10 wissenswerte Dinge über Yayoi Kusama

 

Die 1929 in Japan geborene Künstlerin Yayoi Kusama schaffte 2014, was kaum jemandem zu Lebzeiten gelingt: Ihre Retrospektive „Infinite Obsession“ wurde allein in Mittel- und Südamerika von mehr als zwei Millionen Besuchern gesehen. Weltweit zog sie mehr Besucher in Ausstellungen als jeder andere, was sie zum „Beliebtesten Künstler des Jahres 2014“ machte. Sie begeistert nach wie vor mit ihren psychedelisch anmutenden Werken in einem einzigartigen Stil, die unsere Vorstellungen von Raum und Realität durcheinanderbringen. Nun also zehn wissenswerte Dinge rund um die Grand Dame der Polka Dots.

 

1. Kusamas Werke basieren oft auf Halluzinationen

 

Kusama litt schon von klein auf an psychischen Erkrankungen. Im Alter von zehn Jahren stellten sich die ersten Halluzinationen ein. „Ich sah auf das rote Muster der Tischdecke, als ich aufblickte, bedeckte dasselbe rote Muster die Decke, die Fenster und die Wände und schließlich den ganzen Raum, meinen Körper und das Universum. Ich begann mich selbst aufzulösen und fand mich in der Unbegrenztheit von nicht endender Zeit und in der Absolutheit der Fläche wieder. Ich reduzierte mich auf ein absolutes Nichts.“ Diese immer wieder auftretenden Halluzinationen sollten später in Form von Punkten und Mustern ihre Kunst prägen.

 

2. Yayoi Kusama ist die berühmteste Künstlerin der Welt

 

Nach wie vor stehen Frauen in der von Männern dominierten Kunstwelt unzähligen Schwierigkeiten und Hürden gegenüber. Yayoi Kusama hat erreicht, was keine einzige andere Künstlerin bisher geschafft hat: „Sie ist die einzige Künstlerin, deren Werke auf allen Kontinenten verkauft werden“, sagt Glenn Scott Wright, einer der Direktoren der renommierten Victoria Miro Gallery in London. Sie ist laut dem Ranking von Artnet auch eine der drei teuersten lebenden Künstlerinnen weltweit. So wurde eines ihrer Werke von 1960 bei Christie’s New York im Jahr 2014 für mehr als sechs Millionen Euro verkauft.

 

3. Der Phallus – eine immer wiederkehrende Form

 

Die Künstlerin hat in Interviews oft über ihre sexuellen Ängste gesprochen. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Werke, von phallischen Skulpturen über Repräsentationen des Mannes in der Gesellschaft. So besteht etwa ihre Skulptur „Traveling Life“ aus einer von phallischen Formen aus Stoff überwucherten Leiter, an der sich diverse Stöckelschuhe mühsam von Sprosse zu Sprosse hocharbeiten.

 

 

4. Yayoi Kusama nahm illegal an der Biennale von Venedig teil

 

1966 baute sie mit Hilfe von Lucio Fontana 1500 spiegelnde Kugeln vor dem italienischen Pavillon auf. Sie präsentierte so ihre Installation „Narcissus Garden“ ohne Genehmigung auf der Biennale, nachdem ihre Werke zuvor nicht ausgewählt worden waren. Dazu verkaufte sie die Kugeln an Passanten, und bis das Happening schließlich von der Polizei beendet wurde, war Kusama bereits zur bekanntesten Künstlerin dieser Biennale geworden. 1993 wurde sie schließlich offiziell eingeladen, Japan auf der 44. Biennale in Venedig zu vertreten.

 

5. Yayoi Kusama lebt seit 1977 in einer psychiatrischen Klinik

 

Nachdem sie seit 1957 in New York gelebt hatte, kehrte sie 1973 nach Japan zurück, als sich ihr Gesundheitszustand zusehends verschlechterte. 1977 begab sie sich schließlich freiwillig als stationäre Patientin in die psychiatrische Klinik Siwa in Tokio, wo sie auf ihren Wunsch hin seitdem permanent lebt. Ihr Atelier befindet sich nur wenige Minuten von der Klinik entfernt, wodurch es ihr in all den Jahrzehnten möglich war, Tag für Tag dort zu arbeiten.

 

6. Kunst als Therapie

 

Für Kusama ist die Malerei eine Art Katharsis. Wenn sie von Ängsten oder Halluzinationen von Punkten geplagt wird, reproduziert sie die Formen zu Hunderten und Tausenden, um das Gefühl der Angst loszuwerden.

 

7. Konzept der „Selbstauslöschung“

 

Was sie als Konzept in ihren Werken ausdrückt, ist zugleich eine der größten Ängste Kusamas: die Auflösung des Ichs. Generell beobachtet sie rundum das zunehmende Schwinden von Individualität und sagt, sie möchte nicht auf einen Punkt unter vielen reduziert werden, wie sie es immer wieder in ihren Werken darstellt. Dennoch meinte sie einmal, ihr sei völlig bewusst, dass „wir nichts als erbärmliche Insekten in einem unglaublich großen Universum sind“.

 

 

8. Faszination Raum und Unendlichkeit

 

Kusama ist vom Konzept der Umwelt fasziniert, was uns umgibt und wo unser Platz darin ist. In Ihren Werken und Installationen spielt sie mit Konzepten des Raums, vervielfacht ihn durch Spiegel, dringt mit Punkten in ihn ein, lässt durch Lichtprojektionen die Grenzen zwischen Werk und Betrachter verschwimmen.

 

9. Nackte Happenings für Schlagzeilen

 

Die Macht der Medien, Ideen und Bilder in einem rasanten Tempo zu verbreiten, faszinierte Kusama von Beginn ihrer Karriere an, und sie lernte dieses Vehikel zu nutzen. So organisierte sie etwa öffentliche Body Painting Events in New York, bei denen sie Personen bemalte – und zwar nackt. Bei all den von ihr organisierten Performances und Happenings vergaß sie nie, die Presse einzuladen.

 

10. Eigenes Museum, Mode und mehr

 

2017 eröffnete Kusama ihr eigenes Museum in Tokio. In den Jahren davor kollaborierte sie mit Marc Jacobs für eine limitierte Linie von Louis Vuitton an Mode, Accessoires und Lederwaren. Ihre Kunst war auch schon auf limitierten Lippenstiften und Smartphones zu finden.

 

Auf die Frage, warum sie so gerne Punkte malt, antwortete Yayoi Kusama einmal schwärmerisch: „Die Erde ist ein Punkt, der Mond ist einer, die Sonne ebenfalls. Das ganze Universum ist voll von Punkten, sie sind ein Symbol der globalen Liebe.“

 

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