Kunstgeschichte,  Kunstwerke unter der Lupe

Impression, Sonnenaufgang von Claude Monet

„Impression, Sonnenaufgang“ ist zweifelsohne das berühmteste Gemälde von Claude Monet und zugleich das Werk, das der Stilrichtung Impressionismus ihren Namen gab. Das 1872 entstandene Bild zeigt den Hafen von Le Havre und nimmt einen wichtigen Platz in der Kunstgeschichte ein.

Beginn des Impressionismus

Der französische Maler Claude Monet (1840 – 1926) war einer der Begründer des Impressionismus. Zusammen mit befreundeten Künstlern wie Alfred Sisley, Camille Pissarro, Pierre Auguste Renoir und vielen anderen war er an der Entstehung dieser anti-akademischen Bewegung Mitte der 1870er Jahre beteiligt. Die Wahl der Themen, die sichtbare Pinselführung, die Flüchtigkeit der Malerei unter freiem Himmel und zahlreiche andere Merkmale dieser Stilrichtung brachen mit den damaligen Regeln der klassischen Malerei und schockierten die Kunstkritiker der Zeit. Doch der Impressionismus und Monet als sein berühmtester Vertreter waren dabei, nach und nach eine ganze Generation neuer Künstler zu beeinflussen.

Claude Monet malte dieses Werk von einem hochgelegenen Hotelfenster aus und wollte es ursprünglich „Ansicht von Le Havre“ nennen. Doch für die Gruppenausstellung der „Société anonyme des artistes peintres, sculpteurs et graveurs“ im Frühjahr 1874 änderte er den Titel, der für das skizzenhafte Gemälde als unpassend angesehen wurde: „Ich sollte einen Titel für den Katalog angeben; da ich das Bild schlecht ‚Ansicht von Le Havre‘ nennen konnte, sagte ich: ‚Nennen Sie es Impression.‘“

„Impression, Sonnenaufgang“ ist kein Gemälde wie andere: Es hat dem Impressionismus seinen Namen gegeben. Die Geschichte dazu wird auch heute noch oft unter Kunstkritikern erzählt, die speziell zur Zeit Monets Karrieren entstehen ließen oder beendeten, ob absichtlich oder nicht. Es war Louis Leroy, Kritiker für „Le Charivari“, der 1874 einen spöttischen Artikel über diese erste Ausstellung zukünftiger Impressionisten verfasste. Leroy war besonders das Gemälde Monets ins Auge gestochen, wozu er unter der Überschrift seines Artikels – „Ausstellung der Impressionisten“ – meinte: „Eine Tapete im Urzustand ist ausgearbeiteter als dieses Seestück.“ Der zunächst sarkastische Spitzname „Impressionisten“ für Maler, deren Werke einen nicht unbedingt guten Eindruck hinterließen, sondern nur eine flüchtige Impression, wurde von da an auch von anderen Journalisten und Kritikern für die Bewegung rund um Monet verwendet.

3 Details des Gemäldes

Die aufgehende Sonne

Die Sonne steht im Mittelpunkt der Komposition, die sich durch ihre warmen Farben und Schärfe inmitten der kalten und nebeligen Hafenatmosphäre abzeichnet. Über diese glühende Sonne wurde viel geschrieben. Kunsthistoriker haben eingehend diskutiert, ob der Titel des Gemäldes denn auch richtig sei: Zeigt das Gemälde wirklich einen Sonnenaufgang oder vielleicht doch einen Sonnenuntergang? 2014 veröffentlichte das Musée Marmottan Monet in Paris, in dem das Gemälde ausgestellt ist, eine umfangreiche Studie zur Datierung des Werkes. Dank der Untersuchung von topografischen Daten wie Gezeiten, meteorologischen und astronomischen Aufzeichnungen ist es sicher, dass Monets Gemälde tatsächlich die aufgehende Sonne zeigt. Die Nachforschungen führten sogar zu einem konkreten Datum, wann es am wahrscheinlichsten war, dass Monet den Hafen von Le Havre so gesehen hatte: am 13. November 1872 um 7:35 Uhr, 30 Minuten nach Tagesanbruch. Claude Monet malte dieses Werk innerhalb weniger Stunden in seinem Hotelzimmer am Quai de Southampton, ohne ahnen zu können, dass es einen wirklichen Wendepunkt in der Kunstgeschichte darstellen würde.

Der Industriehafen

Claude Monet ist in Le Havre aufgewachsen; es ist eine Landschaft, die er gut kannte. Der Hafen war eines der Lieblingssujets des Malers, eine authentische Repräsentation der damals noch sehr jungen industriellen Revolution, die viele Künstler faszinierte. Monet war nicht der Erste, der die Sonnenaufgänge und -untergänge in dieser Stadt malte. Er wurde von Werken von William Turner inspiriert, selbst ebenfalls ein Wegbereiter der modernen Kunst. Für „Impression, Sonnenaufgang“ zögerte Monet nicht, sich gegen die sonst gängige Kulisse der Klippen oder eines Strandes zu entscheiden und stattdessen einen industriellen Hafen zu wählen. Der Rauch der Schornsteine verschleiert das Licht der aufgehenden Sonne, verändert Atmosphäre und Farben und vermittelt den Eindruck eines Londoner Nebels. Im Hintergrund sind rauchende Fabrikschornsteine oder Dampfschiffe zu sehen, Masten von Segelbooten und weiter rechts die für Docks typischen Kräne. Die Szene zeigt also einen alltäglichen, geschäftigen Hafen in der Morgendämmerung, wie er für die stetige Entwicklung des Seehandels in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts charakteristisch war.

Der impressionistische Pinselstrich

Louis Leroy, der Kunstkritiker, der den Impressionisten den Namen gab, machte sich mit seinem Vergleich mit einem Stück Tapete über Monets schnelle Pinselführung lustig, die der Leinwand einen unvollendeten Ausdruck verleiht. Die Kunst der Zeit drehte sich um Sujets der Mythologie, wobei die Grenzen des neoklassischen Akademismus respektiert werden mussten. Die für den Impressionismus typische Maltechnik war also für die damalige Kunst ein neuer, verblüffender Ansatz. Die Impressionisten selbst malen meist im Freien und relativ schnell. Die Farben sind also kaum gemischt und dicht nebeneinander aufgetragen. Im unteren Teil der Leinwand, der von der Wasseroberfläche eingenommen wird, verwendete Monet deutliche, akzentuierte Pinselstriche, um die Bewegung des Wassers und seiner Reflexionen darzustellen. Diese Art des Malens auf Leinwand war revolutionär und deutete bereits auf den Pointillismus hin, den Georges Seurat dann zehn Jahre später als Stilrichtung prägen sollte.

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