose mag für die einen der Inbegriff eines Wegwerfprodukts des täglichen Bedarfs sein und für jemand anderen eine Blumenvase.

Die Schönheit einer Blechdose

Warhol malte die Reihe Campbell‘s Soup Cans von Hand. Er verwendete zwar Siebdruck, aber auch Farbe. Er spielte mit den Regeln der Kunst, um sie besser ausnutzen zu können, aber auch, um die Dinge besser zu sehen. So sagte Warhol einmal: „Alle Dinge besitzen ihre Schönheit, aber nicht jeder weiß, wie man sie erkennt.“ Warhol hatte etwas von einem Poeten an sich. Eine Blechdose kann zu einer Vase mit Blumen werden, ein Markenlogo kann sorgfältig und behutsam mit einem Pinsel gemalt werden. Und eine Suppendose der Massenindustrie kann zu einer künstlerischen Ikone werden – zur Ikone der Pop Art.

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