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Klang so die Stimme von Frida Kahlo?

Titelbild: Frida Kahlo. Bild: Secretaría Culture del Gobierno deMéxico

In einem Radioarchiv in Mexiko haben Forscher vermutlich die weltweit erste Tonbandaufnahme der Künstlerin Frida Kahlo (1907 – 1954) gefunden. Sollte sie echt sein, wäre es eine historische Entdeckung. „Darauf haben wir lange gewartet“, sagte der Direktor der Fonoteca Nacional de Mexico, Pável Granados, vergangenen Mittwoch. Die Stimme der berühmten Künstlerin sei stets ein großes Rätsel gewesen.

Der Radiobeitrag könnte in den Jahren 1953/54 aufgezeichnet worden sein, wurde aber vermutlich erst nach Kahlos Tod in einer Sendung des mexikanischen Rundfunkjournalisten Gálvez y Fuentes ausgestrahlt, in dessen Nachlass die Aufnahme nun gefunden wurde. Forscher wollen in den kommenden Wochen überprüfen, ob es sich bei der Sprecherin tatsächlich um Frida Kahlo handelt. Einiges spricht dafür.

Wohklingend und warm

Er ist ein großes, riesiges Kind, mit freundlichem Gesicht und traurigem Blick“. „Seine hohen, dunklen, extrem intelligenten und großen Augen halten selten still. Sie treten wegen ihrer geschwollenen und hervorstehenden Augenlider fast aus ihren Augenhöhlen – wie bei einer Kröte. Sie lassen seinen Blick ein viel breiteres Gesichtsfeld einnehmen, als ob sie speziell für einen Maler von großen Räumen und Menschenmengen gemacht wären“, sagt eine helle, weich klingende Frauenstimme in der Aufnahme. Ihre poetischen Worte beschreiben den mexikanischen Muralisten Diego Rivera, den zwanzig Jahre älteren Ehemann von Frida Kahlo, den sie 1929 geheiratet hatte.

Ton an: Dies könnte die einzige bekannte Tonaufnahme von Frida Kahlo sein.

Im Anschluss an die Textpassage sagt der Moderator: „Diese Stimme, die nicht mehr existiert, sondern nur in der Beständigkeit ihrer Worte fortbesteht, die Stimme von Frida Kahlo, hat uns in die ferne Kindheit des Malers entführt.“

Klanglich passt die Aufnahme gut zu einer Beschreibung der Fotografin Gisèle Freund, einer Freundin der Künstlerin, die in einem Artikel geschrieben hatte: „Frida raucht, sie lacht, spricht mit einer wohlklingenden und warmen Stimme.“

Wo ist die Angst?

Dennoch gibt es Zweifel an der Echtheit der Aufnahme. Die Stimme klingt zu warm, zu zart, fast süß – und scheint damit im Widerspruch zu Kahlos Leben und Werk zu stehen.

Frida Kahlo wurde 1907 in Coyacán im heutigen Mexiko-Stadt geboren. Mit sechs Jahren erkrankte sie an Kinderlähmung, als junge Erwachsene erlitt sie einen schweren Verkehrsunfall, der sie fast das Leben kostete. Seitdem hatte sie ständige Schmerzen, die die Künstlerin in ihren Bildern verarbeitete. Über die ständigen Seitensprünge ihres Mannes tröstete sie sich mit eigenen Affären hinweg. Außerdem hat Kahlo nach eigener Aussage viel geraucht und getrunken.

Ich hatte etwas Langsames und Schmerzvolles, Dunkles und Launisches erwartet“ , sagte der britische Kunstkritiker Waldemar Januszczak gegenüber der New York Times. „Stattdessen ist sie so munter wie eine Schülerin, die ihrer Mutter ein Gedicht vorträgt… Wo ist all die Angst geblieben? So viel jünger und glücklicher, als irgendjemand gedacht hätte.“

Facettenreiches Werk

Möglicherweise haben wir aber auch einen falschen Klang im Ohr. Das Werk – Gemälde in den Stilen Surrealismus und Neuer Sachlichkeit, Skizzen, Schriften – der Ausnahmekünstlerin ist viel facettenreicher, als es gemeinhin interpretiert wird. Nicht umsonst zählt Frida Kahlo, die nur 47 Jahre alt wurde, heute zu den berühmtesten Künstlerinnen Lateinamerikas.

Von Frida Kahlo inspirierte Gemälde, surrealistische Werke sowie originale Portraits und Selbstbildnisse finden Sie auch in der Online-Galerie Singulart. Schauen Sie vorbei!

Titelbild aus dem Twitteraccount des Secretaría Culture del Gobierno de México (@cultura_mx).

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