Können Sie sich uns kurz vorstellen?

 

1972 im österreichischen Lustenau geboren und dort aufgewachsen, zog es mich mit Anfang 20 beruflich erstmals ins Ausland, genauer ins Fürstentum Liechtenstein. Dort war ich für mehrere Jahre für eine renommierte Kunstgalerie tätig, was meine Neugier und Leidenschaft für Kunst durch die Vermehrung des Wissens auf diesem Gebiet vertieft hat. Trotz fortlaufender beruflicher Tätigkeit hat der Drang, mich künstlerisch auszudrücken, immer mehr Überhand gewonnen, bis ich schließlich aufgrund steigender Auftragslage meinen kaufmännischen Beruf endgültig an den Nagel hing, um mich mit Haut und Haar der Kunst zu verschreiben und in meinem eigenen Atelier zu arbeiten.

 

flat jack „tom waits (for me)“, 2015, acryl, papier, gewebe auf leinwand, gepolstert, 90 x 90 x 40 cm

 

Wieso sind Sie Künstler geworden?

 

Ich glaube, Künstler zu sein, ist keine Entscheidung, die man einfach trifft. Man ist es – oder ist es nicht. Kreativität ist nichts, das man lernen kann oder das plötzlich da ist. Sich mit Kunst auseinanderzusetzen sowie künstlerisch tätig zu sein, ist ein lebenslanger, geistiger Prozess. Es ist wohl das, was ich tun muss – und will. Da gibt es kein Zurück.

 

flat jack „das schlimmste kommt noch“, 2014, acryl, strickgewebe auf leinwand, gepolstert, 50 x 50 x 30 cm

 

Woher nehmen Sie Ihre Kreativität und woher kommen Ihre Inspirationen?

 

Was mich antreibt, ist die schiere Lust am Material, am Experiment und am Spürbarmachen von Abgründen. Dabei ist mir „nur schön“ zu wenig. Alles Schöne birgt ein Geheimnis, das bewahrt werden will – ich lasse es erahnen und hüte mich, dieses gänzlich offenzulegen. Der Betrachter soll auf seiner Suche nach einer Erklärung abgleiten, provoziert und irritiert werden.

 

Inspiriert werde ich durch das, was mich umgibt, was durch Augen, Ohren, Bauch und Herz auf mich einwirkt – gefiltert durch meine eigene Wahrnehmung verarbeite ich Erlebtes, Erinnerungen, Zukünftiges, Gegenwärtiges, setzte mich dabei auch mit Musik, Literatur, Klischee, Religion, Gesellschaft, Legenden und Ikonen auseinander. Um alle meine Ideen umsetzen zu können, müsste ich wohl einige hundert Jahre alt werden.

 

newton „time to travel“, 2014, acryl, gewebe auf leinwand, 90 x 75 x 10 cm

 

Welche Techniken benutzen Sie?

 

Auf eine Technik kann ich mich nicht festlegen – vielmehr nehme ich mir die Freiheit, die Richtung zu wechseln und verschiedene Techniken und Verfahren auszuleben. Nichtsdestotrotz gibt es „rote Fäden“ – durch Vielschichtigkeit, Verletzung der Oberflächen und bewusste Verschleierung erreiche ich eine Verfremdung des Lesbaren, erzeuge verwandelte Wirklichkeiten. Neben der Farbe kommen verschiedenste Materialien zum Einsatz (Gewebearten, Collage-Elemente, Strukturmittel). Viele Arbeiten wachsen von der Wand in den Raum, sind Körper. Farbe und Form stehen im Vordergrund, genügen sich selbst.

 

Das scheinbar Unperfekte sehe ich als zutiefst mächtiges Element für die Entstehung des Eigenlebens eines Werkes, seiner Magie.

 

„innocence lost“, 2017, acryl, collage, kunstharz auf leinwand, 40 x 40 cm

 

Wie wollen Sie sich in den kommenden Jahren künstlerisch weiterentwickeln?

 

Derzeit arbeite ich an der Weiterführung verschiedener Werkgruppen (newton, flat jack). Parallel dazu entsteht viel Neues, außergewöhnliche Materialien werden zweckentfremdet und müssen für zahlreiche Ideen und Konzepte herhalten – es bleibt spannend.

 

Silke Hagen auf Singulart: https://www.singulart.com/en/artist/silke-hagen-1320

 

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