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Sammeln mit Bewusstsein: Ein Leitfaden für ethischen Kunstkauf

Jedes Mal, wenn wir unsere Geldbörse zücken, stimmen wir als Verbraucher für oder gegen etwas. Einige Firmen machen es inzwischen transparenter, woher sie ihre Artikel beziehen, wie sie hergestellt werden und wie sicher sie für die Umwelt und die Menschen sind, die sie herstellen. Da fällt es nicht schwer zu verstehen, dass es nicht nur darauf ankommt, was wir kaufen, sondern auch, wie. Unsere Einkäufe reflektieren und prägen die sozialen, wirtschaftlichen, ökologischen und politischen Aspekte der jeweiligen Branche. Bei der Kunst ist das nicht anders.

Natürlich hoffen wir in erster Linie, dass Sie Ihre Sammlung rund um die Künstler und Kunstwerke aufbauen, die Sie am meisten lieben. Wir hoffen aber auch, dass Sie überlegen, woher Ihre Kunstwerke kommen und wem der Erwerb zugutekommt. Denn im Unterschied zu einer Tasse Kaffee geht es beim Kauf eines Kunstwerks oft um beträchtliche Summen – wo wieviel Geld landet und wie es genutzt wird, hat erhebliche Auswirkungen.

Die Feiertage rücken näher, also haben wir im Sinne der Spendenkultur einen einfachen Leitfaden für bewusstes Sammeln zusammengestellt. Darin finden Sie einige Organisationen aufgelistet, die es wert sind, unterstützt zu werden, sowie einige allgemeine Tipps.

Vermeiden Sie den Sekundärmarkt und unterstützen Sie lebende Künstler

Auf dem Kunstmarkt wechselt Geld oft die Hände, ohne dass etwas davon beim jeweiligen Künstler ankommt. Nachdem Künstler ein Werk einmal verkauft haben – sei es über eine Galerie oder direkt aus ihrem Atelier –, können sie sehr selten erneut davon profitieren, auch wenn der Verkaufswert des Werks im Laufe der Jahre in den Himmel schießt. („Selten“, weil in einigen Fällen oder Ländern – wie etwa im Vereinigten Königreich – Folgerechte den Künstlern einen wenn auch kleinen Prozentsatz des Sekundärverkaufs garantieren.) Wenn Sie am Werk eines lebenden Künstlers Interesse haben, sollten Sie erwägen, neue Arbeiten zu unterstützen, anstatt ältere Werke bei Auktionen oder einem Händler auf dem Sekundärmarkt zu erwerben. Finden Sie heraus, wer den jeweiligen Künstler repräsentiert und ob gerade Werke erhältlich sind. Und seien Sie abenteuerlustig bei der Suche nach noch wenig bekannten Künstlern, die es wert sind, unterstützt zu werden. Eine gute Möglichkeiten hierfür bieten Galerien wie Singulart (www.singulart.com), die Künstler weltweit für Sie zugänglich machen und einen kostenlosen Beratungsservice bieten. Achten Sie dabei darauf, dass die Galerie direkt mit den Künstlern arbeitet und keine Plattform ist, für die Künstler Gebühren zahlen müssen. Schließlich soll Ihr Geld direkt an den Künstler ausgezahlt werden und nicht an weitere Vermittler.

Bieten Sie bei wohltätigen Auktionen mit

Viele Sammler beteiligen sich an Benefizauktionen, weil sie eine Möglichkeit bieten, gefragte Werke unter Marktwert zu erwerben. Diese Auktionen bieten auch die Möglichkeit, Ihr Geld einer guten Sache zukommen zu lassen und dafür ein tolles Kunstwerk zu bekommen – zwei Fliegen mit einer Klappe. Denken Sie allerdings daran, dass nicht alle Benefizauktionen gleich sind, und sehen Sie genau nach, welchem Zweck die Versteigerung zugutekommt. Zwar ist es zum Beispiel immer eine schöne Sache, Museen zu unterstützen, aber es schadet nicht, sich zu informieren, wie die aufgebrachten Gelder einer Museumsauktion verwendet werden. Gibt es etwa gemeinnützige Initiativen oder Bildungsprogramme, die das Museum anbietet? Und wenn ja, werden diese Programme etwas von dem durch die Auktion aufgebrachten Geld sehen?

Ein sicherer Weg sind Auktionen, die Geld für eine bestimmte Sache oder eine gemeinnützige Organisation sammeln, die humanitäre Arbeit leistet, an die Sie glauben. Zum Beispiel veranstaltete Phillips im September 2017 eine Benefizauktion – mit Werken von Künstlern wie Tracey Emin, Anish Kapoor, Rita Ackerman, Rashid Johnson, Barbara Kruger und vielen anderen –, deren gesamter Erlös One Drop zugutekam, einer Organisation, die dabei hilft, mehr als 200.000 Lateinamerikanern den dringend nötigen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen zu ermöglichen. Im Oktober 2018 veranstaltete die Sean Kelly-Galerie in New York eine Auktion zugunsten der Human Rights Campaign, der größten LGTBQ-Bürgerrechtsorganisation in den USA. Auch Artspace veranstaltet immer wieder Benefizauktionen für verschiedene Zwecke, und Artsy hat in Kooperation mit RxArt im Herbst 2018 unter anderem Werke von Jeff Koons versteigert, um die Arbeit von RxArt zu unterstützen, die in den USA Kinderkrankenhäuser künstlerisch gestalten. In Wien gehören beispielsweise Sotheby’s und das Dorotheum zu den Veranstaltern von Benefizauktionen, deren Erlös an Einrichtungen der Caritas geht.

