Interviews

Im Gespräch mit Anke Erlenhoff

Die erfahrene deutsche Malerin Anke Erlenhoff hat ihre Arbeiten bereits international mit vollem Erfolg ausgestellt. Ein zentrales Thema ihrer Kunst ist der Wandel von Metropolen, Industrielandschaften sowie Häfen. Hierbei sind Fotografien eine bedeutende Inspirationsquelle für ihre malerische Interpretation. Wie ihr Arbeitsplatz aussieht, erfahren Sie in diesem Interview. Das Gespräch führte Annika Nein

Was machen Sie morgens, sobald Sie aufgewacht sind?

Der Morgen beginnt jeden Tag mit Kaffee und Obst. Wenn ich keine Termine habe, gehe ich morgens joggen und fahre anschließend mit dem Fahrrad ins Atelier. Das sind ca. fünf km am Rhein entlang, allein die Fahrt ist schon inspirierend.

Was inspiriert Sie besonders?

In der Kunst ist der Weg das Ziel, d. h. ich muss mich nicht großartig motivieren. Ich komme ins Atelier und schaue mit neuem Blick auf die Arbeiten, die ich am Vorabend beendet habe. Ich habe ein Konzept im Kopf und überlege, an welcher Serie ich weiterarbeiten möchte. Die künstlerische Arbeit wird zwischendurch durch die Arbeit am Computer unterbrochen, da Bilder gescannt und versendet werden müssen. Ferner muss ich zwischendurch mal in die Druckerei, um Andrucke zu kontrollieren oder Glasarbeiten in Auftrag geben. Grundsätzlich arbeite ich an verschiedenen Serien und verlasse das Atelier dann gegen 20 Uhr.

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?

Ich habe ein privates Atelier in einem Atelierhaus mit 18 anderen Künstlern. Mein Atelier geht über zwei Etagen und ist ca. fünf Meter hoch. Es ist besonders gedämmt, ich habe einen Gewerbemietvertrag und kann rund um die Uhr arbeiten. Durch die riesige Fensterfront, ich habe Nordlicht und Zentralheizung, sind die Arbeitsbedingungen optimal. Alle Bilder über 3,00 m Größe kann ich durch die Fenster abseilen. Leider sind Ateliers in Köln sündhaft teuer.

Anke Erlenhoff, "Hamburg I", Acryl und Lack auf Papier, 29x38cm, 2014
Anke Erlenhoff, „Hamburg I“, Acryl und Lack auf Papier, 29x38cm, 2014

Würden Sie uns Ihre Maltechnik und Ihren Stil beschreiben?

Ich habe Malerei studiert, arbeite aber multimedial. Daher fallen meine künstlerischen Arbeiten sehr unterschiedlich aus. Alle meine Arbeiten haben jedoch eine gemeinsame Technik, das ist die Malerei.

Es gibt  rein malerische Bilder, die aus Schichtungen von Farbe bestehen. Jede Farbschicht muss trocknen, und dann werden unzählig viele Schichten übereinander gelegt, bis eine Schwingung entsteht. Zudem gibt es Arbeiten, die einen Fotokern , z. B. Landschaften, beinhalten. Die Fotos werden  schwarz-weiß auf ein Spezialpapier gescannt oder auf Leinwand geprintet und dann von mir malerisch bearbeitet. So entstehen Originale auf Papier oder auf Leinwand.

Seit ca. vier Jahren arbeite ich  u. a. mit dem Medium Glas, d. h. malerische Entwürfe werden in Glas geprintet. Durch das Medium Glas erreiche ich in meinen Arbeiten eine Dreidimensionalität, die ich auf der herkömmlichen Leinwand vermisse. Das Glas gibt die Schichtungen meiner Malerei wieder und man hat das Gefühl, man schaut in das Objekt hinein. Ferner bietet das Arbeiten mit Glas eine gewisse Unbegrenztheit in der räumlichen Anwendbarkeit. Man kann mit Glas Rauminstallationen in fast jeder Größenordnung erreichen. Das fasziniert mich.

Was sind die wichtigsten drei Utensilien in Ihrem Atelier?

Ganz wichtig sind für mich die Farben und die Pinsel, und die Schwarz-Weiß-Scans müssen super durchgezeichnet sein. Natürlich spielt die Beleuchtung auch eine wichtige Rolle. Ich arbeite mit Museumsleuchten, so dass ich immer das gleiche Licht habe.

Wie stellen Sie fest, dass ein Kunstwerk fertig ist?

Das ist wirklich kompliziert. Hierbei spielt die Erfahrung eine wesentliche Rolle. Man kann auch von einem magischen Augenblick sprechen. Es findet plötzlich eine Verdichtung im künstlerischen Prozess statt, und das Bild ist fertig. Problematisch wird es, wenn man den Moment verpasst. Das Bild ist dann zerstört bzw. zu Tode gemalt, und das ganze beginnt wieder von vorne.

Anke Erlenhoff, "London", Acryl und Lack auf Leinen, 80x120cm, 2012
Anke Erlenhoff, „London“, Acryl und Lack auf Leinen, 80x120cm, 2012

Was machen Sie gerne, um sich nach einem Arbeitstag zu entspannen?

Da die künstlerische Tätigkeit eine sehr schöne, aber auch sehr einsame Tätigkeit ist, treffe ich mich abends gerne mit Freunden. Oft steht aber die Arbeit am Computer abends noch im Vordergrund.

Was ist Ihr Lieblings Aspekt in Ihrem kreativen Arbeitsprozess?

Am liebsten entwickle ich Konzepte für meine neuen Arbeiten. Darüber Hinaus ist für mich der Anfang beim künstlerischen Arbeiten das Schönste,  wenn ich noch völlig frei in meinen Entscheidungen bin. Je weiter der künstlerische Prozess fortgeschritten ist, desto komplizierter wird es, und man muss vorsichtiger in den Entscheidungen werden.

Vielen Dank Anke! Weitere Infos und Kunstwerke finden Sie auf der Künstlerseite von Anke Erlenhoff.

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