Einen Blick auf künftige Benefizauktionen zu werfen, zahlt sich also in jeder Hinsicht aus, wenn Sie planen, Ihre Sammlung zu vergrößern.

Sammeln Sie karitative Editionen

Wie Benefizauktionen sind auch spezielle Editionen eine erschwinglichere Möglichkeit, um Werke einiger Ihrer Lieblingskünstler zu erwerben und gleichzeitig einen guten Zweck zu unterstützen. So hat beispielsweise Artspace eine Reihe von karitativen Editionen namhafter Künstler unterstützt, die verschiedenen Organisationen und Zwecken in den USA zugutekamen, etwa dem New York City AIDS Memorial oder der Non-Profit-Organisation Planned Parenthood.

Machen Sie Ihre Hausaufgaben: stellen Sie sicher, dass Sie mit der Politik des Verkäufers einverstanden sind

Andrea Fraser ist eine der wichtigsten Künstlerinnen weltweit, die sich kritisch mit Institutionen auseinandersetzt. In ihrem 2018 erschienenen Buch „2016 in Museums, Money, and Politics“ beleuchtet sie den Zusammenhang zwischen Wahlpolitik und privaten gemeinnützigen Kunstinstitutionen in den USA. So veröffentlichte sie beispielsweise die gemeldeten Wahlkampfspenden, die von Treuhändern von mehr als 125 Kunstmuseen gemacht wurden. (Von den 6,4 Milliarden Dollar, die für Präsidentschafts- und Kongresswahlkämpfe aufgebracht wurden, stammte mehr als die Hälfte von nur ein paar Hundert Personen, von denen viele Vorstandsmitglieder und Unterstützer kultureller Institutionen sind.) Laut Andrea Fraser „muss die Unterstützung von Kunst mehr als Spenden an Museen umfassen; es muss auch um das Verteidigen der Werte, der gesellschaftlichen Strukturen und politischen Institutionen einer offenen, toleranten, gerechten und gleichberechtigten Gesellschaft gehen“.

Ein anderes Beispiel: Künstler Seth Price und eine Gruppe anonymer Programmierer haben einen Algorithmus entwickelt, um einige von Trumps führenden finanziellen Unterstützern aus der Kunstwelt offenzulegen. Die Resultate dafür werden auf der Website „Organic Software“ präsentiert. Darunter finden sich dann Namen wie Steve Mnuchin, Finanzminister unter der Trump-Regierung. Auch lässt sich gezielt nach Kunstinstitutionen suchen, wo man dann auf eine ganze Reihe von Vorstandsmitgliedern verschiedener Museen stößt, die etwa Wahlkämpfe der Demokraten finanziell unterstützt haben.

Unabhängig davon, wo man selbst politisch steht, gibt es also Möglichkeiten herauszufinden, ob das Geld, das man für Kunst ausgibt, in weiterer Folge in den Taschen von Politikern landet, die man absolut nicht unterstützen möchte. Hausaufgaben zu machen, ist also nötig.

Setzen Sie auf Vielfalt

Laut der Stiftung National Endowment for the Arts (einer 1965 gegründeten staatlichen Stiftung in den USA zur Förderung von Kunst und Kultur mit Sitz in Washington, D.C.) sind heute 51 Prozent der bildenden Künstler Frauen. Im Durchschnitt verdienen sie allerdings nur 81 Cent für jeden Dollar, den männliche Künstler bekommen. Wenn Sie der Auffassung sind, dass historisch marginalisierte Gruppen – etwa People of Color, Frauen, Mitglieder der LGBTQ-Community, Künstler aus nicht-westlichen Ländern, Menschen mit Behinderung — in der Kunstwelt mehr als bisher wertgeschätzt werden sollten, dann lassen Sie den Worten Taten folgen! Ganz gleich, für welche Künstler Sie sich interessieren, vergessen Sie nicht, dass die Galerie, die sie repräsentiert, auch von Ihrem Kauf profitiert. Schauen Sie sich die Liste der repräsentierten Künstler der jeweiligen Galerie an. Finden sich darauf ausschließlich Weiße oder hauptsächlich Männer, oder vertritt die Galerie eine vielfältige Gruppe an Künstlern? Beispiele für solch internationale Galerien sind etwa die Mariane Ibrahim Gallery, die Jenkins Johnson Gallery und die Kavi Gupta Gallery.

Sammeln mit Bewusstsein kostet also etwas Zeit, aber dank der uns heute zugänglichen Informationen war es noch nie einfacher.

Ein Kommentar

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    Hans Jürgen Diez

    Sehr guter Text. Endlich eine sinnstiftende Idee warum und wie man Kunst sammeln kann. Der Mainstream der „Kunst als Anlageobjekt“ reduziert den Sammler auf einen spekulierenden Zocker.

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